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Moderation:
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GT - das Magazin der Querdenker: Menschen, Organisationen, Firmen und Vereine, die sich an denkende Zeitgenossen wenden - und die vor allem etwas zu sagen haben - werden
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London brennt – wen wundert´s? …
… und es ist ja nicht nur London: Manchester, Birmingham, was kommt heute nacht? GT hat mit dem Interview mit
Louise Taggart, der Intelligence Analystin des englischen Intelligence und Support-Unternehmens AKE, Antworten gesucht, warum derart zerstörerische Gewalt in England ausgebrochen ist. Die Antworten von Frau Taggart sind in sich schlüssig, greifen jedoch zu kurz, wie die meisten Kommentare zu diesem Thema nicht nur in diesen Tagen. Die Probleme sind fundamental und man sollte wieder einmal zwischen den Zeilen lesen, um der Wahrheit näher zu kommen.
Den Ausbruch einer solch breiten, gesellschaftlichen Empörung an einem einzigen Vorfall festzumachen, dem Tod eines jungen Mannes, wird nicht zielführend sein, wie auch schon Frau Taggart, leider zu wage, feststellt.
Wir müssen auch über den Zaun schauen, um beurteilen zu können, was in Großbritannien den Flächenbrand ausgelöst hat. Wir müssen zum Beispiel fragen: Was unterscheidet die weitgehend friedlichen Aufstände in Arabien von dem, was wir jetzt in England beobachten müssen?
Die jungen Araber können fundamentale Rechte für sich einfordern, in der Hoffnung auf Besserung. Das können die jungen Engländer nicht. Sie haben ja bereits alles, was im arabischen Raum als Mangel empfunden wird.
Die Situation für unterprivilegierte Engländer ist hoffnungslos.
20 Prozent Jugendarbeitslosigkeit und wirklich drastische Einschnitte in allen Bereichen staatlicher Verantwortung: Soziales, Feuerwehr und Polizei. Hier müssen Kürzungen von bis zu 30 Prozent verkraftet werden und wer England kennt, weiß, dass diese Kürzungen wirklich substanzbedrohend sind und nicht ausreichend sein werden.
Von den staatlichen Sparprogrammen einzig ausgenommen ist ausgerechnet das Militär, obwohl genau hier die einzigen Einsparmöglichkeiten bestehen, die die Existenz des englischen Staats nicht massiv bedrohen würden.
(Es sei an dieser Stelle die Frage gestellt, wofür England überhaupt eine Armee braucht, abgesehen von einem rudimentären Küstenschutz. Allein der Gedanke, England könnte von einer Invasionsarmee angegriffen werden, ist absurd. Ich erlaube mir den Hinweis auf die Analogie zu den USA.)
Allerdings: Seit Jahrhunderten, man könnte schon sagen traditionell, ist die Basis englischer Wirtschaft die Ausbeutung fremder Völker – und die wäre ohne Militär nicht möglich. Sie war es nie: Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde diese Ausbeutung mit Waffengewalt durchgesetzt, seit 1944 mit der Geldwaffe.
(Bretton Woods) Mit dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg haben sich die USA in dieser Hinsicht an die Seite Englands gestellt.
In den letzten Jahren ist es unübersehbar geworden, dass die Geldwaffe in bedrohlich naher Zukunft nicht mehr funktionieren wird. Das weiß die englische Regierung und versucht, die Weichen für die Zukunft so zu stellen, dass das Wohlleben für die Upperclass erhalten bleibt. Das kann nur zu Lasten der Lowerclass gehen und wird die Kluft im wiederum traditionellen Zweiklassensystem Englands zwangsläufig bis ins Unerträgliche steigern.
Das spüren die jungen und akut betroffenen Engländer der Lowerclass und sie haben ein fundamentales Problem:
Welche Forderung könnte ihnen Hoffnung geben?
Sie haben (zumindest nominal): Demokratie in ihrer angeblich besten Form, die als geradezu zwingendes Modell für die ganze Welt gelten soll. Sie haben gelernt, in imperativer Form „gelernt“, dass jegliche Form von Sozialismus nur weiteren Niedergang bringen kann. Sie erleben, dass ihnen das System kaum eine Chance bietet, aus ihrer sozialen Kaste auszubrechen. Weder durch Fleiß, noch durch Bildung, die für die meisten ohnehin unbezahlbar ist. Und wenn tatsächlich einmal einer zumindest zu Geld kommt, wird er dennoch niemals vollwertiges Mitglied der Upperclass werden.
Die Situation für die unterprivilegierten Engländer ist hoffnungslos. Wen wundert es da noch, dass sie zu Gewalt greifen, die latent Kriminelle dann für ihre Ziele instrumentalisieren?
Dem Interview mit Frau Taggart und den allgemeinen Meldungen ist zu entnehmen, dass die englische Regierung nur einen Weg zur Befriedung sieht: Gegengewalt durch die Exekutive. Bestürzend empfinde ich die Aussage von Frau Taggart, dass die Staatsführung Englands die gegenwärtigen Aufstände als Trainingseinheit sieht, um für Olympia 2012 besser gerüstet zu sein. Auch der Ruf nach Einsatz der Armee im Inland ist nicht mehr zu überhören und stellt keinen Tabubruch dar. Wo wird der Unterschied zu Syrien sein, das mittlerweile international für sein brutales Vorgehen geächtet wird?
Doch es gibt sie, die fundamentalen Unterschiede: Die Syrer haben ein realistisches Ziel und die Hoffnung, dieses Ziel erreichen zu können. Nicht nur deswegen achten sie die Unversehrtheit der Güter ihrer Mitbürger und plündern und brandschatzen nicht. Das würde ihnen ihre Religion auch nicht erlauben. Der Aufstand der Syrer ist weniger von materiellen Gesichtspunkten getragen. Sie wollen nur Meinungsfreiheit. Und sie wollen nicht länger von Folter bedroht sein. Ihr Protest ist konstruktiv.
Die Basis der englischen Aufstände ist die Angst vor dem Verlust unverdienten und sowieso schon marginalen Wohlstands. Diese ist gerechtfertigt, denn Englands wirtschaftliche Situation ist schlimmer und hoffnungsloser als die aller anderen europäischen Staaten, inklusive
Griechenland.
Ein weiterer Punkt ist das seit geraumer Zeit praktizierte Verhalten der Polizei, „kleinere Vergehen“, wie zum Beispiel Autoaufbrüche, gar nicht mehr zu Protokoll zu nehmen, geschweige denn zu verfolgen. Wir kriegen die Täter sowieso nicht, erfährt der erstaunte Kontinental-Europäer auf dem Revier. Die Exekutive hat gegenüber der massenhaften Kleinkriminalität kapituliert und so auf niedriger Ebene einen rechtsfreien Raum geschaffen. Die offizielle Statistik bestätigt das nicht, kann sie auch gar nicht, weil sich die Polizei ja weigert, ein statistikfähiges Protokoll aufzunehmen.
Diese (Not)Toleranz gegenüber Kleinkriminalität hat fatale Folgen. Der (möglicherweise latent) Kriminelle wird die Grenzen der Toleranz suchen, was ein urmenschliches Verhalten ist. Da ist der Weg vom Autoaufbruch zum Plündern und Brandschatzen sehr kurz, wie die aktuellen Entwicklungen in England zeigen. Wie soll einem hungrigen Menschen vermittelt werden, dass er zwar straflos ein Auto aufbrechen darf, einen Laden aber nicht plündern?
Die eigentliche Ursache für die englischen Aufstände ist die verzweifelte wirtschaftliche Situation und die deswegen notwendigen Sparprogramme. Im Deutschen ist das Wort „Sparprogramm“ eher positiv besetzt und entspricht einer Grundeinstellung der Deutschen. Im Englischen heißt Sparprogramm „austerity programme“. Schlägt man das Lexikon auf, dann finden sich für „austerity“ folgende deutsche Begriffe: Strenge, Ernst, Askese, Enthaltsamkeit, Herbheit, Schmucklosigkeit, Mäßigung, Genügsamkeit, strenge (wirtschaftliche) Einschränkungen.
Auch in Deutschland täte sich eine Regierung schwer, ein Programm mit diesen (emotionalen) Attributen dem Volk als gut und richtig zu verkaufen. Vor allem dann, wenn die Betroffenen (kleinen Bürger) weiterhin zusehen müssen, wie in der Welt der Banken und des (Geld)Adels weiterhin hemmungslos geprasst wird. Wen wundert es da noch, wenn die Wut und Hoffnungslosigkeit als Gewalt auf die Straßen getragen wird?
England befindet sich in einer sehr ähnlichen Situation, wie vor hundert Jahren. Die Außenhandelsbilanz ist katastrophal. Um 1900 wurde im englischen Parlament formuliert, dass 50 Prozent der englischen Bevölkerung vom Hungertod bedroht sei, wenn nicht drastische Maßnahmen bezüglich des Außenhandelsdefizits ergriffen würden. Damals war Krieg noch eine Option. England konnte sich durch kriegerische Akte den Zugriff auf afrikanisches Gold und arabisches ÖL sichern, was aber bei Weitem nicht ausreichte, die englische Situation auf Dauer zu stabilisieren.
Erst der Erste und der Zweite Weltkrieg konnten England Luft verschaffen - die damit verbundene Annullierung von Schulden gegenüber dem Deutschen Reich, die überzogenen Reparationsforderungen (gezahlt bis 2010) und der Raub deutscher Patente und Industrieanlagen gehörten dazu. Ebenso wurde der Versuch unternommen, den Konkurrenten Deutschland wirtschaftlich klein zu halten, indem Deutschland ein Verbot zur Entwicklung von Hochtechnologie auferlegt worden ist.
Mit dem System von
Bretton Woods 1944 dachte man nun, dass dieses Instrument für alle Zukunft die Ausbeutung des Rests der Welt mit der Geldwaffe garantieren würde, hier insbesondere die Ausbeutung Deutschlands. Dieses System jedoch ist am Ende und sein Untergang ist auch mit den perversesten Mitteln wie Leerverkäufen und Derivaten nicht zu verhindern. England weiß das, und die USA auch. Mit den „austerity programms“ haben auch die kleinen Bürger Englands eine Vorstellung vor Augen geführt bekommen, was auf sie zukommen wird.
In meinen Büchern
„Bankraub globalisiert“ und
„England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“ habe ich nicht nur beschrieben, warum vor hundert Jahren nur ein einziges Land Vorteile aus einem Krieg erhoffen konnte und folglich die großen Kriege orchestriert hat. Ich habe die pekuniären Instrumente, ihre Funktion und ihren Sinn beschrieben, aber auch begründet, warum ihr Ende unausweichlich ist. Ich habe die Aufstände in England vorhergesagt, sobald das System von Bretton Woods nicht mehr funktioniert.
Ich stehe weiterhin zu meiner Prognose, dass die USA ähnliche Zustände erleben werden, wie England jetzt. Nur schlimmer. England hat den Vorteil, dass der Besitz von Waffen streng reguliert ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, was in den USA passieren wird, wo nahezu jeder Haushalt über Schusswaffen bis hin zum Maschinengewehr verfügt.
Die unterprivilegierte Jugend Englands ist ohne Perspektive und verzweifelt, was sie mit Gewalt ausdrückt. Das hat sie gemein mit der englischen Regierung. Diese sucht verzweifelt einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere und kennt nur eine Antwort auf die Aufstände: Gegengewalt. Tatsächlich gäbe es einen einzigen, dafür aber einen wirklich friedlichen Ausweg: Die Wahrheit.
England und die USA müssen die Karten auf den Tisch legen. Sie müssen bekennen, dass ihr System der turbokapitalistischen Ausbeutung Realität ist und so nicht mehr weitergeführt werden kann und soll. Sie müssen vor der ganzen Welt einen
Insolvenzantrag stellen und endlich die Verantwortung für alle ihre Gräueltaten des 20. Jahrhunderts übernehmen, für die sie ursächlich verantwortlich sind – aus niederen Motiven: Macht und Ausbeutung und die Unfähigkeit, sich in fairem Wettbewerb der internationalen Konkurrenz zu stellen, weil sie ihrem Militär den Vorrang gegenüber wettbewerbsfähiger, ziviler Produktion gegeben haben.
England und die USA müssen Abbitte leisten, gegenüber der gesamten Welt – inklusive Deutschland. Sie müssen ihr Militär reduzieren auf eine Größe, die ausschließlich der territorialen Verteidigung gerecht wird. Nur dann kann es einen Weg geben, diesen beiden Ländern die internationale Hilfe zukommen zu lassen, die benötigt wird, diese Länder ohne Bürgerkrieg in eine neue Zeit zu führen. Die Wahrheit wird den jungen Menschen in England und den USA eine Perspektive geben. Nicht nur dort. Die ganze Welt wird einen Frühling erleben, wenn angelsächsische Intrigen, Ausbeutung und angelsächsisches Morden nicht mehr die Welt von friedlicher Zusammenarbeit abhält.
Wir alle, Deutschland voran, werden den Menschen in England und den USA - unseren Freunden - helfen wollen, ihr menschenverachtendes Zweiklassensystem friedlich zu überwinden. Sobald die Wahrheit auf dem Tisch liegt, werden wir das dann freiwillig tun, in bester humanistischer Tradition. Die jungen Menschen in England werden wieder Ziele haben dürfen, die sie nicht mit Gewalt verfolgen müssen, sondern in dem Bewusstsein, dass ihre Arbeit und Initiative Früchte tragen wird. Das Beste daran ist, dass wir, die großen, friedlichen Nationen dieser Welt, diese Hilfe leisten können. Wir tun es nämlich schon seit vielen Jahren, nur unfreiwillig und ohne dass wir es wissen.
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