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Und auf keinen Fall vergessen:

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Erdogan stoppen: Zur Aussage des türkischen Präsidenten, gegen den IS vorgehen zu wollen, gibt es weltweit Kritik - die von den Nato-Verbündeten der Türkei  weitgehend ausgeblendet wird. Das türkische Militär geht an der syrisch-türkischen Grenze gegen kurdische Flüchtlinge vor und verwehrt Opfern der Angriffe des IS die Einreise in die Türkei, während sich IS-Kämpfer dort weiter frei bewegen können. Die Kumpanei Merkels mit Erdoğan muss beendet werden. Das fordern nicht nur Gregor Öffnet internen Link im aktuellen FensterGysi und Sevim Öffnet internen Link im aktuellen FensterDagdelen in ihren Kommentaren. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen

In eigener Sache

Praktikumsplatz. GT - das Online-Magazin - bietet jungem, ambitionierten Kollegen von Morgen einen Praktikumsplatz für vier Wochen. Wenn Sie interessiert an einer guten Ausbildung in journalistischen Stilformen sind, die Arbeit rund um ein internationales Online-Magazin in einer spannenden Aufbauphase kennenlernen wollen, schicken Sie Ihre Kurzbewerbung mit Bild an:

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Fact-Finder. Sie ärgern sich, dass so vieles nicht in der Zeitung steht, was aber doch interessant ist? Schicken Sie Ihren Tipp an GT - das Online-Magazin. Sie wollen die Story gleich selbst schreiben? Dann stellen Sie sich bitte in einer Kurzbewerbung mit Foto vor, GT arbeitet gern mit Newcomern, sofern diese professionelle, journalistische Arbeiten verantworten können.

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Privacy Shield ist die neue Daten-Mogelpackung

Die ‚Safe Harbour‘-Nachfolgeregelung der EU Kommission kann die massenhaften Datenerhebungen und -nutzungen durch US-Behörden nicht im Ansatz verhindern und ist weder mit den europäischen Grundrechten noch mit der aktuellen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vereinbar. Man kann deshalb nur hoffen, dass sie nicht lange Bestand haben wird. Sagt Jan Korte in seiner Analyse in GT. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen


2013, 2014 und 2015 wurde GT von einer Leserjury zu den 100 besten, deutschen Magazinen gewählt. Haben Sie Teil: Spenden Sie für guten Journalismus. (Gehen Sie einfach über den Spendenbutton unten.)

Das neue Buch: "Glück im Schritt"

 

Die Neuauflage der Prosa-Klassiker von Norbert Gisder. Mit der Geschichte „Die Maske der Schönen“, der Novelle „Mars ruft Venus“ und dem Roman „Amok – oder: Die Schatten der Diva“ hat Norbert Gisder der Deutschen Belletristik drei große, schillernde Werke hinzugefügt, die in jedem ernst zu nehmenden, deutschen Feuilleton Beachtung gefunden haben. In einer Sonderedition gibt die Reihe GT-E-Books für Leser dieses Magazins alle drei Prosastücke in einem Sammelband unter einem schillernden, vieldeutenden Bild neu heraus. „Glück im Schritt“ lautet der metapherndichte Titel. Öffnet internen Link im aktuellen Fenstermehr lesen

 

Schon bei einer Spende ab 10 Euro erhalten Sie alle drei Bücher im Gesamtwert von über 42 Euro in einem übersichtlichen Sammelband als E-Book. Nach Überweisung der Spende erhalten Sie eine PDF-Datei des Werkes von Norbert Gisder zugesandt.

Norbert Gisder, "Glück im Schritt", Kurzgeschichte, Novelle, Roman, Edition GT-E-Books, 523 Seiten, 10,00 Euro. mehr lesen

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Glück im Schritt

Das Prosawerk von Norbert Gisder in der Edition GT-E-Book für Leser zum Download
23.04.2012

Erzählung, Novelle, Roman – das Vorwort

 

Drei Werke, ein Autor: Seit seiner Kindheit schreibt Norbert Gisder. Die Prosa in diesem Buch lässt die Absicht schillern: Gründe hinter den Gründen zu benennen, die den Leser auf der Suche nach Glück nie im Stich lassen – ob er will, oder nicht.

Leser, die sich einlassen, werden befreit von einer Sicht auf die Dinge, die schon vor Fassaden kapituliert.

Denn nur darin liegt das Glück: In der Sicht, die das Leben sieht, wie es ist, nicht wie es scheint.

Mit der Erzählung „Dreierverhältnis“, der Novelle „Die Schatten der alten Dame“ sowie dem Roman „Verführt“ stellt Norbert Gisder drei Werke vor, die dieses eine Ziel tragen - ...

... Lebenslust, die Freude macht: Glück. Alle drei Prosa-Stücke sind überarbeitet und in einem Band zusammengefasst.

Die Neugier auf Visionen steigert sich beim Lesen durch diese Didaktik so spürbar wie die Sehnsucht nach Glück im Menschen, immer – und in eben all diesen Facetten, die aus dem Leben Leben machen.

Dreierverhältnis

Erzählung. Von Norbert Gisder

Prolog:

Was ist Traum? Was Wirklichkeit? In der Dreiecksgeschichte der Erzählerin Viola, die Robert mit 15 kennenlernt, als Frau wiedertrifft und die sich vor dem Schattenriss des Geschehens in einer fiktiven Berliner Zeitungsredaktion der Nachwende-Zeit in dessen verräterische Freundin Julia verliebt, steckt ein Beispiel von Sehnsucht, von Verachtung; eine lustvolle Intrige, die im Geflecht des Unausgesprochenen im Alltag spielt. Der Geschlechterkampf als Schattenreich von Verboten und Vorboten auf das, was wir ersehnen, ohne es zu artikulieren, befürchten, ohne es zu verhindern.  

„Dreierverhältnis“ erzählt von gefühlter, also vermeintlicher und von tatsächlicher Prostitution im Alltäglichen: Wann ist das Leben Prostitution? Nur dann, wenn man Geld für sexuelle Leistungen erhält? Oder bereits, wenn man den sexuellen Duftstoff zur Verlockung des anderen oder des eigenen Geschlechts verwendet, um eine Situation für die eigene Entwicklung günstig zu beeinflussen? Das Antichambrieren perfekt einsetzend – …

Reicht schon die Lust an der Manipulation?

Wie zerstörerisch kann freie Liebe sein?

Wie weit geht Exhibitionismus?

Prostitution ohne sozialen Druck und Zwang – gibt es das?

Nicht jede Frau und auch nicht jeder Mann wird diese Geschichte akzeptieren; leicht, erschreckend undfaszinierend erzählt Norbert Gisder dieseGeschichte aus dem Alltag einer fiktiven Berliner Zeitungsredaktion.

Leseprobe

1. Robert Fischer

 

Stell dir vor: Da sitzt eine Frau. Allein an einem kleinen Bistrotisch. Daneben ein Mann. Ebenfalls allein. Eine Goldblonde bedient. Sie trägt mit Stolz ihre Brüste zur Schau. Auf ihrem T-Shirt der Aufdruck ‚We are all Prostitutes’. Sie hat grüne Augen. Das Feuer der Hölle. Und dieser Blick, der ihr die Aura von Kälte gibt.

 

Robert Fischer sitzt am Tresen. Guckt zur Frau. Guckt zum Mann. Guckt zur Barfrau. Selbst wenn sie still steht, wippen ihre Brüste. Jede ein Pfund, schätzt Robert, will den Blick nicht abwenden von diesen großen, gerade vom Körper abstehenden schweren Dingern, die vom Rhythmus des Atems in ihren vibrierenden Bewegungen gehalten werden. "We are all Prostitutes." Sekundenbruchteile eines verheißungsvoll angedeuteten Lächelns streifen den Jungen, dann dreht ihm die Barfrau den Rücken zu. Sie hat flinke Hände. Aber, denkt Robert, bei solchen Brüsten ist der Rest egal.

 

Zwei Typen in der Ecke unterhalten sich. Schenken der Barfrau keinen Blick. Eine schlanke Brünette sitzt an einem Nebentisch, sinniert, in intimen Kontakt mit der Glut ihrer Zigarette versenkt. Keiner beachtet sie.

 

In einer anderen Ecke ein Pärchen. Es scheint so, als würde es tonlos Gedanken austauschen, gelegentlich sogar Worte. Robert fühlt sich erleichtert. Wenigstens eine dem Anschein nach normale Beziehung. Robert sitzt gern an Kneipentheken. Man hat alles im Blick, ist mittendrin. Da wird die Einsamkeit weniger auffällig, der Einsame weniger anfällig.

 

Ein Mädchen tritt ein. Stellt sich an die Theke. Kastanienbraunes, gelocktes Haar, hinten zu einem Busch zusammengebunden. Sieht niedlich aus. Sweatshirt, Mini. Schlanke Beine, schlanke Fesseln. Schöne Füße in Riemchensandaletten. Offenes Lachen auf den Lippen, auf schönen, vollen, weichen Lippen in einem schönen, ebenmäßigen Gesicht. Kleine Nase, helle, aufgeschlossene Augen. Sie unterhält sich mit der Barfrau. Robert mustert jedes Detail.

 

Was glotzt du so saudumm - noch nie eine Frau gesehen? - scheint aus den Augen der Brünetten zu funkeln, als sie zu Robert sieht.

 

Man(n) bleibt allein - in einer Bar in Berlin, denkt der lange, hagere Junge, der gern an Kneipentheken sitzt, weil dann die Einsamkeit weniger auffällt. Diese nur scheinbar so weltoffene Stadt ist alles andere als das. Robert sieht zu den beiden Typen hinüber. Der ältere dreht sich weg. Tuschelt. Das Mädchen am Bistrotisch steht auf. Robert schaut sie an. "Fick dich", zischt sie, als sie an ihm vorbeigeht. Die Barfrau grinst. Häme kriecht durch verrauchte Kneipenluft. Robert spürt Feindseligkeit. Neugierde. Will wissen, ob Neugierde zu befriedigen ist, in dieser angeblich so kosmopolitischen Metropole. Coole Fassaden. Gibt es Menschen, die sich hinter ihre coolen Fassaden blicken lassen?

 

"Ist wohl so üblich, hä?" Die Barfrau wirkt ordinär, sobald sie den Mund auftut. "Was?" - fragt Robert. "Das Gaffen", giftet sie, "dein dämliches Gaffen, meine ich". Aggressivität sprüht aus ihren Augen. "Dämliche Affen?" fragt Robert zurück, grinst. Die Barfrau wird unsicher. Um zu verstehen, ob sie verarscht oder bloß nicht verstanden wird, muss sie nachfragen. Doch die Blöße, eine mögliche Subtilität nicht zu durchblicken, will sie sich nicht geben. Mehr Schein als Sein, würde das ihre Coolness zerstören. Sie wendet sich ab. Wischt Bierschaum von der bald wieder chromblitzenden Schankfläche. Robert bleibt allein.

 

"We are all Prostitutes", wippt mit dem T-Shirt, während sie ihm deutlich unwillig sein zweites Bier über die Theke schiebt.

Die Schatten der alten Dame

Novelle. Von Norbert Gisder

„Die Schatten der alten Dame“ ist eine vielfältig verschachtelte Folge von Geschichten der Liebe zum Leben. Die Novelle erzählt zugleich davon, dass Liebe mehr ist als eine Reihe von Zufällen, Unfällen, Reinfällen und Einfällen des Lebens. Was an dem, was ist, haben wir eigentlich selbst in der Hand? Die Frage stellt sich beim Lesen immer wieder – und zugleich erweitert sich die Betrachtung auf das, was wir leben: Welche Zufälle können wir steuern?

Die Geschichte: Maria und Jacobus Thimme haben sich in ihrer Jugend getrennt; Jahrzehnte ist es her, aber die Wirkung des einstigen Vertrauens bleibt ebenso prägend wie der Vertrauensbruch. Eigentlich wie geschaffen füreinander, wurden sie durch Einflüsse, die sie nicht steuern konnten, dennoch in Fahrwasser gespült, die sie auseinandergeführt haben.

Leseprobe

Die Chefin und ihr Autor

Die Verlegerin, zugleich Cheflektorin ihres eigenen Verlagshauses, eine Position, die sie tatsächlich  ausgeübt hat, bevor sie den Verleger geehelicht und nach dessen Tod in seine viel zu großen Schuhe gestiegen war, schaut missmutig auf: „Schon wieder Sie?“ Der Praktikant hält den Blick gesenkt, so will es die Chefin, das weiß jeder, das hat man auch ihm beizeiten und respektvoll flüsternd gesteckt. Zwar hat sie es nie gesagt, nie offen gefordert, andererseits jeden aus ihrer Mannschaft ausgeschwitzt, der mit geradem Rücken und nicht devoter Haltung jemals an sie herangetreten ist. Sie ist nun mal die Chefin. „Also?“

„Dieser Brief kommt soeben herein. Und außerdem: Ich hätte ihnen gern mal einen Text vorgestellt. Habe ich selbst geschrieben. Vielleicht für die Spalte ,junge Literaten´ in unserer CI-Broschüre? Oder in der Anthologie zum Jahresausklang?“

Mhm. Missmutig greift die Feuilletonistin nach Brief und Manuskript. Immer diese Emporkömmlinge, die alle vermuten, sie könnten schreiben. (Noch missmutiger wird die Frau, wenn sie feststellt, die können es wirklich.) Der Dr. Dr. zieht sich zurück, die Chefin wirft den Brief auf einen Stapel ungeöffneter Post, das Skript auf den Schreibtisch, wobei ihr Blick auf der Überschrift hängen bleibt.

„Ruin am Montag Abend …“

Der Titel amüsiert Maria. Die Verlegerin, die sich immer noch so gern als Cheflektorin sieht, weil sie in dieser Position wenigstens noch Diskurse begleitete und nicht nur Herrin über das Scheckbuch war, empfindet einen seltsamen, ihr im allerbesten Fall zweideutig verständlichen Reiz des Zwerchfells. Der Sekunde Spaß folgt eine zweite: Wenn einer ruiniert ist, dann kann der Text nicht so uninteressant sein. Die Chefin liest: „… den 19. Oktober 1987“. Schon Scheiße, murmelt sie in ihren nicht vorhandenen Schnäuzer. Ein so weit zurückliegendes Datum kann man nur dann in die Zeile nehmen, wenn es Gegenstand der Story ist. Also. Was will der Künstler uns sagen.

Die Chefin hat Haare auf den immer noch hübschen Zähnchen. Das weiß jeder im Haus. Und sie hat viel Macht. Mit der sie macht, was sie will. Und jetzt zeigt sich, dass sie gerade – und aus irgendeinem ihr unerfindlichen Grund – doch weiter lesen will. Also macht sie das auch. Noch mal:

 

„Ruin am Montag Abend, den 19. Oktober 1987

„Gerade weil ich mir der Schwierigkeiten an den internationalen Finanzmärkten bewusst bin, halte ich daran fest, den Bundesanteil an der Volkswagen AG so schnell wie möglich an der Börse zu platzieren.“ Mit ernster Miene belehrt der Bundesfinanzminister die Fernsehzuschauer: „Der Staat soll sich aus der Wirtschaft heraushalten, wo es nicht unbedingt nötig ist …“ Der Reporter bedankte sich, der Minister nickte.

In diesem Augenblick weiß Norder, was er zu tun hat.

Die Meldung von einem „Sprengstoffattentat auf die Berliner Wertpapierbörse an der Hardenbergstraße“ erreicht den Leiter des Staatsschutzes zur selben Minute, in der Kommissar Langers Leute die Tür zur Villa an der Königsallee 1313 in Grunewald aufhebeln. Während Saaldiener und Polizisten entsetzt auf das Chaos im Börsensaal schauen, findet Langer in Grunewald einen Toten. Genau so, wie die Frauenstimme es ins Telefon geflüstert hat, sitzt er da: im seidenen Hausrock, mit schmerzverzerrtem Gesicht, den Blick voll offensichtlich panischer Angst auf das Foto eines platinblonden Mädchens gerichtet, frisch und schön wie aus einer Illustrierten. Steif lehnt er in seinem Sessel, die rechte Hand in die Magengrube verkrampft, in der linken einen zerdrückten Sektkelch, aus dem er den todbringenden Schluck getrunken hatte. Die Flasche M&C ist sorgfältig verstöpselt. „W. Müller, Anlageberater“, steht an der Villeneinfahrt.

Verführt

Roman. Von Norbert Gisder

Statt eines Vorwortes

 

Du erkennst dich wieder?

Du denkst, deine Schatten hätte ich gemalt?

Du irrst.

Die dunklen Seiten deiner Seele kennst nicht einmal

Du selbst!

Wie, glaubst du, könnte ich sie beschreiben?

Nein, gewiss nicht:

Jede Ähnlichkeit mit dir und den deinen

ist rein zufällig – auch wenn dem Zufall mitunter

Hintersinn anhaftet.

Der Humor des Lebens.

Leseprobe

Prolog

Am 6. Juni des Jahres 2003 wurde ein dreijähriges Mädchen von einem Spielplatz in Güterfelde bei Berlin vor den Augen der Mutter entführt. Die Polizei fand das Kind nie wieder.

Erpresser hatten die Tat nicht begangen: Es wurde zu keinem Zeitpunkt Kontakt mit den Eltern oder der Polizei aufgenommen.

In den folgenden Jahren ereilte mehr als 30 Kinder aus dem Süden Berlins dasselbe Schicksal. Zwischen Zehlendorf und Königs-Wusterhausen, Potsdam, Staaken und Wilmersdorf, Steglitz, Tempelhof und Neukölln wurden Mädchen und Jungs, oft im Kinderwagen nur sekundenkurz abgestellt, entführt.

Nie wieder hörte jemand etwas von den Opfern.

Für die Polizei blieb das Treiben ein Jahrzehnt lang ein Rätsel.

Erst eine „Sonderkommission Sekten“ sowie der konzertierte Einsatz von Psychologie, Psychiatrie, Kriminalistik und Verstand löste das Geheimnis dieser teuflischen Serie, offenbart die dramatische Zuspitzung eines dahinter liegenden Falles und setzte dem Treiben einer geheimen Bruderschaft der Satanisten im Süden Berlins ein Ende ...

... das war im Herbst des Jahres 2013. 

*

Die Ursprünge wurzeln früher. Als nach der deutschen Wiedervereinigung Psycho-Sekten ihre Gurus in den Osten schickten, die Unerfahrenheit der Menschen mit dem Okkulten, der Magie, der Alchimie und den Drogen auszunutzen, die bis ins Dunkle des Unbewussten hineinwirken und dadurch das Bewusstsein lenken, erlebte vor allem das Zentrum der Republik ein Jahrzehnt der Verführungen: Im Land im Seelentaumel stand dem „Go West“ Tausender das „Go East“ der Seelenfänger gegenüber.

 

Spätsommer 2013

„Vielleicht könnte es anders sein. Aber ändert das etwas daran, dass es tatsächlich das Koma ist, das unser Leben prägt?“

Als erbitte sie mit der Bestätigung zugleich die Entschuldigung für ihr Tun und ihre Existenz, schaut die Frau zu dem Mann, der ihr schräg gegenüber vor dem Fenster sitzt, gedankenverloren hinausblickt in den Park, dessen Bäume im Herbstwind ihr buntes Laub hinab schicken.

„Mag  sein, aber welche Bedeutung hat für Sie Amok?“

„Amok? Nun, als ich erkannte, dass sich auch mein Leben kaum noch von dem der Patienten einer Krankenhausstation für neurologische Rehabilitation unterschied, dieser armen Figuren, die onanierend in der Nase bohren und sich nicht mehr erinnern, wie es war, als ihr Wille noch Wünsche hatte und nicht nur Trieb war, wollte ich es ändern.“

„Aber so?“

„Ja.“

Plötzlich sieht sie sie wieder, diese Schatten, die sie schon verjagt glaubte. Das kleine Mädchen wimmert nur noch leise, ihr Körper ein Bündel Schmerz. Sie fängt an zu zittern, während die Schatten die andere Ecke des Zimmers füllen. Schreie, das Blitzen des Metalls, ein Schrei, der alles übertönt, das Blut.

„Ja. So.“

„Wenn aber Amok der Ausbruch aus dem Koma ist, so ist es doch kein Weg. Welchen Weg wollen Sie gehen?“

Wenn der Mann an all die Stunden, die Tage, die er seit Wochen und Monaten mit der Frau verbrachte, denkt, fühlt er die Ohnmacht seiner Einsichten. Helfen. Für ihn hat dieses Wort eine andere Bedeutung als für sie.

Und Lust auch. Trotzdem ist da dieses Verlangen, immer wenn er bei ihr ist. Immer, wenn sie spricht.

„Schauen Sie sich die Paare an: Schon beim Jawort komatös, verfolgen sie den, von dem sie behaupten, ihn zu lieben, bis in den Tod mit Gleichgültigkeit. Ich sah die Sackgasse sehr spät. Aber ich sah sie. Und wusste, dass mich nur ein Sturm ins Leben zurückreißen konnte: Alles zerstören, was mich seit meiner Kindheit nicht losgelassen hatte. Nichts bestehen lassen. Kaputtmachen. Vor allem den Glauben an Hoffnung und Zukunft und Chancen und Glück und die Träume. Erst der Tod würde mich entlassen in ein neues Leben. Sein Tod. Ihr Tod.“

„Und nun sind Sie am Ziel?“

„Wird sich zeigen.“ Sie lächelt. Wenn sie lächelt, hat sie immer noch etwas von der Schönheit, die sie früher sehr attraktiv gemacht haben muss. Der Mann sinniert.

„Was ist Ihr Plan?“

„Vielleicht Sie?“

Verspielt, fast schnippisch lächelt sie ihn an.

„Wie würde es aussehen, wenn Sie sich heute mit dem Wissen all dessen, was geschehen ist, neu verwirklichen könnten?“

„Das kann ich erst sagen, wenn es soweit ist. Heute weiß ich nur so viel: Ich konnte dem Koma nicht anders entkommen als in der Forderung seiner Hingabe an meinen Lebenswillen bis zum Tod.“

„Erzählen Sie.“

„Es war ein Rausch. Ich schlug auf ihn ein, er konnte mir nicht entkommen. Ich schlug immer wieder zu. Zum ersten Mal hatten die Schatten einen Namen und ein Gesicht und ich, ihr Finder, konnte es beherrschen, vertreiben oder zerstören, wie mir gerade war.“

„Und es machte Ihnen Freude?!“

„Es war mein Weg. Ich hätte ihn auch quälen können, aber das wäre falsch gewesen. Er war meinesgleichen. Er war der Anker, der mich hinab zuziehen drohte, aber ich war aus ihm geboren. Er schrie, er schrie ... es half nichts. Dann war ich frei.“

Sie atmet schwer. In ihrer Erregung hat sie sich blutige Male auf die Haut am Hals gekratzt.

„Sie vertrauen mir nicht.“

Der Mann sieht hinaus in die sterbende Pracht der Natur. Warum soll sie ihm auch vertrauen? Vertrauten ihm die gelben Blätter an den Kastanien, wenn er ihnen sagte, sie sollten nicht abfallen, dann würden sie auch nicht sterben? Außerdem wäre es nicht wahr, selbst wenn er es sagte.

Wenn es Winter wird, und die Stürme fegen durch die Kronen, gehen die Blätter ihren Weg. Und wenn es dunkel wird in den Seelen der Menschen stirbt Gefühl, wenngleich die Sehnsucht wächst. Wenig bleibt. Vielleicht Verzweiflung. Suche. Sehnsucht. Gier.

„Ich komme morgen wieder.“

„Warum?“ fragt Viviane Fischer.

„Ich will, dass Sie sich irgendwann einmal selbst verwirklichen. Sie können vielleicht neu beginnen.“

„Und ich müsste Ihnen dankbar sein, meinen Sie. Sie haben Appetit auf Menschenfleisch. Ja, das kenne ich. Sie nennen mich verrückt. Aber es ist mir nicht entgangen.“

„Vielleicht.“

Der Mann spürt Erregung. Es könnte doch sein, dass...

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