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GT - das Magazin der Querdenker: Menschen, Organisationen, Firmen und Vereine, die sich an denkende Zeitgenossen wenden - und die vor allem etwas zu sagen haben - werden Öffnet internen Link im aktuellen Fensterhier miteinander vernetzt.

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Robert Enke – einer von Zehntausend

von Peter Haisenko
15.11.2009

Robert Enke, der gefeierte Nationaltorwart, hat sich vor einen Zug geworfen und seinem jungen Leben ein Ende gesetzt. Mit der größten Trauerfeier seit dem Tod von Konrad Adenauer nimmt die Nation Abschied und vergisst dabei, dass, statistisch gesehen, noch 30 weitere Menschen an diesem Tage ihr Leben nicht mehr ertragen konnten und den Freitod wählten. Im Verlauf des letzten Jahres waren es 10.000. Robert Enke war „nur“ einer von ihnen. Er unterscheidet sich von den 9999 anderen, indem seinen quälenden Ängsten wenigstens nach seinem Tod gebührende Aufmerksamkeit zu Teil wurde.

Zwei Wochen früher, 420 Selbstmorde früher, gab es noch einen toten jungen Mann, dessen Freitod zumindest die Öffentlichkeit erreicht hat. Matthias L., ein Heranwachsender mit offensichtlich besonderen Begabungen, war in einen Strudel von Macht und Geld geraten, dem er nicht gewachsen war. Matthias L. war kein Nationalheld und so wurde sein Tod mehr oder weniger mit einem Achselzucken hingenommen. Die anderen 30 an jedem einzelnen Tag scheiden dahin, ohne in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu gelangen. Dennoch haben alle, inklusive Robert Enke und Matthias L., eines gemeinsam: Sie haben aus für sie persönlich wichtigen Gründen, aus einer abgrundtiefen Hoffnungslosigkeit, in ihrem weiterleben keinen Sinn mehr gesehen und den Tod vorgezogen.

Der Begriff „Freitod“ konterkariert das, was tatsächlich geschieht. Wer sich das Leben nimmt, tut das nicht freiwillig. Er hat so unüberwindbare Probleme, dass er nur noch diesen einen Ausweg sieht. Wenn es sich um einen Menschen handelt, der aufgrund seiner körperlichen Verfassung nicht mehr weiterleben will, hat die Gesellschaft wenig Verantwortung zu übernehmen. In allen anderen Fällen dafür um so mehr. Gerade der Tod von Robert Enke macht das deutlich.

Auf den ersten Blick erscheint es unverständlich, dass Robert Enke nicht mehr leben wollte. Nationaltorwart, ein Idol für viele, keine Existenzängste, den Zenit seiner Karriere noch vor sich und eine Frau, die ihn offensichtlich sehr liebte und die zu ihm stand, in guten wie in schlechten Zeiten.

Doch wie sah es hinter dieser glitzernden Fassade aus? Robert Enke war offensichtlich ein nachdenklicher Mensch. Einer, der mit Selbstzweifeln leben musste. Seine Karriere verlief keineswegs glatt. Viele Stationen in ganz Europa waren für ihn selbst notwendig, bis er endlich in Deutschland ganz oben ankommen konnte. Aber die Zweifel blieben. Und die Angst. Wer hoch steht kann auch tief fallen. Je höher einer steht, desto größer wird der Druck. Von allen Seiten und in diesem Fall auch aus seinem Inneren. Spielt er gut, wird applaudiert. Macht er einen Fehler, wird dieser gnadenlos ausgeschlachtet. Ein Held wie Robert Enke darf nicht versagen.

Die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter ist breit thematisiert worden. Aber muss ein Torwart oder auch jeder Spieler nicht Angst vor jedem Spiel haben, in einer Zeit, in der Fußballspieler nicht mehr aus Spaß an der Freude spielen? Es geht um Geld – um viel Geld. Sowohl für die Spieler als auch für die Manager. Jede Niederlage, jedes Versagen wird peinlichst und breit diskutiert. Der Held von gestern wird viel zu schnell zum Buhmann in einer Welt, die Menschen zu Maschinen machen will. Sie müssen funktionieren – schließlich hat man viel Geld für sie bezahlt. Die Gesellschaft, die Fans, die Manager – sie alle sind gnadenlos.

Alle großen (Fußball-)Vereine und die großen Konzerne geben mittlerweile viel Geld für die psychologische Betreuung ihrer eingekauften Sklaven aus. Sie wissen, was sie anrichten mit dem Druck, konstante und fehlerfreie Leistung zu fordern. Aber es geht ja um Geld. Das ist ist in unserer Zeit das höchste Gut. Alles andere, Menschlichkeit, Lebenslust und das natürliche Recht auf Fehler muss dagegen zurückstehen. Wie kann da ein Mensch noch bestehen, der selbstkritisch erkannt hat, dass er eben keine Maschine ist?

Robert Enke war in dieser Hinsicht kein Einzelfall. Er war nur ein diesmal prominentes Opfer einer Gesellschaft, die in ihrer Profitgier den Menschen die Luft zum aufatmen nimmt. Jeder, der mit immer höheren Leistungsanforderungen konfrontiert ist, kann ein Lied davon singen. Ganz sublim, hinterhältig aber in der Sache brutal wird die Leistung gefordert, und die Angst wächst, den Anforderungen irgendwann nicht mehr gerecht werden zu können. Die Angst, als unbrauchbarer Ausschuss aussortiert zu werden. Die Angst, nicht mehr geliebt oder auch nur geschätzt zu werden, weil das Gebaren unserer „modernen“ Gesellschaft suggeriert, dass Liebe nur gegen Leistung zu haben ist.

Die Kälte des globalisierten Öffnet externen Link in neuem FensterTurbokapitalismus erzeugt wachsenden Druck und fatale Unsicherheit für jeden einzelnen. „Gib mir nur ein bisschen Sicherheit in einer Welt in der nichts sicher scheint“, lautet eine Strophe in dem derzeit aktuellen Titel eines Songs der deutschen Popgruppe Silbermond. Genau das trifft den Kern, an dem viele verzweifeln. Es betrifft alle Bereiche. Beruflich und privat. Aber mit der Verunsicherung der Menschen konnten schon immer die besten Geschäfte gemacht oder die Gesellschaft manipuliert werden. Die meisten Menschen ergeben sich in dieses Schicksal, weil sie keinen Ausweg erkennen können. Die enthumanisierte Gesellschaft lässt auch keinen zu. Es sei denn, man wird ein „Aussteiger“ - aber wer kann sich das schon leisten, mit den Verpflichtungen, die man sich auf die Schultern geladen hat? Da kann es nicht verwundern, wenn der ultimative Ausstieg, der spektakuläre Abgang, ein letzter Schrei und Protest zumindest in Betracht gezogen wird. Vor allem dann, wenn man zusätzlich das Trauma des Verlusts eines geliebten Menschen erleiden musste. Wie Robert Enke.

Suizid ist ein Tabuthema. Jedes Jahr setzen 10.000 Menschen in Deutschland ihrem Leben ein Ende. Das sind doppelt so viele, wie der Straßenverkehr Opfer fordert. Es sind 10.000 Hilfeschreie, die nicht erhört wurden. Über die Zahl der Selbstmordversuche gibt es keine Statistik. Es kann auch keine geben. Ihre Zahl wird jedoch übereinstimmend auf das zehnfache der vollendeten geschätzt. Das heißt, jeden Tag sind in Deutschland etwa 300 Menschen so verzweifelt, dass sie nur noch den Weg sehen, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Die absoluten Zahlen sind erschreckend. Beginnend 1946 mit etwa 13.000 p/a stiegen sie auf ihren Höhepunkt Ende der 70er, als sie knapp 20.000 p/a erreichten. Von da an sind sie mehr oder weniger stetig gesunken, auf etwa 10.000 im Jahr 2008. Diese Zahlen sind nicht vollständig. Etliche Verkehrstote müssen hinzugerechnet werden ebenso, wie viele Suizide nicht als solche erkannt werden.

Jeder einzelne Freitod ist einer zu viel und stellt unserer Gesellschaft ein schlechtes Zeugnis aus. Wie der nun ausführlich diskutierte Fall Robert Enke zeigt, sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen oftmals ausschlaggebend für den Weg, der zu dieser unumkehrlichen Entscheidung führt. Der Druck und die - oftmals vermeintlichen - Zwänge, in einer Leistungsgesellschaft bestehen zu müssen, hält die Menschen davon ab, offen und ehrlich die Hilfe in Anspruch zu nehmen, die vielleicht Erlösung bringen könnte. Schlimmer noch, versuchen verzweifelte Menschen um jeden Preis – selbst den ihres eigenen Lebens – zu verstecken, dass sie – zumindest vorübergehend – den Anforderungen nicht gewachsen sind, die eine Gesellschaft der Reichen, Schönen und Erfolgreichen an sie stellt. Sie sehen ihre Karriere in Gefahr, wenn sie Schwächen eingestehen. Oder, noch schlimmer, sie müssen in jungen Jahren erkennen, dass sie keine Chance haben, gegen selbstsüchtige Menschen mit Macht zu bestehen. Letzteres dürfte für Matthias L. ausschlaggebend gewesen sein, nachdem er von vier erwachsenen Managern der SchülerVZ in die Mangel genommen worden war.

So bestürzend der Tod von Robert Enke ist, schenkt er doch der Nation die Gelegenheit, auf breiter Ebene über die beschämenden Ursachen von 10.000 Selbstmorden pro Jahr zu diskutieren. Darüber nachzudenken, in welche Richtung wir unsere Gesellschaft entwickeln müssen, um Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit mit sozialer Wärme auffangen zu können. Rückbesinnung auf humanistisches Gedankengut sollte dazu führen, die Prioritäten unseres Lebens wieder so zu setzen, dass der mögliche oder tatsächliche Verlust von Geld, Macht, Karriere oder Popularität das Leben nicht sinnlos erscheinen lässt.

Im Fall der so genannten Schweinegrippe wird die Befürchtung breit publiziert, dass in Deutschland ein paar Hundert Menschen daran sterben könnten. Das ist eine ungesicherte Vermutung. Dennoch wird mit Milliardenaufwand eine Impfkampagne durch die Medien geschleust und Medikamente von den Pharmakonzernen eingekauft. Da wird Geld verdient.10.000 Menschen, die sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr das Leben nehmen werden oder 100.000, die es vorhaben, sind einer vergleichbaren Kampagne nicht würdig. Sie sind Versager, die für milliardenschwere Gewinne der Pharmakonzerne garantieren.

Die abnehmenden Suizidzahlen sind vor allem bedingt dadurch, dass viele gefährdete Menschen mit Medikamenten einfach ruhig gestellt werden. Sie können in ihrem sedierten Zustand gar keine Entscheidung treffen. Sie täuschen darüber hinweg, dass eine zunehmende Anzahl den brutalen Anforderungen der Leistungsgesellschaft nicht mehr gewachsen ist. Sie werden mit Hilfe von Psychopharmaka für maximale Leistung getrimmt, in einer Umgebung, in der Fürsorge weit hinter Profit steht.

Gerade ein exponierter Leistungsträger wie Robert Enke konnte aber nicht mit starken Medikamenten behandelt werden, weil ein sedierter Torwart einfach nicht zu gebrauchen ist. Die Anforderungen und Erwartungen der Gesellschaft an Robert Enke haben diesem nicht erlaubt, sein eigenes Überleben an erste Stelle zu setzen.

Die Verkaufszahlen der Pharmaindustrie belegen, wie viele Menschen verzweifelt oder depressiv sind. Sie überleben, weil sie mit Psychopharmaka vollgepumpt gar nicht mehr klar denken können. Das reine Profitdenken der westlichen Gesellschaften hat gar kein Interesse daran, diesen Zustand zu verändern. An jedem Depressiven wird viel Geld verdient.

Ich appelliere an die Politik, aufzuwachen und das Wohlergehen der Menschen wieder an die erste Stelle zu setzen. Weit vor Profit und Shareholder Value. Mit meiner Trauer um den Tod von Robert Enke und dem der anderen 30 jedes Tages, verbinde ich die Hoffnung, dass der Tod von Robert Enke etwas Positives für unsere Gesellschaft bewirken wird. GT-PH-15-11-2009


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Zusammenfassung der Seite:

Grand Tourisme - Worldwide

Menschen, Robert, Gesellschaft, Leben, Angst, Freitod, Matthias, Druck, Karriere, Deutschland, Leistung, Anforderungen, Mensch, Leistungsgesellschaft, Entscheidung, Medikamenten, Zahlen, Zustand, Gerade, Hilfe, Sicherheit, Psychopharmaka, Opfer, Fußball, Manager, Lebens, Spieler, Fehler, Torwart, Stelle, Nation, Nationaltorwart, Profit, Hoffnungslosigkeit, Ausweg, Erfolgreichen, Schönen, Reichen, Preis, Value, Schlimmer, Shareholder, Schwächen, Managern, SchülerVZ, Mangel, Letzteres, Chance, Erlösung, Jahren, Wohlergehen, Gefahr, Tages, Positives, Beginnend, Höhepunkt, Statistik, Selbstmordversuche, Tabuthema, Straßenverkehr, Hilfeschreie, Diese, Verkehrstote, Zwänge, Gelegenheit, Trauer, Rahmenbedingungen, Hoffnung, Suizide, Zeugnis, Anspruch, Ursachen, Pharmakonzernen, Wahrscheinlichkeit, Kampagne, Medikamente, Medien, Impfkampagne, Pharmaindustrie, Verkaufszahlen, Erwartungen, Versager, Fürsorge, Anzahl, Umgebung, Suizidzahlen, Pharmakonzerne, Gewinne, Leistungsträger, Milliardenaufwand, Profitdenken, Wärme, Rückbesinnung, Gedankengut, Verzweiflung, Depressiven, Ebene, Selbstmorden, Richtung, Interesse