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Fahrtest mit Cabrio - motorisiert mit dem kleinsten Motor,
den Fiat gerade entwickelt hat

TwinAir - die Zwei-Zylinder-Revolution im 500

Von Norbert Gisder
01.09.2010

Der Sound ist unglaublich. Wie auf der alten BMW meines Bruders - mit Boxer-Motor; ich gebe Gas – und die Karre beschleunigt auch wie ein Motorrad. Diesmal allerdings erinnert mit der funkelnagelneue Hobel unter mir an die hochgebaute, getunte 650er Kawasaki, mit der ich 1981 durch den Norden von Kanada tourte. Von unten herauf röhrt das Zweizylinder-Motörchen so infernalisch-sexy und katapultiert mich samt Beifahrer mit linearer Beschleunigung von 0 auf 30, auf 60, auf 90, auf 120, 150, 180 … dass ich fast fürchte, gleich abzuheben - bei diesem starken Gegenwind auf dem Südlichen Berliner Stadtring.

Dabei fühlen sich die nur zentimeterkurzen Schaltwege beim präzisen Reinhacken der Gänge genau so gut an wie der golfballähnliche Knauf auf dem Schalthebel, lederbezogen, mit Fingermulden rechts und links, den man einfach gern anpackt; ich vermute, Schaltfaule werden ihn als Therapie auf Antrag sicher sofort von den Krankenkassen bezahlt bekommen. Toll. Der Fiat 500 mit dem neuen TwinAir-Motor – den ich in der Cabrio-Version durch Berlin und das Umland schrubbe, macht Spaß wie kein Kleinwagen zuvor, den ich in den letzten Jahren gefahren habe. (Sagt man so? Sagt man nicht so. Nach mehr als 700 Fahrtests bin ich mit solchen Aussagen sonst eher geizig.)

Doch der Reihe nach: Dass man im Fiat 500 Platz genug hat, ja, vom Fahrgefühl durch eine geschickte Innenarchitektur sogar so etwas wie die Atmosphäre in einem amerikanischen Straßenkreuzer aufkommt, haben wir bereits geschrieben. Öffnet internen Link im aktuellen FensterLesen.

Dass der Fiat 500 nicht nur an eine Legende anknüpft, sondern sie in eine neue, wettbewerbsfähige Zukunft fortschreibt, ergibt sich für jeden, der diesen Wagen fährt. Insbesondere jene Spargurus, die den Smart oder ähnliche Winzlinge bisher noch mochten, werden sich schon nach kurzer Testfahrt mit dem 500er sofort von ihrem bisherigen Autofriedhof verabschieden und auf die Mobilität „Made by Fiat“ und den 500 umsteigen.

Das liegt natürlich zuerst an diesem unvergleichlichen Fahrgefühl, das der Sound uns bis in die Magengrube treibt. Des weiteren aber auch an einigen wichtigen, objektivierbaren Fakten, die sich bei Fiat so lesen:

Mit einem Verbrauch von 4,1 Litern reduziert sich der Preis für 100 gefahrene Kilometer in Deutschland auf 5,89 Euro (Preis Superkraftstoff, Stand Juni 2010). Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung würden sich damit Kraftstoffgesamtkosten von 883,76 Euro ergeben – 73,65 Euro pro Monat. So wird das Autofahren selbst für Pendler wieder günstig. In Berlin ist der öffentliche Personennahverkehr für Pendler, die gelegentlich mal umsteigen müssen, oft teurer.

Auch technisch ist der neue Motor begeisternd – nicht nur wegen der nur noch zwei Zylinder, die mehr Summs machen als bei den Wettbewerbern vier. Drei Faktoren sind es, durch die Fiat damit auch im Bereich der Benziner neue Maßstäbe setzt. Erstens: Der auf nur 875 cm3 reduzierte Hubraum ist ein Paradebeispiel für das Downsizing, also die Verwendung kleinerer Motoren mit weniger innerer Reibung. Das reduziert den Verbrauch. Zweitens: Ein Turbolader sorgt – sofern angefordert – für Leistung und Drehmoment auf einem Niveau, das viele größere Vierzylinder toppt. Drittens: Die elektrohydraulische Ventilsteuerung MultiAir sorgt dank Abschaffung der Einlassnockenwelle für die völlig variable Steuerung der Einlassventile. Folge: Der Sound unterstreicht ganz unmittelbar die Power, Verbrauch und Emissionen kann man fast vergessen.

Fiat verspricht: „Im Detail können die Ingenieure dank MultiAir sämtliche Betriebszustände des Motors individueller und damit sparsamer denn je steuern. Parallel steigt durch MultiAir die Leistung um zehn Prozent gegenüber einem konventionellen Motor gleichen Hubraums; gleichzeitig verbessert sich das Drehmoment um 15 Prozent; Verbrauch und CO2-Emissionen sinken aufgrund der MultiAir-Technologie derweil um zehn Prozent. Im TwinAir-Motor werden nun erstmals alle diese Technologien in einem Zweizylinder-Konzept vereint.“

Weltweit einzigartig! Eine gegenläufig zur Kurbelwelle drehende Ausgleichswelle sorgt dafür, dass auch die Komforteigenschaften des TwinAir auf dem Niveau eines Vierzylinders liegen: Wir fahren bei unserem Testdrive durch Berlin so ruhig wie in einer Luxuskutsche.

Noch mal Fiat: „So konfektioniert, avanciert der Fiat 500 TwinAir zum Wegbereiter einer neuen, sehr sparsamen Kategorie agiler Stadtfahrzeuge. TwinAir wird dabei nicht auf den Einsatz in reinen Benzinern beschränkt bleiben. Vielmehr lässt sich die TwinAir-Technologie zum Beispiel für den Betrieb mit Erdgas (CNG) nutzen. Darüber hinaus weist TwinAir den Weg in die Zukunft kleiner Hybrid-Fahrzeuge, da sich die kompakten Zweizylinder ideal für die Kombination mit einem Elektromotor eignen.“

Rote Ampel am Kaiserdamm. Leider ist jede Testfahrt mal zu Ende und ich muss zurück zum Spreespeicher, wo Fiat sein neuestes Schätzchen wieder einsammeln will. Also: Bremse treten, Kupplung treten, Auskuppeln und - … es wird leise. Klar, die Start&Stopp-Automatik, wie so vieles von dem weiteren Luxus des Zwergs serienmäßig an Bord, deaktiviert den Motor. Kaum gebe ich Gas, ja, schon vorher, sobald ich Kupplung trete und Gang einlege, wird die TwinAir-Maschine via Druck auf das Kupplungspedal (Schaltgetriebe) respektive das Gaspedal (Dualogic) erneut gestartet, von rechts und links schauen andere Autofahrer erschreckt zu uns herüber … - ein Motorrad?

Die Start&Stopp-Automatik reduziert den Verbrauch im Stadtbetrieb übrigens um bis zu zwölf Prozent, heißt es bei Fiat. Glaube ich gern, erlebe ich doch täglich, wie verbrauchsfeindlich die Ampeln in Berlin geschaltet sind. Übrigens erleichtert bei manuellem Getriebe auch eine Schaltpunktanzeige (GSI = Gear Shift Indicator genannt) das Fahren in der stets sparsamsten Übersetzungsstufe.

Und ebenfalls serienmäßig verfügt der Fiat 500 TwinAir über zwei Modi für den Stadtbetrieb. Soll es schnell vorangehen, wird der agile Fronttriebler im Modus „Normal“ gefahren. Sobald aber der minimale Verbrauch allein im Vordergrund steht, aktiviert die Fahrerin oder der Fahrer den Modus „Eco“. In diesem Fall reduziert die Fahrzeugelektronik das maximale Drehmoment von 145 Newtonmeter (bei 1.900/min) auf 100 Newtonmeter (bei 1.750/min). Die höchste Leistung wird analog von 63 kW (85 PS bei 5.500/min) auf 42 kW (57 PS bei 5.500/min) zurückgenommen. Parallel schaltet die elektronische Servolenkung automatisch in die Betriebsart „City“, um den Kraftaufwand beim Rangieren zu erleichtern.

Im Cockpit weist das Leuchtsymbol „Eco“, im Fall der Dualogic-Version das Symbol „E“ auf den aktivierten Eco-Modus hin. Im Modus „Normal“ beschleunigt der neue Fiat 500 TwinAir mit seinen 85 PS übrigens in 11,0 Sekunden auf 100 km/h; die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Werk 173 km/h – auch wenn mein Tacho auf der Autobahn verspielt auf 180 kam.

Fiat 500 Cabriolet. Fotos: Norbert Gisder, Jana Misu, Fiat
Fiat 500 Cabriolet. Fotos: Norbert Gisder, Jana Misu, Fiat

Fazit

Wie schnell auch immer die 500er-Piloten von Morgen ihr Tieffluggerät namens 500 steuern, ich freue mich – ehrlich gesagt – vor allem auf diesen neuen Sound auf Deutschlands Straßen.

Fiat im Internet


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Grand Tourisme - Worldwide

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