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Kosovo, der jüngste Staat in Europa - Kommentare, Reportagen, Fotos - von Norbert Gisder. lesen 

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Erdogan stoppen: Zur Behauptung des türkischen Präsidenten, gegen den IS vorgehen zu wollen, tatsächlich jedoch lediglich die Kurden zu bekämpfen, gibt es weltweit Kritik - die von den Nato-Verbündeten der Türkei  weitgehend ausgeblendet wird. Das türkische Militär geht an der syrisch-türkischen Grenze gegen kurdische Flüchtlinge vor und verwehrt Opfern der Angriffe des IS die Einreise in die Türkei, während sich IS-Kämpfer dort weiter frei bewegen können. Die Kumpanei Merkels mit Erdoğan muss beendet werden. Das fordern nicht nur Gregor Gysi und Sevim Dagdelen in ihren Kommentaren. lesen

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Gasthaus "Zur Byttna" - Straupitz im Oberspreewald

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Quo vadis Kosovo - Serie über den jüngsten Europäer - Teil 17: <br /> Konflikte im Dialog lösen - der Appell an die Widersacher

Bundeskanzlerin Merkel in Kosovo – Zweck und Wirkung <br /> eines unterbewerteten Staatsbesuchs

Analyse von Norbert Gisder
19.12.2011

Es ist eine der vielleicht am wenigsten beachteten Reisen - und doch zugleich eine der wichtigsten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz vor Weihnachten gerade noch in ihren prallvollen Terminkalender 2011 einfügt. Um diese Superlative nicht allein stehen zu lassen noch folgende: Der jüngste Staat Europas wird mehr und mehr zu einem der modernsten. Als zuverlässiger Handelspartner kann sich der Kosovo auf mittlerweile solide Fundamente stützen. Obwohl noch nicht in der EU, sorgt der Euro als Landeswährung für stabile Verhältnisse. Seit 2008 hat eine von UN und EU beratene Regierung moderne Verwaltungsstrukturen auf den Weg gebracht. Die Zukunft Europas ist in Kosovo irgendwie schon Gegenwart.

Das manifestiert sich auch im Parlament in der Hauptstadt Pristina: In keinem anderen Staat sind alle Minderheiten so fest in der Verfassung verankert und sogar mit Sitzen in der Volksvertretung repräsentiert; der Kosovo als einer der zuverlässigsten Handelspartner auf dem Balkan hat Rohstoffe in einer Fülle, wie kaum ein anderer Staat auf einer so kleinen Fläche in Europa. Die geologischen Strukturen des Kosovo Polje, des Amselfeldes, umgeben von den Gebirgen nach Mazedonien und Albanien, Montenegro und Serbien, gehören zu den ältesten Europas. Eisen, Zink, Kupfer, Chrom, Nickel gibt es in Mengen und in einer geologischen Dichte, wie dies in sonst kaum einem anderen Land Europas der Fall ist. Die größte Chromerzmine Europas wurde vor knapp 4 Wochen in Betrieb genommen (Report darüber: Öffnet internen Link im aktuellen Fensterhier). Und an Energie hat dieses Land einen solchen Überfluss, dass Kosovo alle Nachbarn damit versorgen könnte.

Das gilt auch für die Arbeitskräfte: Der serbische Genozidversuch an den Kosovaren ist noch keine 12 Jahre her und ist glücklicherweise am Einsatz der internationalen Gemeinschaft – seit Jahren unter Führung deutscher Generäle – gescheitert. Eine mit nahezu einer dreiviertel Million Menschen gewaltige Diaspora unterstützt seither das kleine Westbalkanland mit Geld und Moral. Und im Land selbst gibt es eine große Zahl arbeitshungriger, junger und verhältnismäßig solide ausgebildeter Arbeitskräfte.

Regierungssprecher Steffen Seibert hat also mit seiner Ankündigung der Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Sicherheit nur die nach außen gut zu verkaufenden Fakten des Staatsbesuches verkündet: "Die Bundeskanzlerin fliegt morgens nach Pristina und trifft kurz nach Ihrer Ankunft mit dem Premierminister Hashim Thaçi zum Gespräch zusammen.

Gegen Mittag fährt sie zum Hauptquartier der KFOR-Truppen und spricht mit General Drews. Anschließend isst die Kanzlerin gemeinsam mit deutschen Soldaten zu Mittag.

Am Nachmittag finden noch weitere Gespräche statt, bevor Merkel am Abend wieder in Berlin landet."

So lakonisch liest sich die offizielle Mitteilung.

Tatsächlich steckt Sprengstoff hinter diesem Besuch: England arbeitet hinter den Kulissen hart daran, die Nickelminen wieder in Besitz nehmen zu dürfen, die nördlich und südlich von Mitrovica die Erde des Landes zum Spielfeld der Mächte werden lässt. Um diesen Reichtum wieder in seine Verfügungsgewalt zu bekommen, davon darf man ausgehen, wird so manche Ranküne gesponnen. Der Reichtum liegt genau in jenem umstrittenen Grenzgebiet nach Serbien, aus dem heraus serbische Sniper seit Mai und unter anderem auch mit deutschen Scharfschützengewehren auf deutsche KFOR-Soldaten geschossen haben (siehe Öffnet internen Link im aktuellen FensterSerbien-Report in GT). Die Minen gelten als strategisch äußerst bedeutsam. Und so wird der nur sehr verhaltene Einsatz Englands für die nationale Integrität des Kosovo inklusive seiner nördlichsten Stadt, Mitrovica, verständlich.

Man muss kein Schelm sein, um zu ahnen, dass die immer noch von Milosevic geprägte Administration Serbiens, die unter dem pseudoliberalen Präsidenten Boris Tadic ihren Dienst tut, England gute Angebote für den Fall gemacht hat, dass der Nordkosovo vom Rest des Landes abgespalten und einer separaten Administration unterstellt wird. Und ähnlich dürfte es sich für den Fall einer Aufnahme Serbiens in den honorigen Kreis der EU-Beitrittskandidaten handeln.

Dass Teile der Elite Frankreichs in dieser Beziehung eine zutiefst anti-europäische Rolle spielen, ebenso wie einige italienische Stimmen, die ebenfalls beim jüngsten EU-Gipfel von Anfang Dezember 2011 nicht gegen die Aufnahme Serbiens als EU-Beitrittskandidat gestimmt haben, ist historisch begründet – dadurch allerdings nicht weniger verwerflich: Beide Länder haben 1912 - mit England gemeinsam – den Anschluss des ethnisch nordalbanischen Amselfeldes an Serbien mitbetrieben; ihr Ziel damals war, das von Österreich unterstützte Albanien zu schwächen, seinen Einfluss zu limitieren und die territoriale Ausdehnung des „österreichischen Projektes Albanien“ zu beschneiden.

Heute noch in der Tradition der alten, europäischen Machtinteressen befangen, ist die aktuelle Politik aller drei Länder nicht nur bigott und verlogen, sondern überdies historisch rückwärts gewandt und für ein modernes Europa schädlich.

Denn Kosovo, knapp halb so groß wie Hessen, ist zwar eines der kleinsten Länder Europas, zugleich als Vielvölkerstaat allerdings ein Melting-Pot von kontinentaler Dimension. So gesehen ist Kosovo das Knie des alten Mannes Europa – wird dort geschossen, stürzt der alte Mann Europa und mit ihm die Glaubwürdigkeit des europäischen Engagements in der Region insgesamt in sich zusammen.

Doch die in erheblichem Maß vorhandenen, strategischen Mineralien und Metalle lassen so manche europäische Macht aus alten Tagen in der Sehnsucht nach einstigen Verfügungsgewalten schwelgen. Die Erfordernisse einer modernen, zukunftsorientierten und für die Menschen gebauten EU der Regionen geraten hinter solchen Interessen in Vergessenheit: die Visafreiheit etwa. Visafreiheit für die Kosovaren würde ein wichtiger Baustein für eine dauerhafte Befriedung, ja, eine echte Zukunftsperspektive für den Frieden auf dem Balkan sein: Die knapp 1,7 Millionen Kosovaren sind die einzigen im Westbalkan, die immer noch nicht visafrei durch Europa reisen dürfen.

Diese Diffamierung eines Volkes, das durch eben jenes diffamierende Europa gerettet wurde, ist der eigentliche, unerträgliche Faktor für die Menschen. Während selbst die serbischen Usurpatoren, aber auch die westbalkanischen Nachbarn, die Mazedonier, die Montenegriner, die Menschen des Nato-Mitgliedsstaates Albanien ganz natürlich und visafrei nach Westeuropa reisen dürfen, bleibt dies den Kosovaren verwehrt. Man muss es ganz ausdrücklich betonen: die Visapflicht für die Menschen des Amselfeldes ist eine unerträgliche Ungerechtigkeit.

Immerhin, die Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist den Menschen im Land ein Signal: Dafür, dass sich einiges ändert, zum Beispiel was die Visapflicht besteht; oder internationale Abkommen; oder die Akzeptanz des Landes durch mehr ausländische Investoren.

Es gibt auch die Gefahr eines Rückschlags: Wenn der EU-Gipfel im März 2012 die Beitrittskandidatur Serbiens doch noch durchdrücken sollte, dürften die positiven Effekte und die Hoffnungen der Menschen rasch verfliegen.

Sollten sich die Antieuropäer unter den Franzosen, den Engländern, den Italienern und anderer Nationen - inklusive jener fünf EU-Staaten, die den Kosovo noch gar nicht anerkennen - in ihrer Unterstützung Serbiens als EU-Beitrittskandidat durchsetzen, so wäre zumindest das gesamteuropäische „Projekt Demokratie Kosovo“ gescheitert.

Also hoffen die Menschen in Kosovo darauf, dass Angela Merkel, die deutsche Bundeskanzlerin, von vielen als „Mutter der Freiheit auf dem Balkan“ geschätzt, im Land des Kosovo Polje die Eindrücke mitbekommt, die sie braucht, um ihre Haltung und ihren Einsatz für eine weitere Genesung des „Knies des alten Mannes Europas“, des Kosovo, zu befördern. Sie hoffen, die deutsche Bundeskanzlerin werde notfalls auch gegen den Willen der alten Mächte des alten Kontinents ihr Veto einlegen, die Serbien in die EU nehmen wollen, weil ihnen die heutigen Diktatoren der Pseudodemokratie Serbien Vorteile versprechen, die ihnen die alten, feudalen Möglichkeiten zurückgeben.

Dass dies in Deutschlands Parteienlandschaft mehr und mehr erkannt wird, zeichnet sich ab.

Das ist den Menschen auf dem Balkan eine Hoffnung – übrigens nicht allein den Albanern und Kosovaren, sondern ebenso den Mazedoniern und Montenegrinern sowie des Kroaten, die traditionell mit den Kosovaren sehr enge Freundschaften pflegen.

Die Einsicht hängt vielleicht mit dem einstigen, jugoslawischen Zentralstaat zusammen: Denn wer Serbien heute selbst in Augenschein nimmt, der sieht rasch, dass man sich in diesem Land immer noch im vorletzten Jahrhundert befindet. Serbien ist trotz milliardenschwerer Hilfe von der EU alles andere als modern und europatauglich. Bergen Griechenland und andere EU-Schuldenländer ein Risiko für ein prosperierendes Gesamteuropa, so wäre Serbien ein Sprengsatz; zumindest aber der Anker, der ein weiteres Vorankommen endgültig unmöglich machen würde.

Vielleicht hat auch in diesem Fakt die immer spürbare, klammheimliche Unterstützung Serbiens durch Teile der englischen, französischen und italienischen, politischen Eliten ihre Grundlage: So ein bisschen ist Europa halt immer noch auf die Sabotage des humanistischen Prinzips von Gleichheit und vergleichbaren Chancen im Aufbau nationaler Integritäten zugunsten der Egoismen einzelner gestützt.

Dass Angela Merkel vor diesem Hintergrund die Auflösung serbischer Parallelstrukturen im Norden des Kosovo sowie die Anerkennung der serbisch-kosovarischen Grenzen durch alle Parteien und Länder verlangt, ist mutig – und richtig! Die Bundeskanzlerin ist bestens beraten, wenn sie sich auch weiterhin weder durch Querschüsse schlechter französischer, britischer und italienischer Europäer noch durch die Bigotterie des stellvertretenden serbischen Regierungschefs und Innenministers Ivica Dacic bremsen lässt; der polemisierte jüngst, Deutschlands Forderungen für Mitrovica würden bedeuten, „dass Serbien die Serben im Kosovo abschaffen“ müsse … wohl kein zweiter Staatsmann dieser Vorweihnachtstage 2011 verdreht mit seiner Polemik dermaßen die Realitäten. Und zeigt damit zugleich das wahre Gesicht des heutigen Serbien, wenn er die Kosovo-Politik des einstigen jugoslawischen Diktators Slobodan Milosevic und dessen geplanten Völkermord an den Kosovaren mit den Worten zusammenfasst: "Ich bin der Vorsitzende der Partei, die an der Spitze des Staates Krieg geführt hat gegen die ganze Welt und ich weiß, dass wir im Recht gewesen sind.“ 

... im Recht: mit den Plänen eines Völkermordes, wohlgemerkt! ...

Wer will unter diesen Umständen eigentlich noch eine Beitrittskandidatur Serbiens unterstützen, die nicht zumindest von einer gleichzeitigen Beitrittskandidatur des Kosovo begleitet wird? Er würde sich tatsächlich als Antidemokrat und Gegner Europas outen.

Das führt abschließend zu einem letzten Superlativ, der auf dem Balkan wie in wenigen anderen Regionen Europas dieser Tage aktuell ist: Von keinem anderem Momentum hängt Gerechtigkeit mehr ab, als von Gerechtigkeit, die auch von der Politik gelebt wird und für die Menschen nachvollziehbar ist.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterDas sagen die Menschen - Report über den Staatsbesuch von Serbeze Haxhiaj, Pristina, Kosovo

 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterDas sagte Hashim Thaci, Premierminister der Republik Kosovo, zum Staatsbesuch

 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterDas sagte Angela Merkel, Bundeskanzlerin, am Flughafen von Pristina

 

Lesen Sie die ganze Serie in GT:

 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 1: Quo vadis Kosovo ... - worum es geht. Von Norbert Gisder 05/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 2: Albin Curti - Rebell der Herzen und des Verstands 06/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 3: Atifete Jahjaga - jüngste First Lady Europas 06/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 4: Bildung ist die beste Medizin 06/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 5: Ein Gymnasium für den Kosovo - Wege aus der Zerrissenheit 06/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 6: Bildung, Kultur, Schule - Grundlagen für Frieden im Land 06/2011 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 7: Alles über die Asociation "Loyola-Gymnasium", Prizren, Kosovo 06/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 8: Offizielle Außenpolitik - Rede des Bundesaußenministers 05/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 9: Mitrovica - der Norden des Landes der Skipetaren bleibt unruhig 05/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 10: Der Außenminister des vergessenen Volkes - Interview mit Enver Hoxhaj (1) 08/2011 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 11: Kriminelle, Unruhen und das Verhältnis zu Serbien - Hoxhaj-Interview (2) 08/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 12: Serbia's Economic Nonsense 08/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 13: Nightmare of a Kosovo Serb - by Getoar M. Mjeku 07/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 14: Serbiens Aggressoren, Schüsse auf die KFOR - Kommentar von Norbert Gisder 07/2011 

Öffnet externen Link in neuem FensterÜbersetzung (albanisch): RTK - Koment: Agresioni paramilitar serb dhe plumbat për KFOR-in

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 15: "Gut getan, Frau Merkel", Kommentar von Agron Bajrami 12/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 16: Kosovo: Der größte Chromerztagebau nimmt seinen Betrieb auf 12/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 17: Bundeskanzlerin Merkel in Kosovo – ein Staatsbesuch 12/2011  

Öffnet internen Link im aktuellen FensterSerbeze Haxhiaj über die Menschen - zum Staatsbesuch von Angela Merkel 12/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 18: Kadri Veseli und die neu gewonnene Ehre der Männer aus den Bergen 12/2011

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTeil 19: Transatlantische Allianz und alte Intrigen 2012 - Analyse von Norbert Gisder 12/2011

 

Die Serie über den Kosovo - mit Strahlkraft auf den gesamten Balkan, bisher traditionell das Pulverfass Europas - wird fortgesetzt. 2012 erscheint außerdem das Buch von Norbert Gisder: "Sie gingen über Leichen ..." - Aspekte, Hintergründe und Kommentare zur aktuellen Balkankrise.

 

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