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Mit dem Hausboot durch Berlin und Potsdam nach Brandenburg/Havel
Aus dem Reisetagebuch einer Landratte: Birgit Mattke beschreibt ihre erste Bootstour – kurz vor Ostern 2009 ging es auf einem Kuhnle-Hausboot des Typs Kormoran 1280 zwei Tage lang von Zeuthen nach Brandenburg-Plaue.
4.15 Uhr - der Wecker klingelt unerbittlich - gähn. Wenn doch nur die verflixte, gerade wieder eingeführte und höchst überflüssige Sommerzeit nicht wäre!!! Als ob sich die Natur in irgendeiner Weise darum scheren würde, dass die sogenannte "Krone der Schöpfung" in ihrem ewigen Bestreben, das aufgeblasene Ego zu befriedigen, nichts unversucht lässt, alles in willkürliche Strukturen zu pressen - zeitliche Abläufe als Machtmittel ... - nun denn, auch ich habe mich dem zu unterwerfen, schließlich geht es heute auf Bootstour. Also, raus mit den müden Knochen und rein in die Klamotten!
Die wichtigen Dinge sind vorbereitet, erledigt - und so geht es 5.30 Uhr mit dem Auto los in Richtung Kablow-Ziegelei zu Norbert Gisder, unserem Skipper. Haben wir auch wirklich nichts vergessen? Merkzettel für unseren Sohn, Krümel und Co. gefüttert? Erleichtertes Aufatmen, wir haben wohl tatsächlich an alles gedacht ...
6.30 Uhr - Ankunft in Kablow Ziegelei. Irgendwie bin ich (biorhythmisch gesehen) noch immer nicht auf "Betriebstemperatur", dennoch ein kurzes Quatscherchen in Gisders Küche - Frau, Kinder und Hund in unterschiedlichem Maße auf den Beinen.
Anschließend weiter in Richtung Zernsdorf. Der nächste Mitfahrer wird "an Bord" geholt - Walter. Alles umladen, unser Auto bleibt auf seinem Grundstück, bestens aufgehoben.
Weiterfahrt nach Zeuthen, zum eigentlichen Ausgangspunkt unserer Fahrt: der Charterboot-Basis von Kuhnle-Tours - die "Zope" wartet bereits am Anlegeplatz auf uns. Das Hausboot ist 12,80 Meter lang und bietet ausreichend Platz für sieben Schlafgäste (zwei Aufbettungen möglich, aber das wird dann eng), der Komfort ist in Ordnung, auch wenn uns ein paar wichtige Dinge fehlen (wir wussten vorher nicht, dass man zum Beispiel Lappen,Geschirrtuch, Spülmittel selbst mitbringen muss).
Sonst ist alles vorhanden: vom Herd, über zwei Kühlschränke, Geschirr etc., Bettwäsche wird gestellt. Unsere Kabine im Bug - drei Schlafgelegenheiten, gemütlich, mit eigenem Minibad, einfach süß.
Einweisung, Klären einiger Fragen (um den wichtigen organisatorischen Kram kümmert sich der Skipper, da schalte ich als technisches Embryo ab). Und dann - hurra!!! - geht es endlich wirklich los ...
9.00 Uhr - nun werde ich langsam wach, die Sonne strahlt vom blitzeblauen Himmel - Hunger! Aber dafür haben wir ja gesorgt: Im Korb Brot, Käse, Salami, Gurke, Obst, Wein und natürlich meine geliebten Walnüsse - hm, da lacht das Herz! Der heiße "Caro" wärmt, auf dem Wasser ist es überraschend frisch ...
Von Zeuthen aus geht es im gemütlichen Tuckergang nach Berlin. Erstes Highlight - die Fahrt durch Berlins Herz mitten hindurch. Fotos ohne Ende, man weiß kaum, wohin man zuerst schauen soll. Ob Treptower Park, Museumsinsel, Regierungsviertel - Berlin einmal vom Wasser aus zu betrachten, ist eine ganz eigene Erfahrung, ein Reiz der Sinne von besonderer Art!
Einen Schreck bekam ich allerdings, als ich zu meiner Linken (Höhe Treptower Park) plötzlich riesige ruinöse, zerfallene Metallkonstruktionen entdeckte. Dann die aufblitzende Erkenntnis: Himmel, das war doch einst der schöne Plänterwald. Ich hatte dort als Kind viel Spaß, war jedoch seitdem nie wieder auf diesem großen Gelände. Und nun die trostlose Einöde - ein lebloser Schrotthaufen. Ehrlich, ein bisschen traurig stimmt mich das schon ...
Inzwischen ist es 12.30 Uhr - Jannowitzbrücke, ein weiterer Gast kommt an Bord - Hartmut (auf einem Boot, so wurde uns gesagt, sind alle ganz locker familiär per Du, wozu sich also mehr merken?). Er weiß eine Menge Wissenswertes zu erzählen, wir haben viel Spaß! Hartmut hat einst im Bundesverkehrsministerium als Ministerialdirigent die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung im Blick gehabt. Also kann er zu jedem Ufermeter eine Unmenge an Details erzählen.
An den Ufern der Spree überall Sonnenhungrige. Ob jung, ob alt, Zwei- oder Vierbeiner - es hält ganz offensichtlich niemanden mehr zu Hause, jeder tankt Energie (mehr oder weniger bekleidet) - Frühlingsgefühle ...
Wir sind raus aus dem Zentrum, Kurs Havel, die Schleusen sowie unzählige wundervolle Brücken liegen hinter uns, es wird wieder weiträumiger auf dem Wasser.
In Spandau gegen 16.00 Uhr: Ich habe gerade einen Futterteller für alle fertig, als uns die böse Überraschung überfällt - das Boot lässt sich nicht mehr steuern. Mithilfe der Bugstrahlruder und freundlicher Unterstützung des Windes von achtern schaffen wir es, an einem Liegeplatz der Berufsschifffahrt festzumachen. Alles wird probiert - wir können dennoch nicht weiter. Telefonate, Fehlersuche - die Monteure werden kommen. Samstag erst? Nein, geht nicht, wir schaffen sonst die geplante Überführungsstrecke nicht. Also gut, noch heute, aber erst gegen 20.00 Uhr - Schietkram!
Hartmut und Walter gehen von Bord. Und wir? Nun, ein fatalistisches Aufseufzen, dann zu Fuß in die Spandauer Innenstadt - Tröste-Zigarre besorgen, erfrischende Apfelschorle in einem Straßencafé - gegen 18.00 Uhr sind wir zurück auf dem Boot. Warten, quatschen - glücklicher Jubel ... - die Monteure sind bereits gegen 19.00 Uhr vor Ort! Ein Problem in der Hydrauliksteuerung. Fehler schnell gefunden, fix beseitigt (ein Lob den beiden Monteuren), Probefahrt im Kreis, rasch noch eine Rolle Papiertücher abgestaubt (Frau denkt an alles!) - 19.20 Uhr, wir können weiter ...
Gemütlich fahren wir in den Sonnenuntergang, himmlische Kulisse, Suche nach einem Ankerplatz am Rand des Großen Wannsees. Blinkende Lichter an den Ufern, hin und wieder die leuchtenden Positionslichter eines Flugzeugs - unsere eigene Ankerlaterne ein beinahe romantisch blinzelnder Gruß in die Dunkelheit. Noch einmal tief durchatmen, die Nachtluft genießen. Sternenklarer Himmel, der Orion grüßt uns, blank geputzter Halbmond. Zwei "asthmatisch" schnaufende Schwäne mit ewig hungrigem Bettelblick schwimmen längsseits. Da kann ich nicht widerstehen - Brot raus (die Herren grinsen - Müsliabteilung!) und die Bröckchen verfüttert. Gieriges Schmatzen, zänkisch ist das Federvieh darauf bedacht, mehr in den Hals zu kriegen als der "Nebenmann".
Wir trinken noch ein Fläschchen Rotwein, dazu gibt es Brot und Käse, quackel, quackel, dann geht es ab in die Koje. Wir liegen ruhig, nur die Ankerkette knarrt und ächzt immer wieder mal - Gute Nacht ...
Freitag, 5.45 Uhr - nö, noch ein paar Minuten dösen ... 6.10 Uhr - okay, es wird Zeit. Micha wirft den Motor an sowie diverse Schalterchen, auf dass wir wieder Wasser haben. Brrr, ist das kalt, aber die Heizung wird rasch für Gemütlichkeit sorgen, bevor die liebe Sonne im Laufe des Tages diesen Job übernimmt. Katzenwäsche, Frühstück, und weiter geht`s, ab in den Sonnenaufgang. Tolles Licht zum Fotografieren! Norbert erklärt und zeigt uns alles Sehenswerte an den vorbeiziehenden Ufern: große und kleine Segel- und Yachtclubs, prächtige Villen von Promis und solchen, die es sein wollen - architektonische Kostbarkeiten darunter. Das Strandbad Wannsee, eines der größten seiner Art und natürlich berühmt und besungen ...
Weiter geht es in Richtung Potsdam, vorbei an der malerischen Pfaueninsel auf der Unterhavel, wenig später Schloss Cecilienhof am Jungfernsee. Die morgendliche Stille auf dem Wasser ist einfach himmlisch!
Die Kulisse von Potsdam empfängt uns mit aller Pracht - eine wahre Augenweide. Wunderbar! Ich bin oben an Deck, mit mir und meinen Gedanken allein. Ein Genuss für die Seele, auch wenn mir auf diese Weise natürlich die eine oder andere Information des Skippers entgeht. Mir ist momentan ganz allein der Gesamteindruck wichtig, der Augenblick - und doch kann man ihn nicht festhalten ...
Kurz nach 10.00 Uhr - wir sind mitten auf dem See - plötzlich Stille, einfach herrlich diese Minuten ohne den Motor mit seinem Dauertuckern! Ups, ich habe mich wohl doch ein wenig zu sehr über die Stille gefreut, jetzt springt er nicht mehr an. Starten, leiern - nichts, tote Hose. Was ist nun schon wieder los? Fehlercheck, die grauen Zellen rotieren, es kann nur an der Starterbatterie liegen, alles andere funktioniert . Monteur anrufen (mal wieder), Vermutung bestätigen lassen, er macht sich gleich auf den Weg - zirka 40 Minuten wird`s dauern.
Wir treiben indessen mit dem Wind langsam und unaufhörlich ans Ufer - völlig manövierunfähig. Ein Gutes hat das ja, man stelle sich nur absolute Windstille vor und dazu das Bild eines grübelnden Monteurs am Ufer - Preisfrage: Wie kriege ich die neue Batterie aufs Boot? Scherz beiseite, wir kommen ihm im wahrsten Sinne des Wortes, entgegen ... getrieben.
Das Ufer rückt näher. Wir treiben haarscharf an Reusen des Fischers vorbei - nur nichts kaputt machen! Glückes Geschick - wir kommen heil daran vorbei. Ein kleiner Privatsteg vor uns, für den großen Kasten eigentlich überhaupt nicht geeignet, aber was will man machen in so einer Situation? Dann das improvisierte Anlegemanöver á la Wyatt Earp, dazu die manuelle Ankerbremse (Norberts Empfehlung für das Handbuch pannengebeutelter Seeleute). Der letzte, am Ufer stehende Reusenstab, ein kleines, geradezu winziges Stöckchen, erweist sich überraschend als äußerst stabil, er hält und bewahrt uns somit vor dem ansonsten unweigerlichen Auf-Grund-Laufen (wie gesagt, für Boote wie das unsere ist dieser Steg einfach nicht gedacht). Tüdelei zentimeterweise ...
Eine Dame im modischen Outfit nähert sich uns, die ganz offensichtlich recht "betuchte" Besitzerin des Grundstückes nebst Villa. Skipper und Co-Pilot lassen ihren humorvollen männlichen Charme sprühen, gemeinsames Lachen, Fachsimpeln - alles noch mal gut gegangen!!!
11.20 Uhr - wo bleibt der Monteur?
11.45 Uhr - warten, warten, warten ... Ein Entenpärchen schwimmt heran, suchend - ja, natürlich, ich eile und hole Brot. Was gibt es auch sonst zu tun?! Eifriges Schlabbern, das Weibchen darf immer ein paar Bröckchen mehr einverleiben. Lasst es euch schmecken! Dazu blauer Bilderbuchhimmel, die Weiden am Ufer voll Kätzchen, überall kräftiges Gezwitscher, eine Amsel flötet melodiös ...
11.50 Uhr - unser Monteur ist im Anmarsch! Eine neue Starterbatterie im Gepäck, sprich auf der Sackkarre. Er lobt unseren Anlegeplatz. Ob er das auch noch tut, wenn er den offensichtlich irgendwo verhakten Anker vom schlammigen Grund pulen muss? Irgendwie hatten wir uns dieses "Wir lassen uns einfach mal treiben ..." eben doch ein bisschen anders vorgestellt - ja, ja, eine Seefahrt, die ist lustig!
12.00 Uhr - ich sitze auf meiner "Aussichtsplattform" und sehe den Männern zu, darum bemüht, niemandem im Wege zu stehen. Gerade zieht der Monteur die alte Batterie mit der Sackkarre rückwärts vom Ufer hoch über das Grundstück. Klirr, schepper - er hat ganz eindeutig vergessen, dass da auf dem Weg ein kleines Rondell ist, und wollte leider mittendurch. Nun ist die schöne Porzellankugel, die dort schmückend aufgestellt war, hoffnungslos zerdeppert - blauweißes Porzellan! Oh Mann, dass wird den Bootsbetreiber bzw. seine Versicherung was kosten! Die alte Batterie (von 2004) und die zerkloppte Edelmurmel lassen wir bald hinter uns.
12.05 Uhr - der Motor läuft, die Show kann weitergehen. Nun liegt das eigentliche Kunststück vor uns: Wir müssen raus aus der Nische, ohne Steganlage oder Reusen zu zerstören.
12.11 Uhr - der Anker konnte gutwillig gelichtet werden, niemand musste dafür baden gehen - der Geist des Sees hatte wohl seinen mitfühlenden Tag.
12.14 Uhr - das Bugstrahlruder steuerbord röhrt (das Reusennetz darf sich nicht verfangen!!!). Der Monteur manövriert hektisch hin und her - Meter für Meter entfernen wir uns vom Ufer. Das Netz? Wir kommen nicht richtig drüber. Quälerei mit einem Bootshaken ... Das Boot zieht sich langsam darüber hinweg, dreht sich raus in Richtung See - es hat die kleinste Stange "erwischt", sie wurde allerdings nur herausgezogen. Das Netz ist heil geblieben - Glück im Unglück. Und dabei immer die Ruhe bewahren, Humor, Gelassenheit - ein wahres Lebenstraining ...
12.24 Uhr - Testfahrt mit Monteur: Alles gut!
12.30 Uhr - noch immer ist Probeschippern angesagt. Oha, wir legen ein Stück weiter an, an einem regulären Anlegeplatz ohne Zerstörungspotenzial. Ein Stück Fußweg für den Monteur (a bisserl "Strafe" muss sein!), für uns mehr Sicherheit. Übrigens, unsere Mägen melden sich langsam, aber merklich. Wir liegen direkt vor dem Steg zum Aldi-Markt am (wie ich später erfahre) Tiefen See - na, wenn das kein Glück ist!
Schön, dass es Aldi gibt: All die hübsch gewohnten Leckereien in wohl sortierten Regalen, ganz gleich, wo man hinkommt - deutscher Ordnungssinn hat eben auch sein Gutes!
13.45 Uhr - wir sind satt und zufrieden, der Stimmungspegel ist dank des auf angenehme Art angeregten Stoffwechsels gleich um mehrere Grad gestiegen, der lästige Abwasch erledigt (hoch lebe die Bio-Zitrone von Aldi!), Kaffee und Schokodoppeldeckerkekse sind das Tüpfelchen auf dem "i". Hurra, und sogar die Glienicker Brücke ist passiert, schon wieder - ha, ha. Wir mussten nämlich ein Stück zurück, zurück über den Jungfernsee in den Sacrow-Paretzer Kanal. Nun geht`s über Ketzin in Richtung Brandenburg ...
Wir gleiten mit Hausboot-Spitzengeschwindigkeit dahin - entspannt, ich für meinen Teil beinahe verträumt. Ach ja, inzwischen ist meine "Bildungslücke" geschlossen: Es war der Tiefe See, der nicht von uns lassen wollte, wobei er mit einer durchschnittlichen Tiefe von 6 Metern (nach Information des Skippers) nicht unbedingt diesen Namen verdient - "wunderscheene isser trotzdem!"
Es folgen ca. zwanzig Kilometer Kanalfahrt, hoffentlich ohne weitere Aufregungen (wir wollen schließlich ein Stück der Strecke pannenfrei hinter uns bringen!) ...
14.12 Uhr - Sacrow-Paretzer Kanal. Der Skipper meint, es dauere noch ungefähr eine Stunde bis Ketzin. Schade, dass die Route über die alte, die Potsdamer Havel nicht geklappt hat, aber die Strecke zwischen Ketzin und Brandenburg verspricht wieder viel sehens- und erlebenswerte Natur. Vertrauen wir also dem Chef und genießen das friedliche Dahintuckern unter Deck (oben knallt die Sonne zu sehr, hab schon genug Farbe abgekriegt und will nicht gleich wie ein frisch gegarter Hummer aussehen!).
P.S.: Der Co-Pilot schläft erschöpft ein wenig - seine OP ist erst eine Woche her und macht ihm noch zu schaffen ...
14.50 Uhr - eine schier endlose Allee von lustigen Zwergen, die Bäume rechter Hand des Kanals schmückend, liegt hinter uns. Zeugnis vergangener Proteste gegen den Kanalausbau. Die Zwerge haben gewonnen, auch ohne Schneewittchen - na ja, es waren schließlich deutlich mehr als sieben Mitglieder im Wichtelkampfgeschwader!
Der Skipper lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen, Micha steuert das Boot, ich genieße das gleichmäßige Gebrummel des Motors auf der Sitzbank - "Bazillus faulus latschi gammeli" macht sich breit. Wie gern würde ich jetzt oben im frischen Fahrtwind sein, aber das wäre wirklich unvernünftig angesichts des brennenden Sonnenballs. Es soll ja noch angenehm sein und am Ende ohne Reue bräunen!
Abgesehen von einigen Wochenendhäuschen, die wir passiert haben, auch einige enthusiastische Angler hockten am Ufer, sind noch immer nur Baumreihen mit dahinter liegenden Wiesen zu sehen. Landschaft, die das Auge beruhigt, wenn auch ohne optische Highlights, die einem ein "Ah!" oder "Oh!" entlocken würden ...
15.03 Uhr - der Skipper braucht ebenfalls ein kurzes Schlummerpäuschen, Micha darf ans Steuer. Nur Mut, wir werden den "Kahn" schon nicht versenken!
In der Ferne zur Rechten ein hässlicher Wald von Windrädern - "Zerspargelung" der Landschaft. Alternative Energien hin oder her, die Dinger sehen einfach fürchterlich aus, unansehnliche Fremdkörper in einer ansonsten so friedlichen, grünen Umgebung ...
15.27 Uhr - Ketzin zur Rechten. Der Ort wirkt beschaulich und verschlafen (?), nette Häuschen im Grünen, was man so von hier erkennen kann. Ein paar Boote am Ufer - ja, das tolle Wetter bringt Leben in die "Bude", Saisonstart am Wasser überall.
15.33 Uhr - kurzer Stopp, kreuzende Fähre hat Vorfahrt - immer. Der Fotoapparat klickt, wieder ein hübsches Motiv im Kasten ...
15.45 Uhr - die Ketziner Havel mündet ein. Ein potthässliches Mischfutterwerk verschandelt in der Ferne die Rückansicht des Ortes - typische Einheitsversion in Schmutziggrau aus DDR-Zeit, in genau dieser Form vielerorts vertreten. Der Fahrtwind weht angenehm herein - Wohlfühlen ist angesagt!
Schlepper (oder nennt man sie "Frachter"?) mit alten Paletten und Schrott schippern an uns vorbei. Freundliches Winkewinke, dann wieder nur Blesshühner als liebenswerte Begleiter. Der Skipper hat sich inzwischen am Bug in die Waagerechte begeben - zwei Fliegen mit einer Klappe: angenehme Fortsetzung des kurzzeitig unterbrochenen Nickerchens, zudem eine gute Gelegenheit für ein Sonnenbad. Nur nicht zu lange, sonst beschuldigt uns die Wasserschutzpolizei noch aus der Ferne, eine rote Signalboje gemopst zu haben! Wir tuckern übrigens gerade über den Trebelsee.
Ein anderes Boot schippert dicht vorbei, fette Bugwelle, platsch, spritz - Norbert ist nass und wieder munter. Doch schließlich "wir nix schuld"! Außerdem ist es nun auf diese Weise doch noch unverhofft zur "Wassertaufe" gekommen ... Und noch ungefähr achtzehn Kilometer "bis Buffalo" - zirka anderthalb bis zwei Stunden so über den Daumen gepeilt ...
16.20 Uhr - zur Linken Deetz, ein niedliches Örtchen. Wir halten uns rechts, einem freundlichen Schlepper namens "Susanna", der uns überholte, folgend (er hat es halt eiliger als wir). Sein Fahrwasser schwappt uns unruhig voran. Ein Stück weiter die Fichtner Marine, wie das Schild verrät. Derartige Orientierungspunkte erleichtern es doch enorm, den momentanen Aufenthalt genauer zu bestimmen.
Die Landschaft an der Havel ist urig, ein Paradies für Wasservögel und, wie ich vermute, vom Menschen weitgehend unberührt - Naturschutzgebiet ...
17.00 Uhr - Saringen, ein süßer Klecks in der Landschaft. Norbert schwärmt vom frisch gefangenen, vor dem Verzehr nicht eingeeisten Zander, den man hier verspachteln kann - lecker!
17.08 Uhr - Camping und Yachthafen Eden gleitet rechter Hand an uns vorbei. Der Name klingt groß, aber eigentlich macht die Anlage optisch nicht viel her. Ein sturer, wohlgenährter Griesgram schaut missmutig in die Gegend. Gott, was macht der erst bei schlechtem Wetter? Wir winken dennoch freundlich und verewigen ihn fotografisch - man kann ja nicht immer nur die schönen Seiten des Lebens festhalten ...
17.19 Uhr - Kilometer 52. Der Skipper schießt ein schnelles Foto - schließlich ist das sein Alter ... Gerechtigkeit muss sein, haben wir doch die Michael-Brücke gestern in Berlin ebenso fotografiert! Frage: Gibt es vielleicht auch mal was mit "Birgit"?
Vor uns liegt der Beetzsee. Durch die Schmalseite durch, dann geht es entweder in den Silo-Kanal (findet Norbert recht langweilig) oder über einen Umweg von zirka zwanzig Minuten durch Brandenburg. Soll definitiv die schönere Strecke sein, aber dann muss Christine, die uns abholen will, länger warten ...
P.S.: Micha versucht gerade verzweifelt, mit dem Teleobjektiv zwei majestätisch hoch am Himmel kreisende Raubvögel "einzufangen" - und ja, ein paar herrliche, wirklich gelungene Aufnahmen sind dabei! Freu, freu und studier - die Herren einigen sich darauf, dass es sich nur um Fischadler handeln kann (endlich hat es mal geklappt!) ...
17.30 Uhr - in der Ferne taucht der Dom von Brandenburg auf und winkt uns schon mal zu. Dennoch wird es ein Weilchen dauern, bis wir es geschafft haben.
Rechts sind jetzt Industrieanlagen in Sicht, vergammelt wirkend, zwei hohe Schornsteine in den Himmel gereckt. Unmittelbar davor ein Wasserwanderrastplatz - Havel Marin. Und schwuppdiwupp sind wir schon an der Vorstadt-Schleuse, ging schneller, als vermutet. Ein wenig warten, ein dicker Frachter darf vor uns hinein, dann folgen auch wir. 17.45 bis 18.10 Uhr - die Landratten schlagen sich tapfer, der Skipper hat nichts zu meckern.
Der Silo-Kanal - genießen wir die letzte Etappe. Ich wage mich jetzt auch wieder nach oben: Schattenplatz, frische Luft, bessere Sicht - ich war doch sooo vernünftig den ganzen Tag!
18.30 Uhr - Wohngebiete rücken ins Blickfeld, Neubauten, in der Uferzone Kleingartenkolonien. Rückwärts zu fahren ist irgendwie auch ganz lustig ...
An der Backbordseite unansehnliche Ruinen sozialistischer Tage: leer, beschmiert, teilweise zerstört - es wird wohl noch ziemlich lange dauern, bis solche "Reste" beseitigt sind! Ist ja nicht gerade so, dass den Kommunen das Geld in den Schoß fällt ...
Wir fahren an einigen Frachtern vorbei - ein Wiedersehen, die "Susanna" ist mit von der Partie! Am Ufer ein paar Jugendliche: quatschen, angeln, Freizeit genießen ...
Rechter Hand döst eine Einfamilienhaussiedlung, sauber, nett, eintönig gleichförmig - wirkt in gewisser Weise genormt. Gegenüber "Die Manufaktur". Was mag da wohl "manufakturiert" werden?
Und wieder Beton, Beton, Beton. Blick erneut nach rechts - ein Stück gut ausgebauter Rad- und Fußweg. Und immer wieder gleiten wir unter den ewig gleichen halbrunden Brückenkonstruktionen hindurch - sehen genauso aus wie die bei uns über den Oder-Havel-Kanal. Gibt es da vielleicht einen Mengenrabatt?
Backbord der Stadthafen Brandenburg. Woher kommt nur plötzlich dieser Gestank? Schrott wird tonnenweise auf Güterwagen verladen, Steine für den Straßenbau - riesige Anlagen, Frachter an Frachter, ein wuchtiger Kran verlädt Unmassen an Drahtrollen. Und am Ende des Gebäudekomplexes das Industriemuseum. Historie und Moderne auf einem Fleck.
Der Silo-Kanal zieht sich schnurgerade dahin - so langweilig finde ich das Randgeschehen gar nicht, es ist dennoch durchaus sehenswert (umso mehr schätzt man die idyllischen heimatlichen Parlower Gefilde).
18.50 Uhr - zur Linken eine gewaltige Schrottfirma, meterhohe Berge - die Abwrackprämie lässt grüßen! Steuerbord hingegen reizt die Natur. Wir sind gerade durch den Quenzsee durch, fahren in den Plauer See. Endlich wieder Weite, Labsal für die Augen ...
19.30 Uhr - das Ziel zum Greifen nah! Linker Hand Schloss Plaue und immer wieder Häuschen mit Anlegestegen, rechts Reusen an Reusen.
20.15 Uhr haben wir unser Ziel erreicht: die Werft + Hafen von Thomas Brauckmann in Plaue. Das Boot darf dort liegen bis Montag, wenn die Fahrt weitergeht. Ein guter Platz, auch wenn das eigentliche Ziel, Wittenberge an der Elbe, nicht erreicht werden konnte. Die Pannenparade hat`s verhindert ... Nach etlichen unfreiwilligen Ehrenrunden im Hafen, der starken Oberflächenströmung sowie der Schwerfälligkeit des Bootes geschuldet, konnten wir endlich anlegen. Welch ein Kraftakt!
Nun noch schnell aufräumen, den letzten Kram zusammenpacken, dann kann sich die "Zope" ausruhen und wir begeben uns auf den Heimweg per Auto (Christine sei Dank!!!).
Es war eine sehr schöne, erlebnisreiche Fahrt. Das Wetter hat uns verwöhnt, ein schöner, milder Frühlingswind gestreichelt. Und es hat sich gezeigt, dass es gut ist, einen kundigen Skipper mit an Bord zu haben. Es gibt nun einmal mitunter Situationen, die für Laien nicht so einfach zu bewältigen sind. Michael und ich, wir zwei Landratten, hatten jedenfalls eine Menge Spaß, bedanken uns hiermit herzlich bei unserem Skipper Norbert und werden ganz gewiss bei Gelegenheit mal wieder die Füße auf die "Planken" eines Bootes setzen - Ahoi!
Birgit Mattke, 2./3. April 2009
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P.S.: Wer übrigens Norbert Gisder als Skipper für eine solche Tour an Bord haben möchte, erreicht ihn in seinem Kapitäns-Klub
www.kapitaens-klub-gisder.com oder unter n.gisder@gmx.de.
Im Fotoarchiv finden Sie Bilder von der gesamten Bootsfahrt.






















