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Öffnet internen Link im aktuellen FensterKosovo 2011, der jüngste Staat in Europa drei Jahre nach der Unabhängigkeit - Kommentare, Reportagen, Fotos - von Norbert Gisder. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen 

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Öffnet internen Link im aktuellen FensterDie Serie in GT

Öffnet internen Link im aktuellen FensterGrundsätzliche Überlegungen zur Produktivität von Arbeit und daraus entstehendem Wohlstand

 

Wer ein Boot auf dem Hänger transportiert, braucht eine zuverlässige Zugmaschine. Doch welche? Öffnet internen Link im aktuellen FensterSerie in GT

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Auf der „Nordwind“ durch die Südsee

Von Norbert Gisder

Hans Albers ist immer dabei: „Der Seemann ist zu jeder Stund` ein Opfer seiner Pflichten“.
 
14 Männer und ein Boot- und was für eins. Eine Urlaubswoche auf dem Wasser, eine Reise von Flensburg durch die dänische Südsee nach Kopenhagen und weiter nach Rostock-Warnemünde. 331 Seemeilen Ostsee- Alltag im Wintermonat Juli `98 auf einem Segelschulboot der Marine.
 
Die „Nordwind“. Es ist Sonntag. Tropfen an den Scheiben. Alli am Computer. Nicht entspiegelte Brille mit dünnem, schwarzen Drahtgestell auf einer geraden, im Laufe der Jahrzehnte fleischig gewordenen Nase. Vom sauber gestutzten Schnurrbart, der zu den Mundwinkeln spitz hinabläuft, führt eine haarfeine, ebenfalls sauber gestutzte Verbindung zum graublonden Kinnbart. Alli heißt eigentlich Alfred. Der Name würde auch besser passen, denn Alli ist ein ernsthafter Mann. Die Furchen in seinem Gesicht lassen erkennen, dass er gelebt hat, hart gearbeitet, Alli hat große Hände und einen kräftigen Händedruck. Er verliert soeben gegen den Computer. Skat. Der elektronische Partner hat den Mann besiegt, der immer zugleich etwas überrascht und ernsthaft aus freundlichen, aufgeschlossenen Augen ins Leben schaut.

„Backen und Banken“ ruft Wolfgang Jungmann und bringt einen großen Topf Goulasch. Dazu gibt’s Nudeln oder Kartoffeln. Mandarinen zum Nachtisch. Und Hans Albers, der aus dem Radiorekorder singt. „Der Seemann ist zu jeder Stund`ein Opfer seiner Pflichten.“

Wie ein Schleier liegt der Himmel über der Szene. Nur mit Phantasie ist zu vermuten, dass die Stimmung, die das Ende aller Tage einzuregnen scheint, jemals wieder von einem Sonnenstrahldurchflutet werden könnte. Aus lichtgrauem Himmel fallen dünne Tropfen in trüben Schauerböen in bleigraue See, Lichtflecken auf den Wellenkämmen tanzen im Rhythmus eines schwachen Lufthauchs aus West den Ostsee-Blues ...

... wir sind den 5. Tag unterwegs. Auf der Fahrt von Kopenhagen nach Klintholm auf der Insel Moen. Vor den Kreidefelsen von Moens Klint wollten wir das Beiboot aussetzen und unser Zuhause, die „Nordwind“ , unter Vollzeug, mit geblähten Segeln durch die See pflügend, fotografieren. Nun dieselt der Motor. 800 Umdrehungen/Minute schieben 98 Tonnen Stahl, Mahagoni und Messing mit acht Knoten Fahrt pro Stunde über das Grau der See. Wer das aufgewühlte, oft wie unter der „Autobahn der Westwinde“ liegende, von Stürmen gepeitschte Meer der Belte und Sunde zwischen der deutschen, der dänischen und schwedischen, finnischen und baltischen Küste bis hinab nach Polen kennt, wird heute eher an einen Ententeich erinnert als an einen Binnenozean, auf dem die europäischen Mächte seit Jahrhunderten um Gold und Galeonen gefochten haben.

Unsere Schlacht ist geschlagen; kein Klacks vom Goulasch geht zurück in die Kombüse. Wolfgang macht eine neue Skatrunde auf: Jörns Thorsting und Wolf-Arthur Kalden sind mit von der Partie- jeder mal gegen jeden, die Fronten wechseln, es ist wie im Leben.

Die Kreidefelsen von Moens Klint. Steuerbord voraus. „Können wir bitte das Schlauchboot klarmachen!?“- ordnet Bootsführer Udo Höppner fragend an. Der Schiffsführer reduziert die Zahl der Umdrehungen des Dieselmotors. 200. Langsame Fahrt. Der Tisch in der Messe neben der Navigationsecke vibriert. Schlauchboot aussetzen ... es regnet dicht, dünne Fäden. Keiner will raus, nicht einer will sich bei dem Schietwetter an der so malerischen Küste aussetzen lassen.

Doch der Schiffsführer kennt keine Gnade nicht: Weil niemand will, wird der Spaß befohlen. Jörns, Wolf-Arthur und Björn Schäfer fügen sich, als Fotograf muss ich natürlich dabei sein, Udo selbst geht als Letzter mit gutem Beispiel voran, setzt sich nach hinten und fährt den Außenborder des Schlauchbootes.

Das Dingi hüpft, als sei es ein Korken auf den Wellchen. Es ist wie ein Foto-Casting, die Modelle bauen sich nach und nach auf: Die „Nordwind“ vor den Klippen, Udo Höppner vor der „Nordwind“ und den Klippen, Udo und Jörns nebeneinander vor der „Nordwind“, Björn vor den Klippen, über deren Kanten die Nebel aus den dänischen Wiesen auf die See hinauswabern.

Tröpfchen setzen sich aufs Objektiv der Kamera. Noch mehr Nebel. Es regnet immer noch. Feine Tröpfchen aus grauen Wolken fallen auf graues Wasser, auf graues Schlauchboot, auf Kameraden in grauen Rettungswesten.

Es wird eine eigenartige Expedition, die unser Schiffsführer an der weichen Kreideküste von Möns anlandet. Die Menschen blicken auf, unterbrechen ihre Suche nach den Schätzen der Brandung am Strand der kieselrunden Feuersteine mit ihren Kreideablagerungen. Die Kreidewände ragen in den Himmel – erst hier erkennt man die Dimensionen, manchmal muss man sich nähern, um Größe zu erkennen ...

Wir suchen einen Hühnergott, den wir nicht finden werden. Zu viele Besucher haben den Küstenstrich unterhalb der Kreidewände schon nach diesen schönen Fundstücken aus Flint abgegrast, denen die Launen der Natur in ihren magmatischen Strom die weiße, weiche Kreide eingepresst haben, die die Wasser der Brandung in Jahrhunderten dann wieder herausspülen, bis der quartzharte Feuerstein wie ein Schweizer Käse aussieht. Also kein Hühnergott. Immerhin: Fundstücke. Eines für unseren Smut. Manfred. Der hat den guten Goulasch von heute Mittag, die noch besseren Rouladen von vorgestern oder die Bouletten gedreht. Manfred freut sich. Auch ich nehme einen Stein mit. Die Küste schiebt sich an unserem Boot vorbei, als wir wieder an Bord sind und das Schiff mit Unterstützung von 400 U/min des Diesels Fahrt aufnimmt.

Plötzlich riecht die Luft nach Landgang. Auf dem Segelschulboot „Nordwind“ von Flensburg durch die Dänische Südsee

Seefahrt ist zu einem guten Teil immer auch Bordroutine. Gerade wenn es sich um einen Törn mit gestandenen Seeleuten handelt. Dabei entscheidet nicht selten der Smut über die Stimmung an Bord ... 14 Männer auf einem Törn von Flensburg über Kopenhagen nach Rostock Warnemünde, durch die Dänische Inselwelt mit dem Segelschulboot Nordwind der Deutschen Marine, das sind 331 Seemeilen Ostseeerfahrung in einem wunderschönen Segelrevier.

Signalklingel, drei Mal, Dieter Schiweck lässt die Segel bergen; Fock, Klüver, Groß- und Besan, Leinen aufklaren, 10 Mann, 20 Arme, 10 Minuten Arbeit, schon taucht die Mole von Klintholm auf. Und: Sonne bricht durch. Die Himmelskuppel, die noch Minuten zuvor bleigrau und schwer im Meer zu versinken drohte, wölbt sich nun hell und klar wie ein Dom über einem hübschen, verspielten Yachthafen mit Feriendorf, Dorfkrug und Schiffsausrüster, angelegt an einem Fischerei- und Handelshafen, in dem hellblaue und weiße Holzkutter bunt beflaggt an der Pier liegen, Fischer ihre Nylon- und Baumwoll-Netze zum Trocknen und Reparieren ausgelegt haben. Ein pittoreskes Gemälde breitet sich naturnah und lebensgroß vor uns aus.

Möwen recken ihre Schnäbel in den aufbrisenden Wind, die Luft riecht nach Landgang.

Mit dem Himmel klart die Laune der Männer auf, die zuvor alles, bloß nicht nach draußen sehen wollten. Vielleicht in ihre Skat-Karten versenkt waren, wie Wolf-Arthur, Jörns und Wolfgang; die sich auf den Bildschirm ihres Computers konzentrierten, wie Jürgen Kröger oder Alfred (Alli) Bücher; in ihre Schmöker starrten wie Björn und Peter Ellgaard; auf ihre Notizen, wie ich oder gegen die Decke ihrer Koje, Peter Harbort und Marco Wisniewski. Nur Smut Manfred Kiene, Maschinist Jörg Friedrich und der Schiffsführer Udo Höppner samt seinem Co., Dieter Schiweck, haben sich nicht beteiligt an dem Gruppentrübsinn der Mannschaft, die seit Stunden nur ein Ziel hatte: Möglichst wenig mitzukriegen von den Schauerböen, die uns den ganzen Tag unter sich begraben und das Deck der „Nordwind“ wie ein U-Boot geflutet haben, bleigrau, als wollten sie das Vorspiel zum Weltuntergang einläuten.

In Klintholm sind die Launen des Wetters vergessen. Weggeblasen von einem frischen Wind. An der Euphorie beteiligt sich die Stammbesatzung eben so wenig wie an dem vorherigen Trübsinn. Man nimmt’s zur Kenntnis. Der Schiffsführer strahlt. Aber Udo hat sowieso immer gute Laune. Dieter, Manfred und Jörg, wissen, dass ihr Tag noch nicht zu Ende ist.

Was für uns, zehn Segler und Gäste auf der „Nordwind“, Urlaub, ist für die Seemänner der Gaffelketch Alltag. Unser Abenteuer, eine Woche von Flensburg über Kopenhagen nach Rostock durch die Dänische Inselwelt unter weißem Tuch zu gleiten, die Abschiedsreise von Fregattenkapitän Wolfgang Jungmann aus dem aktiven Dienst in der Marine nach 37 Jahren Seefahrt und Schlitterkurs durch Amtsstuben und Pressestellen, ist für die Männer der „Nordwind“ nichts weiter als ein Mosaik in ihrem Alltags- und Arbeitsleben. Etwas kolorierter, vielleicht. Denn nicht alle Tage sind Journalisten an Bord.

Klintholm. Wir liegen im Hafen der südostdänischen Insel. Bordroutine für den Stamm. Der Tisch in der Messe vibriert nicht mehr, der Diesel ist verstummt.
Der Schiweck wird am Abend ein letztes Mal während dieser Reise beweisen, dass er der Meister aller Grillmeister ist, der mit dem Fleisch tanzt, spricht, und es in genau den Zustand quasi hypnotisiert, den die Gourmets an Bord schätzen, wenn sie Fladen um Fladen, jeder sattelgroß, halbroh verschlingen. Schon ziehen Schwaden glühender Kohle und der Duft von mariniertem Rind übers Deck des 1944 vom Stapel gelaufenen Segelschulbootes.

Nazi-Bonzen sollten, so waren die Pläne, mit dem stäbigen Schiff ins Ausland geschafft werden: extra starkwandiger Stahl, Stagen, die auch ein höheres Rigg halten könnten und ein überdimensionierter Bleikiel sorgen für besondere Stabilität, für Segeleigenschaften, die seit Jahrzehnten Generationen von Seeleuten Legende geworden sind.
 
Vom Kriegsfischkutter zur „Nordwind“. Geschichte eines Marineschulbootes – Reise von Flensburg nach Rostock-Warnemünde.

Grillschwaden ziehen über den Passagierkai von Klintholm. Ein Toppsegelschoner und eine Gaffelketch haben sich an der Mole hinter der Nordwind ins Päckchen gelegt. Hunderte Touristen der südostdänischen Insel machen beim Abendspaziergang den Großseglern ihre Aufwartung, während der Feuerball der Sonne im Ostmeer versinkt.

Unsere Segelreise von Flensburg durch die Inselwelt des dänischen Königreiches nach Kopenhagen wird morgen den Zielhafen erreichen: Rostock-Warnemünde. Dieter Schiweck am Grill ruft ans Geschirr. Essen fassen. Klar und blau spannt sich der Himmel über Klintholm, über glühendroten Federwolken, die von der untergehenden Sonne entflammt wurden. Die Steaks duften wunderbar. Wie viele solcher Abende mögen Segler auf diesem schönen Schiff wohl schon erlebt haben?

Die „Nordwind“. Für Generationen von Marinesoldaten mehr als das Schulboot einer Nation, die längst wieder Seefahrernation geworden ist: Mit 1800 Kilometern Küste, mit Rostock als Regierungshafen, knapp zweihundert Kilometer vor den Toren der deutschen Hauptstadt gelegen, mit immer mehr Seeleuten, die aus dem Binnenland kommen. Admirale und Generäle, in- und ausländische Gäste hat die „Nordwind“ getragen, nachdem sie 1944 als so genannter „Kriegsfischkutter“ für die Kriegsmarine des Dritten Reiches gebaut worden war. Als Hilfskriegsschiff für Vorposten und Sicherungsdienste, U-Jagd und Minenabwehr konzipiert, hatten Schiffsarchitekten und Konstrukteure der Maierform GmbH beim Bau berücksichtigt, dass die Boote, Holzbauten auf Eisenspanten, nach Kriegsende als Fischkutter wieder verwendet werden könnten.

In ihrem Standardwerk über „Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der Deutschen Marine von 1956 bis heute“ (Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1996) schreiben Gerhard Koop und Siegfried Breyer: „Die Boote erhielten keine Namen sondern Kennbuchstaben entsprechend der Verwendung: H = Hafenschutz, KW = Küstenwache. Im Marinejargon bezeichnete man diese Boote als ,geballte Kampfkraft‘, die Besatzungen selbst fuhren mit ihnen nach dem Motto ,alles, was schneller als 9 kn ist, artet aus in sinnlose Raserei‘.“

1945 wurde der bei Kriegsende noch im Bau befindliche Kriegsfischkutter Beute der Briten. Über die OMGUS (Office of Military Governement for Germany of the United States) ging das Schiff an einen privaten Eigner, der es bei Burmester in Bremen zur Segelketch umbauen ließ.

Der Bundesgrenzschutz (See) übernahm das Boot, stellte es im November 1951 in Dienst als Segelausbildungsboot für die Schulflottille Cuxhaven. Am 1. Juli 1956 übernahm die Bundesmarine die „Nordwind“, ließ sie zunächst im Schulgeschwader Ostsee fahren, später als Schulboot der Marineschule Mürwik.

Seit 1910 werden an der „Burg“ Offiziere ausgebildet. Die Schule reiht sich damit nach Stettin, Danzig, Berlin und Kiel ein als fünfte ihrer Art seit Gründung der ersten Deutschen Marine 1848. Wilhelm II., letzter Deutscher Kaiser, verlas bei der Eröffnung 1910 eine Kabinettsorder an die Fähnriche, in der er Prioritäten für die Ausbildung der Marineoffiziere nannte: Festigung der Persönlichkeit und Charakterbildung.

Mürwik 1945: Reichspräsident Großadmiral Karl Dönitz und die provisorische Reichsregierung unter Graf Schwerin von Krosigk wählten die Sportschule der Marineschule als letzten Regierungssitz. Hier wurde am 5. Mai zunächst die Teilkapitulation, am 8. Mai die bedingungslose Kapitulation an allen Fronten erklärt. Bis zur Verhaftung am 23. Mai blieb die Reichsregierung hier im Amt.
Krankenhaus, Zollschule und Pädagogische Hochschule Flensburg nutzten das Areal, dann bezog die Marine 1956 wieder einen Teil der Gebäude. Die Crew 1/56 wurde hier ausgebildet. Im Sommer 1959 wurden alle Gebäude von der Marineschule Mürwik wieder übernommen – sämtliche Offizieranwärter haben seitdem dort Lehrgänge absolviert.

Zurück aufs Schiff. Um uns herum ist es dunkel geworden. Es ist der letzte Abend an Bord – die Zeit des Resumees. 14 Männer und ein Boot, die „Nordwind“ auf Pressereise des Marineamtes durch die dänische Südsee. Morgen schon werden wir in Warnemünde von einer Reise erzählen, die heute noch ist.

An Bord der „Nordwind“ wird die Routine weiter gehen. Auf UKW-Kanal 16 wird der Funkverkehr durchs Steuerhaus schallen. Der Diesel wird den Tisch vibrieren lassen. Andere werden das Schiff erleben. Zum Glück. Immer wieder andere.
 
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Zusammenfassung der Seite:

Grand Tourisme - Worldwide

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