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Öffnet internen Link im aktuellen FensterLibyen unterm Feuersturm; Ägypten und die Revolutionslügen; der arabische Krisenbogen und seine Hintergründe; der Fall Soros - von Ferdinand Kroh. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen

Öffnet internen Link im aktuellen FensterKosovo 2011, der jüngste Staat in Europa drei Jahre nach der Unabhängigkeit - Kommentare, Reportagen, Fotos - von Norbert Gisder. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen 

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Öffnet internen Link im aktuellen FensterDie Serie in GT

Öffnet internen Link im aktuellen FensterGrundsätzliche Überlegungen zur Produktivität von Arbeit und daraus entstehendem Wohlstand

 

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GT - das Magazin der Querdenker: Menschen, Organisationen, Firmen und Vereine, die sich an denkende Zeitgenossen wenden - und die vor allem etwas zu sagen haben - werden Öffnet internen Link im aktuellen Fensterhier miteinander vernetzt.

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Die Zukunft beginnt heute! Serie über den jüngsten Europäer

Teil 6: Bildung, Kultur, Schule - Grundlagen der Begriffe aus der Sicht des Kosovo

Von Pater Walter Happel SJ
07.06.2011

Was ist unter "Bildung" eigentlich zu verstehen?

Zunächst einmal ist es doch überraschend, dass es sich hier um einen typisch deutschen Begriff zu handeln scheint. Engländer, Franzosen, Spanier und andere Völker kennen diesen Begriff nicht, übersetzen ihn mit education, was vom Lateinischen educere, also herausführen kommt. Gemeint ist das Herausführen aus dem natürlichen, rohen, "ungeschliffenen" Zustand des durch Instinkte und Reflexe festgelegten Wesens in eine zweite, durch Lernen erworbene Natur, die sozusagen der ersten hinzugefügt wird.

Was dann aber unter Bildung verstanden werden soll oder kann, variiert je nach Interesse und Ausrichtung erheblich. Im Bereich der Arbeitswelt wird darunter im wesentlichen Wissen verstanden, das auf Erfolg hin qualifiziert. Leistung ist dann u.a. ein Ergebnis erworbener Bildung. Wissen ist aber keineswegs gleich Bildung und auch nicht ihr Ziel, sondern bestenfalls ein Hilfsmittel, das Chancen vergrößert oder verschenkt.

So ist schlechte Bildung im Sinne von schlechter Ausbildung, also wenig oder ungenaues Wissen, sicher keine Voraussetzung zum Erfolg. Laut einer OECD Studie aus dem Jahr 2000 war nur 20% dessen, was man damals gelernt hatte, nach zehn Jahren noch anwendbar, 80% des Wissens und technischen Know Hows ist dann nämlich schon überholt. Aber 80% jener, die 2000 im Arbeitsleben standen, werden auch im Jahre 2010 noch im Berufsleben aktiv sein. Wäre Bildung also gleich Wissen oder gleich anwendbares Wissen, dann wären die Gebildeten von 2000 die Ungebildeten des Jahres 2010. Diese Absurdität möge zeigen, dass Bildung nicht auf Wissen reduzierbar ist.

Was also ist Bildung?

Oder besser noch: Welcher Bildungsbegriff führt zu einer gelungenen Form der Weltbeziehung für den Einzelnen und für die Gemeinschaft, in der er lebt?

Im deutschen Wort Bildung steckt unzweifelhaft der Begriff des Bildes. Wenn wir nun versuchen, uns ein Bild von uns selbst zu machen, werden wir versuchen müssen, uns unserer Traditionen, unserer Werte, der bewährten Verhaltensmaßstäbe unserer Kultur zu versichern, um davon ausgehend ein Bild der von ihr versprochenen Zukunft zu entwerfen. Aus dem Bild wird so der Auftrag zur Bildung, ein Handlungsauftrag, sich in einer menschlichen Gemeinschaft zu entfalten und diese so weiterzubilden.

Um beantworten zu können, was wir unter Bildung verstehen, werfen wir zunächst einen kurzen Blick in einen Ausschnitt der Geschichte und Kultur Europas, der bis heute prägt.

Mit der Erfindung des Buchdrucks, genauer gesagt, der beweglichen Letter, durch Johannes Gutenberg in den frühen 1450-er Jahren veränderte das Wissen seinen Charakter. Von nun an löste das individuelle Lesen im Abendland das kollektive Hören in der Wissensvermittlung ab. Bücher und andere Druckerzeugnisse überfluteten von jetzt an Europa; enorme Aufbrüche, Umwälzungen, Fortschritte in Technik und Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft sind, bis auf den heutigen Tag, zu verzeichnen.

Renaissance und Reformation sind ohne die Erfindung der Druckkunst genauso wenig denkbar wie die Aufklärung. Dem Einzelnen ist es nur noch möglich, einen verschwindend kleinen Teil des gedruckten und so weitergereichten Wissens in Büchern auch zu lesen und es ist gänzlich unmöglich, mit auswendig Gelerntem allein in dieser Gesellschaft eine gelungene, eine fortschrittliche Form der Beziehung zur Welt aufzubauen und zu gestalten.

Umgekehrt ist es aber von nun an jedem Einzelnen prinzipiell möglich, sich Zugang zum Wissen seiner Zeit zu verschaffen. Der sich im Abendland damit durchsetzende Bildungsbegriff könnte etwa wie folgt definiert werden:

Bildung ist nicht nur Wissenserwerb, sondern Formung des ganzen Menschen, die seine Fähigkeiten und Anlagen durch Erziehung anregt, sich zu entfalten und die diese Entwicklung dann auch steuernd begleitet.

Sie ist und bleibt ein lebenslang anhaltender Prozess.

Ein Blick in die Welt des osmanischen Reiches lässt uns im gleichen Zeitraum Anderes entdecken. Über volle drei Jahrhunderte entzieht man sich erfolgreich und gänzlich der revolutionierenden Wirkung der Druckkultur und der damit möglich werdenden Wissensvermittlung und ihrer umstürzenden Konsequenzen. Selbst der Koran wurde erst 1828 erstmals von Muslimen für Muslime mechanisch vervielfältigt. Bei der Wissensaufnahme stützt man sich weiterhin also ausschließlich auf Gehör und Gedächtnis. Die Kultur bleibt weitestgehend eine mündliche. Die Menge des aufzunehmenden Wissens ist damit notwendiger Weise begrenzt, jedoch mit erheblichen Folgen für die Entwicklung des Einzelnen, den Fortschritt und die Gestaltung der Gesellschaft, in der er lebt.

Bildung wird in diesem Kulturkreis weiterhin verstanden als die Aneignung der überwiegend mündlich tradierten und vermittelten Lerninhalte, die man sich durch Auswendiglernen aneignet. Memorieren und Abfragen des Gelernten prägen Schule und Unterricht.

Das hat Folgen bis auf den heutigen Tag, wie sich an den Nachfolgestaaten des osmanischen Reiches am folgenden Beispiel veranschaulichen lässt:

Der Arab Human Development Report 2003 hält fest, dass in der arabischen Welt in den gesamten 1970-er Jahren nur etwa 20 Prozent der Anzahl von Büchern in die Landessprache übersetzt wurde, wie im Kleinstaat Griechenland.

In den 1980-er Jahren wurden in der arabischen Welt, statistisch betrachtet, auf 1 Million Menschen in 5 Jahren lediglich 4,4 Bücher übersetzt, im selben Zeitraum in Ungarn 519 und in Spanien 920 Bücher. Dabei ist noch kein Wort verloren über die meist geringe Auflage der in der arabischen Welt übersetzten Bücher.

Auch der Kosovo war über Jahrhunderte Teil des osmanischen Reiches, bis es 1912 blutig erobert und von Serbien, gegen den Widerstand der örtlichen Bevölkerung, annektiert wurde. Es kann also nicht verwundern, dass das osmanische Erbe auch das Kosovo und den Schulalltag im Kosovo bis auf den heutigen Tag mitprägt. Auch im öffentlichen Schulsystem wird hier Bildung, die ja die Grundlagen, die Errungenschaften und den Reichtum menschlicher Erfahrungen an künftige Generationen weitergeben soll, offensichtlich weiter überwiegend begriffen als Aneignung durch das Memorieren tradierter, meist mündlich vermittelter Lehrinhalte. Das wird insbesondere auch deutlich, wenn man sich in den Schulen die Aufgabenstellungen bei Klassenarbeiten ansieht, wobei es kaum einen Unterschied macht, ob es sich hier um ein naturwissenschaftliches oder geisteswissenschaftliches Fach handelt. Es dominiert das Memorieren, die bevorzugte Prüfungsform folgt dem Multiple-Choice-Verfahren.

So wird im Fach Albanisch beispielsweise ein Textausschnitt vorgelegt, den der Schüler aufmerksam durchzulesen hat. Dann soll er durch Ankreuzen die Frage beantworten, ob es sich bei dem Text um eine Kritik, einen philosophischen Text, eine Information oder um einen literarischen Text handelt. Im weiteren Prüfungsverfahren soll er, wiederum durch Ankreuzen, kenntlich machen, ob der Begriff Internat ein Wohnheim, ein Kulturhaus, einen großen Palast oder ein kleines Museum bezeichnet. Und so geht es munter weiter.

Feststellen lässt sich bei richtiger Beantwortung der Fragen nicht einmal, ob der Prüfling gut auswendig gelernt und Gelerntes wieder erkannt hat oder nur zufällig Glück hatte, das Richtige anzukreuzen. Nicht beurteilen kann man, ob der Schüler die Rechtschreibung beherrscht, welchen Schreibstil er hat, ob er in der Lage ist eine ordentliche Kritik zu schreiben, wie es mit seiner Kreativität aussieht, ob er über ein gutes Urteilsvermögen verfügt und vieles, vieles mehr.

Hätte man ihn beispielsweise einen Aufsatz schreiben lassen zum Thema: Beurteilen Sie, ob eine Internatserziehung dem Wohl eines Schülers dient“ , könnte anhand des Aufsatzes vieles mehr überprüft werden. Man erführe etwa, ob und wie der Schüler die Rechtschreibung und die Zeichensetzung beherrscht, ob er ausreichend Gründe für und gegen eine Internatserziehung gesammelt hat. Es ließe sich feststellen, ob seine eigene Stellungnahme zur Internatserziehung begründet ist, schlecht begründet ist oder gar gänzlich fehlt. Der Aufsatz ließe uns etwas erfahren über den Stil des Schreibers, sein Problemlösungsverhalten, seine Fähigkeit, Gelerntes und bereits Gewusstes dabei mit einzubringen und fruchtbar werden zu lassen. Kurz gesagt, wir erführen viel über den Schreiber, seinen Wissensstand, sein Können, seine Kreativität, seine Einstellung zum Internat, seine Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen und zu analysieren. Es wäre uns wohl auch eher möglich, eine Prognose abzugeben im Hinblick auf die Aussichten des Schreibers, Probleme künftig erfolgreich anzugehen.

An diesem Beispiel wird sichtbar, dass Albanischunterricht mehr sein kann als das reine Unterrichten der albanischen Sprache und Kultur. Er kann Werterziehung sein, Problemlösungsstrategien trainieren, Kreativität stimulieren, Rechtschreibung üben, er kann, kurz gesagt, zu einer gelungenen Form der Weltbeziehung auf fortschrittliche und friedliche Weise vorbereiten und dazu beitragen. Anders gesagt, es lässt sich ersehen, ob und inwieweit Fähigkeiten und Anlagen angeregt wurden sich zu entfalten, ob die pädagogische Begleitung die Entwicklung erfolgreich mitgesteuert hat und wo noch zu intervenieren ist, um durch Fordern zu fördern.

Wer nur gelernt hat, schwarz und weiß zu unterscheiden, nur richtig und falsch zu kennen, nur in gut oder schlecht zu unterteilen, wer nur Memoriertes abruft oder sich auf auswendig Gelerntes verlässt, ist sicher schlecht darauf vorbereitet, in einer komplexen und mehr und mehr globalisierten Welt in konstruktiver, kreativer, friedlicher Weise an Probleme heranzugehen, geschweige denn sie zu lösen um so Zukunft für alle zu gestalten.

Ein aktuelles Beispiel: In der zentralen Abiturprüfung 2008 des Kosovo, die im Wesentlichen auswendig Gelerntes abfragte, haben auf Anhieb landesweit nur 44,70% diese Prüfung bestanden; dabei handelt es sich selbstverständlich um ein Durchschnittsergebnis. Natürlich gibt es auch Schulen, die weit unter oder auch über diesem Ergebnis lagen. Bemerkenswert ist, dass komplexe Zusammenhänge hier nicht gefragt waren.

Geschichte und Kultur prägen also den Bildungsbegriff in erheblicher Weise mit und entscheiden so auch mit über Erfolg oder Misserfolg. Wir sind dem aber keineswegs hilflos ausgeliefert. Die Vergangenheit können wir zwar nicht ändern, wir können uns aber in der Gegenwart entscheiden, unsere Zukunft zu gestalten oder es sein zu lassen. Wir entscheiden uns also so oder so für einen Begriff von Bildung und damit über die Form unserer Gesellschaft und die Programme unserer Schulen und deren Unterrichtsinhalte und Gestaltung.

Auf eine Entscheidung zu verzichten ist auch eine Entscheidung. Wir bleiben also verantwortlich für das Gelingen oder Misslingen unseres Lebens und damit eben auch unserer Gesellschaft. Machen wir uns die Erde untertan oder lassen wir uns treiben? Es ist unsere Entscheidung. Verantwortlich für unser Leben sind wir, nicht die Anderen!

Bildung im Osmanischen Reich

Ein Blick in die Welt des osmanischen Reiches lässt uns im gleichen Zeitraum Anderes entdecken. Über volle drei Jahrhunderte entzieht man sich erfolgreich und gänzlich der revolutionierenden Wirkung der Druckkultur und der damit möglich werdenden Wissensvermittlung und ihrer umstürzenden Konsequenzen.

Selbst der Koran wurde erst 1828 erstmals von Muslimen für Muslime mechanisch vervielfältigt. Bei der Wissensaufnahme stützt man sich weiterhin also ausschließlich auf Gehör und Gedächtnis. Die Kultur bleibt weitestgehend eine mündliche. Die Menge des aufzunehmenden Wissens ist damit notwendiger Weise begrenzt, jedoch mit erheblichen Folgen für die Entwicklung des Einzelnen, den Fortschritt und die Gestaltung der Gesellschaft, in der er lebt.

Bildung wird in diesem Kulturkreis weiterhin verstanden als die Aneignung der überwiegend mündlich tradierten und vermittelten Lerninhalte, die man sich durch Auswendiglernen aneignet. Memorieren und Abfragen des Gelernten prägen Schule und Unterricht.

Das hat Folgen bis auf den heutigen Tag, wie sich an den Nachfolgestaaten des osmanischen Reiches am folgenden Beispiel veranschaulichen lässt:

Der Arab Human Development Report 2003 hält fest, dass in der arabischen Welt in den gesamten 1970-er Jahren nur etwa 20 Prozent der Anzahl von Büchern in die Landessprache übersetzt wurde, verglichen mit dem Kleinstaat Griechenland.

In den 1980-er Jahren wurden in der arabischen Welt, statistisch betrachtet, auf 1 Million Menschen in 5 Jahren lediglich 4,4 Bücher übersetzt, im selben Zeitraum in Ungarn 519 und in Spanien 920 Bücher. Dabei ist noch kein Wort verloren über die meist geringe Auflage der in der arabischen Welt übersetzten Bücher.

Bildung und Verständnis für demokratische Kultur in Kosovo

Auch der Kosovo war über Jahrhunderte Teil des osmanischen Reiches, bis das Land ums Amselfeld 1912 blutig erobert und von Serbien, gegen den Widerstand der örtlichen Bevölkerung, annektiert wurde.

Es kann also nicht verwundern, dass das osmanische Erbe auch den Kosovo und den Schulalltag im Kosovo bis auf den heutigen Tag mitprägt. Auch im öffentlichen Schulsystem wird hier Bildung, die ja die Grundlagen, die Errungenschaften und den Reichtum menschlicher Erfahrungen an künftige Generationen weitergeben soll, offensichtlich weiter überwiegend begriffen als Aneignung durch das Memorieren tradierter, meist mündlich vermittelter Lehrinhalte. Das wird insbesondere deutlich, wenn man sich in den Schulen die Aufgabenstellungen bei Klassenarbeiten ansieht, wobei es kaum einen Unterschied macht, ob es sich hier um ein naturwissenschaftliches oder geisteswissenschaftliches Fach handelt. Es dominiert das Memorieren, die bevorzugte Prüfungsform folgt dem Multiple-Choice-Verfahren.

So wird im Fach Albanisch beispielsweise ein Textausschnitt vorgelegt, den der Schüler aufmerksam durchzulesen hat. Dann soll er durch Ankreuzen die Frage beantworten, ob es sich bei dem Text um eine Kritik, einen philosophischen Text, eine Information oder um einen literarischen Text handelt. Im weiteren Prüfungsverfahren soll er, wiederum durch Ankreuzen, kenntlich machen, ob der Begriff Internat ein Wohnheim, ein Kulturhaus, einen großen Palast oder ein kleines Museum bezeichnet. Und so geht es munter weiter.

Feststellen lässt sich bei richtiger Beantwortung der Fragen nicht einmal, ob der Prüfling gut auswendig gelernt und Gelerntes wieder erkannt hat oder nur zufällig Glück hatte, das Richtige anzukreuzen. Nicht beurteilen kann man, ob der Schüler die Rechtschreibung beherrscht, welchen Schreibstil er hat, ob er in der Lage ist eine ordentliche Kritik zu schreiben, wie es mit seiner Kreativität aussieht, ob er über ein gutes Urteilsvermögen verfügt und vieles, vieles mehr.

Hätte man ihn beispielsweise einen Aufsatz schreiben lassen zum Thema: Beurteilen Sie, ob eine Internatserziehung dem Wohl eines Schülers dient“ , könnte anhand des Aufsatzes vieles mehr überprüft werden. Man erführe etwa, ob und wie der Schüler die Rechtschreibung und die Zeichensetzung beherrscht, ob er ausreichend Gründe für und gegen eine Internatserziehung gesammelt hat. Es ließe sich feststellen, ob seine eigene Stellungnahme zur Internatserziehung begründet ist, schlecht begründet ist oder gar gänzlich fehlt. Der Aufsatz ließe uns etwas erfahren über den Stil des Schreibers, sein Problemlösungsverhalten, seine Fähigkeit, Gelerntes und bereits Gewusstes dabei mit einzubringen und fruchtbar werden zu lassen. Kurz gesagt, wir erführen viel über den Schreiber, seinen Wissensstand, sein Können, seine Kreativität, seine Einstellung zum Internat, seine Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen und zu analysieren. Es wäre uns wohl auch eher möglich, eine Prognose abzugeben im Hinblick auf die Aussichten des Schreibers, Probleme künftig erfolgreich anzugehen.

An diesem Beispiel wird sichtbar, dass Albanischunterricht mehr sein kann als das reine Unterrichten der albanischen Sprache und Kultur. Er kann Werterziehung sein, Problemlösungsstrategien trainieren, Kreativität stimulieren, Rechtschreibung üben, er kann, kurz gesagt, zu einer gelungenen Form der Weltbeziehung auf fortschrittliche und friedliche Weise vorbereiten und dazu beitragen. Anders gesagt, es lässt sich ersehen, ob und inwieweit Fähigkeiten und Anlagen angeregt wurden sich zu entfalten, ob die pädagogische Begleitung die Entwicklung erfolgreich mitgesteuert hat und wo noch zu intervenieren ist, um durch Fordern zu fördern.

Wer nur gelernt hat, schwarz und weiß zu unterscheiden, nur richtig und falsch zu kennen, nur in gut oder schlecht zu unterteilen, wer nur Memoriertes abruft oder sich auf auswendig Gelerntes verlässt, ist sicher schlecht darauf vorbereitet, in einer komplexen und mehr und mehr globalisierten Welt in konstruktiver, kreativer, friedlicher Weise an Probleme heranzugehen, geschweige denn sie zu lösen um so Zukunft für alle zu gestalten.

Ein aktuelles Beispiel: In der zentralen Abiturprüfung 2008 des Kosovo, die im Wesentlichen auswendig Gelerntes abfragte, haben auf Anhieb landesweit nur 44,70% die Prüfung bestanden; dabei handelt es sich selbstverständlich um ein Durchschnittsergebnis. Natürlich gibt es auch Schulen, die weit unter oder auch über diesem Ergebnis lagen. Bemerkenswert ist, dass komplexe Zusammenhänge hier nicht gefragt waren.

Geschichte und Kultur prägen also den Bildungsbegriff in erheblicher Weise mit und entscheiden so auch mit über Erfolg oder Misserfolg. Wir sind dem aber keineswegs hilflos ausgeliefert.

Die Vergangenheit können wir zwar nicht ändern, wir können uns aber in der Gegenwart entscheiden, unsere Zukunft zu gestalten oder es sein zu lassen. Wir entscheiden uns also so oder so für einen Begriff von Bildung und damit für die Form unserer Gesellschaft und die Programme unserer Schulen und deren Unterrichtsinhalte und Gestaltung.

Auf eine Entscheidung zu verzichten ist auch eine Entscheidung. Wir bleiben also verantwortlich für das Gelingen oder Misslingen unseres Lebens und damit eben auch unserer Gesellschaft. Machen wir uns die Erde untertan oder lassen wir uns treiben? Es ist unsere Entscheidung. Verantwortlich für unser Leben sind wir, nicht die Anderen!

Der Autor

Walter Happel, geboren am 19. Mai 1945, aufgewachsen in Worms, trat 1966 dem Jesuitenorden bei. Er studierte Philosophie in Pullach bei München, Psychologie in München und Chicago und Theologie in Frankfurt, St. Georgen und Tübingen. Er arbeitete als Seelsorger und Therapeut in Chicago, war von 1978 bis 1986 Hochschulseelsorger in München und von 1986 an Leiter des Kollegs St. Blasien im Schwarzwald. 2003 erhielt er den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zur Möglichkeit der Gründung eines klassischen Gymnasiums im Kosovo zu erstellen. 2003 im Herbst siedelte er nach Prizren um, wo im April 2005 die Grundsteinlegung zum Bau des Loyola-Gymnasiums stattfand, das im September des gleichen Jahres mit dem Unterricht begann. Seitdem fungiert er als dessen Leiter.


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Zusammenfassung der Seite:

Grand Tourisme - Worldwide

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