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Ein unbequemes Jein

Von Theresia Blattmann
08.09.2010

Ein Gespräch mit Claudia Witt - Professorin für Forschung zur Komplementärmedizin an der Charité Berlin - über Homöopathie, Akupunktur und warum Wissenschaft allein nicht immer alles erklärt.

Berlin, Luisenstrasse 57 - Ein alter Torbogen führt in den Hinterhof, das Kopfsteinpflaster ist ausgetreten, an der Wand wirbt ein Plakat für eine längst vergangene Elektroparty. Um den Hof gruppiert sich ein großzügiger Altbau -  Sitz des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin. Rundherum wird erneuert, gesägt, gebaut – die Geräuschkulisse von Berlin Mitte ist im Büro von Frau Professor Dr. Witt nur noch im Hintergrund zu hören.

Das Interview:

In der deutschen Öffentlichkeit vollzog sich unlängst eine hitzige Debatte, ob alternative Medizin wie Homöopathie oder Akupunktur von den Krankenkassen bezahlt werden sollten. Schließlich fehlen dem Gesundheitssystem auf der einen Seite Milliarden und auf der andere werden Kosten für alternative Behandlungen übernommen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht eindeutig belegt worden ist. Angestoßen hatte diese Diskussion der "Spiegel". In einer Titelgeschichte  über die Homöopathie hieß es unlängst: der Ton zwischen "hemmungslos Gläubigen und fundierten Kritikern" werde nun "rau(h)er, die Auseinandersetzung rabiater."

Ist dem so, Frau Professor Witt? 

Wissen Sie, die Homöopathie polarisiert, jeder hat eine eigene Meinung zur Homöopathie. Zudem wird das Thema wie in Wellen von den Medien immer wieder aufgegriffen. Auch hier gilt das Prinzip, dass die, die am lautesten schreien egal ob pro oder contra Homöopathie nicht unbedingt Recht haben. Das trifft auch auf den Spiegelartikel zu. Ich bin als Epidemiologin vor allem Methodikerin und versuche die Datenlage möglichst neutral zu betrachten. Deshalb beantworte ich manche Fragen auch eher mit „Jein“.

Was meinen Sie mit „Jein“ ?

Wissenschaft versucht grundsätzlich erst mal offen in beide Richtungen zu sein und eine sachliche Fachdiskussion auf der Ebene von Erkenntnissen zu führen. Die Fakten sind jedoch aufwendig zusammenzutragen und in manchen Punkten nicht so eindeutig wie einen manche glauben lassen wollen. Es gibt also nicht nur schwarz und weiß, oft liegt die Antwort im Graubereich und der ist schwerer zu vermitteln.

Wer stört sich denn an diesem „Jein“ ?

Es ist für die Medien nicht so einfach, denn über die Polarität wird ja Spannung aufgebaut. Auch braucht es oft mehr als einen Satz um die Fakten darzulegen. Ich merke, dass ich oft zwischen den Stühlen sitze, denn weder die Befürworter noch die Gegner der Komplementärmedizin sehen sich bestätigt. Aber darüber war ich mir schon klar als ich die Professur angetreten habe. Ich hoffe zumindest etwas zur Vermittlung beizutragen.

Die Bevölkerung scheint empirische Belege jedoch nicht so wichtig zu nehmen. Einer Studie zufolge nutzen etwa 60 Prozent der Deutschen Komplementärmedizin. Wie erklären Sie sich das?

Ein möglicher Grund ist die steigende Anzahl an chronischen Erkrankungen in Deutschland. Diese Patienten benötigen häufig eine Kombination schulmedizinische Verfahren und trotzdem geht es Ihnen damit nicht immer viel besser. Manche leiden unter Nebenwirkungen. Viele Patienten überlegen dann einfach: Was kann ich sonst noch tun? Bei Schmerzpatienten ist dann zum Beispiel die Akupunktur häufig naheliegend.

Sehen Sie noch weitere Defizite der Schulmedizin, welche die komplementärmedizinischen Angebote für Patienten attraktiv machen?

Zeit, Ärzte haben heutzutage in der Schulmedizin oft einfach zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten. Wir wissen, dass Patienten es sehr schätzen, dass Ärzte die Komplementärmedizin anbieten Zeit für sie haben und intensiv auf sie eingehen.

Die kriegen das ja auch bezahlt.

Richtig. Und damit kommen wir auf das Problem. Es kann doch nicht sein, dass Ärzte im System der gesetzlichen Krankenversicherung nicht adäquat dafür honoriert werden, wenn sie mit ihren Patienten sprechen. Vor allem wo man weiß, dass die Aufklärung über die Diagnose und die Therapie und ein gutes Arzt-Patientenverhältnis sich positiv auf das Erkrankungsverlauf auswirken.

Gibt es eine Lobby für Komplementärmedizin, wie es eine Pharmalobby gibt?  

Ich würde es nicht mit einer Pharmalobby vergleichen, denn ich glaube da stehen andere Finanzmittel und Netzwerke zur Verfügung. Aber natürlich gibt es auch eine Lobby für Komplementärmedizin. Es gibt viele Ärzte, die diese Leistungen anbieten, es gibt Fach- und Laienverbände, es gibt Hersteller. Es gibt auch bekannte Persönlichkeiten, die sich für das Thema einsetzen. Es gibt also Interessensgruppen die Komplementärmedizin verfügbar halten und weiter verbreiten möchten.

Woher rührt Ihr persönliches Interesse am Bereich der Komplementärmedizin?

Ich habe schon vor meinem Medizinstudium bemerkt, dass viele Menschen  komplementärmedizinische Methoden, wie Akupunktur und Homöopathie, nutzen und dass es Ihnen hilft. Das weckte mein Interesse an der Forschung in diesem Bereich. Und dieses Interesse, gepaart mit Neugierde, ist bis heute da.

Beobachten Sie Trends im Konsum von Komplementärmedizin?

Insgesamt ist die Inanspruchnahme in Deutschland sehr hoch. 60% unserer Bevölkerung wenden es an: am häufigsten die Naturheilkunde, gefolgt von der Homöopathie und der Akupunktur. In den letzten Jahren erleben wir eine Hinwendung zu asiatischen Heilmethoden wie der Chinesischen Medizin. Aber auch indische Medizin, das Ayurveda, wird eher zunehmen. Ich denke, dass viele Patienten hohe Erwartungen an die Wirkung der Komplementärmedizin haben.

Man erwartet ausgerechnet mehr von Therapien, deren Wirkung sich nicht eindeutig wissenschaftlich belegen lässt?

Eine komplementärmedizinische Behandlung ist für viele Patienten etwas Neues. Zumeist nehmen Sie diese auf Empfehlung von Freunden, Nachbarn oder Verwandten in Anspruch, die selbst positive Erfahrungen damit gemacht haben. Das steigert natürlich die Erwartungshaltung.

Und zu welchem Schluss kommen ihre Studien, sind die Erwartungen berechtigt?

Wir haben große Studien zur Wirksamkeit von Akupunktur an mehr als 10.000 Patienten durchgeführt. Die Indikationen waren Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Migräne, Schmerzen bei Knie- und Hüftarthrose und Heuschnupfen. Die Patienten wurden zufällig auf zwei Gruppen aufgeteilt; die eine Gruppe bekam zusätzlich zur Standardtherapie 10 Akupunktursitzungen. In den Patientengruppen, die Akupunktur erhalten haben, wurden die Beschwerden deutlich mehr gelindert – und zwar bei allen Indikationen. Wir haben  in weiteren Studien Akupunktur mit Scheinakupunktur verglichen. Was uns dabei aber überraschte, war die Tatsache, dass eine Scheinakupunktur ähnlich gut hilft.

Was heißt Scheinakkupunktur?

Bei Scheinakupunktur werden dünne Nadeln an Punkten eingestochen, wo sich keine Akupunkturpunkte befinden. Bei Migräne, Spannungskopfschmerzen und chronischen Lendenwirbelsäulenschmerzen machte es keinen Unterschied, ob die Nadeln an fest definierten Scheinpunkten eingestochen wurden oder an richtigen Punkten entlang der so genannten Meridiane. Nur bei der Kniegelenksarthrose war die „richtige“ Akupunktur der Scheinakupunktur überlegen.

Können Sie diesen Effekt wissenschaftlich erklären?

Die Wirkweise der Akupunktur ist nicht vollständig geklärt. Eine Erklärung wie Akupunktur bei Schmerzen wirkt könnte sein, dass alleine schon durch das Einstechen von Nadeln durch die Haut körpereigene schmerzhemmende Mechanismen in Gang gesetzt werden. 

Und warum wirkt Scheinakupunktur nun bei Migräne, aber nicht bei Kniearthrose?

Ein Punkt weshalb das Ansprechen der Scheinakupunktur bei Kopfschmerzen höher war als bei Arthroseschmerzen könnte die Erwartungshaltung der Patienten sein: Wenn ich an einer Kniearthrose leide, weiß ich, dass die Veränderungen im Knie nicht mehr rückgängig zu machen sind – ich weiß es ist eine bleibende Erkrankung. Gehe ich aber als Migränepatient zur Akupunktur, erwarte ich schon eher, dass meine Migräne geheilt wird.

Das heißt, die Frage ob etwas wirkt, wird im Kopf des Patienten entschieden?

Eine interessante Frage, die zu einem wichtigen Forschungsfeld führt...

Zu welchem?

Der Placeboforschung.  Ein spannendes Thema, wozu auch die Bundesärztekammer grade eine Stellungsnahme herausgegeben hat. (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=77606) Im Prinzip wissen wir, dass Placebos eine Wirkung haben. In den meisten Studien, in denen man der einen Gruppe ein Medikament gab und der anderen Gruppe nur ein Scheinmedikament, also ein Placebo, ließen sich auch in der Placebogruppe Therapieerfolge nachweisen. Wie stark die Placebowirkung ist, hängt aber vom Setting und natürlich auch von der Erkrankung ab. Kopfschmerzen und Rückenschmerzen, aber auch Depression sprechen auf Placebo besser an, als zum Beispiel Knochenbrüche.

Wie wirkt so ein Placebo?

Man weiß es nicht genau. Zwei Mechanismen sind aber schon bekannt - Einerseits die klassische Konditionierung: Wenn der Patient weiß, dass Tabletten seine Beschwerden lindern, ist die Beschwerdelinderung quasi schon im Kopf „einstudiert“. Der zweite Mechanismus ist die Erwartungshaltung der Patienten. Schmerzstudien in der Schulmedizin zeigen, dass Patienten die eine hohe Erwartung an eine Behandlung knüpfen, oft auch ein besseres Therapieergebnis haben. Das haben auch unsere Akupunkturstudien gezeigt.

 

Sind Studienmethoden der evidenzbasierten Medizin überhaupt tauglich für Forschung zu Komplementärmedizin? 

Klar, wir brauchen keine neuen Studiendesigns, sondern können die vorhandenen anwenden. Nehmen wir zum Beispiel die Homöopathie, eine komplexe Therapie aus Anamnese, Lebensstilberatung und Gabe eines homöopathischen Arzneimittels. Möchte man wissen ob das „Gesamtpaket“ Homöopathie wirkt, kann man es mit schulmedizinischer Therapie vergleichen. Möchte man wissen, ob homöopathische Arzneimittel mehr als ein Placebo sind, muss man randomisierte placebo-kontrollierte Studien durchführen. Selbst die Form der ausführlichen Anamnese und Auswahl der individuellen Arznei lässt sich dabei berücksichtigen. In diesem Fall erhalten Patienten beider Gruppen die Anamnese und der homöopathische Arzt sucht die passende Arznei aus. Die Apotheke schickt dann entweder die Arznei oder ein Placebo an den Patienten.  Arzt und Patient wissen beide nicht wer was bekommt. Ich bin aber für eine sinnvolle und systematisch Forschung in der Komplementärmedizin.

Wie sieht denn eine sinnvolle Forschung Ihrer Meinung nach aus?

Viele komplementärmedizinische Verfahren sind schon länger auf dem Markt als es randomisierte und placebokontrollierte Studien gibt. Man muss also erst mal wissen welche Erkrankungen wie in der Praxis behandelt werden, um sinnvolle Studien zu planen. Wenn man sich die Homöopathie in der Praxis anschaut, sieht man: Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen, sind meist chronisch krank und schulmedizinisch vorbehandelt. Subjektiv bessern sich ihre Beschwerden nachhaltig, und die Effekte sind in den Fällen, in denen es überhaupt untersucht wurde, mit der schulmedizinischen Behandlung vergleichbar. Bei dieser Forschung kann jedoch nicht zwischen Arzneimitteleffekt und Placeboeffekt unterschieden werden, und man kann mit dieser Studie natürlich keine Aussagen über die kausale Wirksamkeit von Homöopathie treffen. Nur wenn Patienten in Beobachtungsstudien von subjektiven Besserungen unter der homöopathischen Behandlung berichten, macht es Sinn, einzelne Diagnosen in aufwendigen randomisierten und auch placebokontrollierten Studien zu untersuchen.

Existieren solche randomisierten konrollierten Studien denn schon?

Es wurden bis heute über 100 randomisierter placebo-kontrollierte Studien durchgeführt, die jedoch nach den Standards der heutigen Forschung die eine oder andere Schwäche haben. Ungefähr die Hälfte zeigt einen positiven Effekt, die andere bescheinigt den homöopathischen Arzneimitteln keine Wirksamkeit. Allerdings muss man an dieser Stelle anführen, dass es sich bei den beobachteten positiven Effekten in Homöopathiestudien generell nur um kleine Unterschiede zwischen dem homöopathischen Arzneimittel und dem Placebo handelt. Für viele Diagnosen gibt es aber gar keine Studien. Was uns die Studien aber zeigen ist, dass die individuelle umfassende Art der Behandlung für den Behandlungserfolg relevant zu sein scheint.

Und was ist mit Metaanalysen?

Die Metaanlysen, die Studien zu verschiedenen Diagnosen einschließen, sind methodisch problematisch, da die eingeschlossenen Studien vollkommen heterogen sind und das zu mathematischen Problemen führt. Heterogenität ist eines der bekanntesten Probleme bei Metaanalysen. Das ist so, als wenn Sie Aussagen über die Zutaten in einem Ananassalat machen wollen, aber dann merken, dass da leider auch Birnen, Kirschen und Pflaumen im Salat sind. Das geht so natürlich nicht. Es gibt im Moment weder eine klare Evidenz dafür, dass homöopathische Arzneimittel einem Placebo überlegen sind, noch gibt es generelle Evidenz dagegen. 

Können Sie sich denn erklären, wie Homöopathie wirkt?

Es gibt aus meiner Sicht zurzeit keine naturwissenschaftlich plausible Erklärung dafür, wie hochverdünnte homöopathische Arzneimittel wirken könnten.

Was empfehlen Sie Patienten, die komplementärmedizinische Methoden anwenden möchten?

Patienten sollten mit ihrem Arzt sprechen, wenn sie komplementärmedizinische Methoden anwenden möchten. Das verlangt natürlich im Umkehrschluss, dass Ärzte auch komplementärmedizinisch fundiert und objektiv informiert sind. Patienten können sich aber auch an eine unabhängige Patientenberatung wenden. (www.unabhaengige-patientenberatung.de)

Nutzen Sie selbst komplementärmedizinische Methoden?

Oh, das ist eine sehr klassische Frage, die bekomme ich immer gestellt (lacht). Ich muss sagen, ich bin Gott sei Dank selten krank, insofern benötige ich selten Medikamente. Außerdem bin ich pragmatisch, wenn ich Kopfschmerzen habe, nehme ich einfach eine Schmerztablette.

Na, da ziehen Sie sich etwas zu leicht aus der Affäre. Nehmen wir doch mal an, Sie wären schwer chronisch krank?

In dem Fall würde ich mir das Beste aus Schulmedizin und Komplementärmedizin zusammensuchen.

Lassen Sie sich bei der Auswahl ihrer Medikamente von der aktuellen Studienlage beeinflussen?

Wenn ich ein schulmedizinisches Medikament einnehme, schaue ich mir die Datenlage genauso an, wie ich es bei einer komplementärmedizinischen Therapie tun würde. Ich unterscheide da nicht.

Sollten komplementärmedizinische Verfahren von den Krankenkassen in den Leistungskatalog übernommen werden?

Die Kosten für Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen und Kniearthroseschmerzen werden ja nach Veröffentlichung der großen Akupunkturstudien in Deutschland von den Krankenkassen übernommen. Homöopathie ist keine generelle Krankenkassenleistung, kann jedoch im Rahmen integrierter Versorgungsverträge als Zusatzleistung angeboten werden. Ich gehe davon aus, dass Kosten und Nutzen dieses Angebots von der jeweiligen Krankenkasse abgewogen werden. Es gibt keine veröffentlichten Zahlen, ob die entsprechenden Krankenkassen dadurch zusätzliche Kosten haben. Ich würde es begrüßen, wenn die gesetzlichen Krankenkassen nur nur diejenigen Leistungen übernehme, für die eine Evidenz nachgewiesen wurde und die sich kosteneffektiv gezeigt haben. Das heißt aber auch, dass die eine oder andere schulmedizinische Leistung, für die das nicht belegt ist, wegfallen könnte.

Warum gibt es in Deutschland keine staatlich geförderten Lehrstühle für Komplementärmedizin sondern nur Stiftungsprofessuren?

Ein Grund dafür ist, dass sich Universitäten einer wissenschaftlichen Medizin verpflichtet fühlen und gerade der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis für die meisten komplementärmedizinischen Verfahren bisher nicht erbracht wurde. In den USA gibt es eine ganz andere Herangehensweise. Dort hat man gemerkt, dass etwa 40 Prozent der Bevölkerung Komplementärmedizin nutzen und richtete  das National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) ein, das auch Forschungsgelder zur Verfügung stellt – und zwar über US$ 100 Mio. pro Jahr. In Deutschland nutzen 60 Prozent der Bevölkerung komplementärmedizinische Methoden – Der Bedarf wäre also auch hierzulande durchaus vorhanden.

Was sagen Sie zu den Vorwürfen, eine Stiftungsprofessur der Carstens- Stiftung inne zu haben? Veronica Carstens kommentierte die Einrichtung ihrer Professorenstelle mit den Worten: "Von Anfang an hat die Stiftung das Ziel der Integration von Naturheilverfahren in die Hochschulen verfolgt. Mit der Professur an der Charité sind wir diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. In der Kombination von konventioneller Medizin mit Naturheilkunde und Homöopathie sehe ich die Zukunft."

Alle Professuren zur Komplementärmedizin an medizinischen Fakultäten in Deutschland - insgesamt sieben – sind Stiftungsprofessuren. Ich habe für meine Professur ein ordentliches Berufungsverfahren durchlaufen und bin Beamtin. Meine Forschung ist frei, es gibt von der Carstens Stiftung keinerlei Vorgaben, in welchem Bereich und wie ich forsche. Zudem sind wir absolut transparent bezüglich der Fördermittel und Ergebnisse unserer Forschung. Und wir publizieren ja bei weitem nicht nur positive Ergebnisse – wie übrigens die Carstens-Stiftung auch. Für mich als Wissenschaftlerin ist ein negatives Ergebnis kein schlechtes Ergebnis – jedes Resultat bringt die Forschung weiter. Übrigens brauchen wir nicht darüber zu reden, wie viele Professuren in Deutschland von Pharmafirmen gefördert werden und das ist teilweise nicht mal transparent dargestellt.

FRAU PROFESSOR WITT, DANKE FÜR DAS GESPRÄCH.

Das Interview führte Theresia Blattmann, Ärztin und GT Autorin

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