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Weltwirtschaft Teil 8:
Die Wurzel des Übels: das Kapital
"Who controls the food supply controls the people; who controls the energy can control whole continents; who controls money can control the world." Henry Kissinger
Die Märkte funktionieren nicht mehr!
Kein geringerer als EZB-Präsident Trichet hat das im Interview mit dem Spiegel festgestellt. Dass es so ist, ist nicht weiter verwunderlich. Die Lehren der Ökonomie stehen seit geraumer Zeit auf einer überholten Basis. Karl Marx und die Begründer der Angelsächsischen Wirtschaftswissenschaften sind von einem andauernden Mangel ausgegangen. Diese Annahme liegt bis heute allen Wirtschaftstheorien zugrunde, obwohl für jeden deutlich zu erkennen ist, dass seit einigen Jahrzehnten in den westlichen Industriegesellschaften das Gegenteil der Fall ist.
Es geht nicht mehr darum, eine unendliche Nachfrage nach knappen Gütern zu begrenzen, indem das Angebot nicht von der umlaufenden Geldmenge übertroffen wird. Unter der Annahme des permanenten Mangels hätte jede Vergrößerung des Geldumlaufs eine direkt proportionale Inflation zur Folge. Die Rettungsaktionen für Banken und Versicherungen der letzten Jahre - und jetzt für ganze Staaten – belegen, dass einige Tausend Milliarden an frischem Geld in den Umlauf gepumpt werden können, ohne dass dadurch die Inflationsrate in irgendeiner Weise beeinflusst würde: Die Märkte funktionieren nicht mehr!
Die Basis der Finanztheorien ist überholt
Mit den 60er Jahren beginnend, mit dem Ende des permanenten Mangels in den westlichen Industriestaaten, haben sich in aller Welt freie Kapitalmengen angesammelt, die von keiner dafür vorgesehenen Kontrollinstanz kontrolliert werden können. Die Zentralbanken sind zu zahnlosen Schafen geworden, deren Einfluss auf die Menge des Gelds im täglichen Umlauf gegen Null geht. Das Kapital im Privatbesitz hat sich verselbstständigt, vermehrt sich aus sich selbst heraus und übertrifft mittlerweile die Menge an käuflichen Dingen um das Dreißigfache.
Nach den alten Regeln, den Regeln des Mangels und des Kampfs der einfachen Bürger um das tägliche Überleben, können die Märkte in einer Welt der Sättigung nicht mehr funktionieren. Aber solange die alten Regeln angewendet werden, können die Kapitaleigner von diesen nahezu unendlich profitieren. Die Erkenntnis Trichets ist richtig, lässt jedoch die Forderung nach Konsequenzen vermissen. Nicht nur das, er äußert sich auch nicht darüber, worin er die Ursachen für diesen fatalen Zustand sieht. Man kann sich kaum vorstellen, dass ein Mann mit der Qualifikation Trichets diese nicht kennt und so muss davon ausgegangen werden, dass Trichet sein Wissen vorsätzlich vor der Öffentlichkeit verbirgt.
Neben dem eben beschriebenen Mangel gibt es noch einen fundamentalen Grund, warum das herkömmliche Finanzsystem niemals auf längere Zeit funktionieren kann: das Kapital. Sobald ein Finanzsystem Geld zur Wertaufbewahrung vorsieht, also Kapitalbildung zu diesem Zweck notwendig macht, ist es von vornherein zum Scheitern verdammt. Dass Geld oder Kapital überhaupt nicht zur nachhaltigen Wertaufbewahrung geeignet ist, sollte in diesem Zusammenhang wieder in das Bewusstsein der Menschen verankert werden. Aber Jahrzehnte der Indoktrinierung, die das Gegenteil propagiert hat, sind nicht so einfach zu überwinden, und deshalb werde ich meine Ausführungen im Folgenden wieder mit Grundlegendem beginnen.
Nur die Vergangenheit kann verbraucht werden
Es gibt keine Hypothek auf die Zukunft. Es wird zwar immer wieder von einer solchen gesprochen, aber das ist eine der größten Irreführungen und Lügen unserer Zeit. Alles, was die Menschheit verbrauchen kann, entstammt der Vergangenheit. Nichts, absolut nichts, kann aus der Zukunft entliehen oder gar verbraucht werden. Es ist unmöglich, die Gegenwart mit der Zukunft zu besichern, denn diese existiert noch nicht. Eine Hypothek bedeutet, eine Sicherheitsleistung zu versprechen mit Bezug auf ein Objekt der Vergangenheit. Der Terminus „Hypothek auf die Zukunft“ ist ein Paradoxon.
Die Welt, die Realität, in der wir leben, ist die Summe, die Spitze der Vergangenheit. Die Gegenwart, der kurze Moment des Jetzt, ist das Erleben eines stetig durchlaufenden Systems. Im Jetzt, und nur im Jetzt, kann und muss die Vergangenheit geschaffen werden, die der wünschenswerten Funktionsfähigkeit des nächsten Jetzt die größte Wahrscheinlichkeit gibt. An dieser Aufgabe hat sich der Mensch selbst versündigt und tut es fortlaufend. Er hat Waffen geschaffen, die alles Leben auf dieser Erde auslöschen können. Er hat Hass und Zwietracht gesät. Er hat ein System etabliert, das dem größten Teil der Menschheit die Chance auf ein würdiges Leben versagt.
Die Zukunft ist offen
Das ist die Vergangenheit und damit die kontinuierliche Gegenwart, mit der wir leben müssen. Aber die Menschheit hat die Möglichkeit und die Pflicht, in jedem Moment der Gegenwart der bestehenden, unveränderlichen Vergangenheit eine neue und bessere Vergangenheit anzufügen. Nichts, außer der Vergangenheit, ist unveränderlich. Niemand darf sich in sein vermeintliches Schicksal ergeben. Die Welt und ihre Geschichte haben die erstaunlichsten Wandlungen erlebt und viele davon sind unerwartet eingetreten. Deswegen muss die Starre der modernen Zeit überwunden werden, die vieles, zu vieles, als unveränderlich, geradezu gottgegeben, annimmt und annehmen will. Noch niemals hat es eine Zeit wie heute gegeben, in der die Menschheit versucht hat, größere Veränderungen zu verhindern, obwohl eben diese von breiten Schichten als notwendig erkannt werden. Das Finanzsystem steht hier an erster Stelle. Es ist kein Naturgesetz, sondern von gierigen, machthungrigen Menschen aus niederen Beweggründen erdacht worden.
Kapital macht Dauerhaftigkeit unmöglich
Das größte Übel des geltenden Finanzsystems ist das Kapital. Es ist die Pervertierung eines notwendigen Instruments, des Gelds, weg von seiner eigentlichen Aufgabe zu einem Mittel, das jeglichen Bezug zur Realität verloren hat. Das Geld ist zu einem Gott geworden. Es ist soweit verselbstständigt worden, dass es sich eigenständig vermehren kann und mehr als 15 % des Einkommens eines ganzen Staats aus dem Nichts generieren kann. Großbritannien sei hier als Beispiel genannt. Die ungeheuerlichen Kapitalmengen dieser Welt dienen der unrechtmäßigen Bereicherung einer kleinen Elite, die mit diesem Instrument die Welt beherrscht und ausbeutet. Schlimmer noch, wird mit diesem Kapital der Versuch unternommen, eben doch der Zukunft eine Hypothek aufzubürden.
Mit raffinierten, undurchschaubaren Methoden sind Schuldenberge aufgetürmt worden, die zukünftige Generationen zu Zahlungen an eine Elite verpflichten sollen und den Gläubigern das Recht auf ein Wohlleben auf Kosten der breiten Masse sichern sollen. Wer Kapital einmal besitzt, kann sich wegen der wundersamen Vermehrung desselben zurücklehnen und Luxus genießen. Er muss nur seine Zinsen kassieren und darauf hoffen, dass seine Vasallen in den Regierungen die Regeln weiter zu seinen Gunsten verbessern. Damit dabei nichts schief geht und die Menschen nicht aufwachen und protestieren, beschäftigen die Kapitaleigner eine Heerschar von Meinungsmachern – oder besser Kontrolleuren – viele davon nennt man völlig zu Unrecht Journalisten. In der Art und mit der Intensität einer Religion werden die Regeln für den Machterhalt des Kapitals gelehrt und verteidigt. Nur den willfährigen Dienern dieses Glaubens wird Zugang zu den höheren Weihen, einem exorbitanten Einkommen, gewährt.
Alle diese Zustände, die in den letzten Jahren nicht mehr übersehen werden können, haben eine Ursache: Die Möglichkeit, Geld beliebig zu kreieren und anzuhäufen. Aber nachdem jetzt deutlich geworden ist, dass das System, das das 20. Jahrhundert beherrscht hat, an seinen Grenzen angekommen ist, darf nicht wieder der untaugliche Versuch gestartet werden, dieses System zu retten. Ein Neustart ist fällig. Dieser muss so ausfallen, dass das Grundübel ausgeschaltet wird. Dazu kann es nur einen Weg geben: Jegliche Kapitalbildung im klassischen Sinn muss unnötig und ausgeschlossen sein.
Geld ist irreal
Geld in allen seinen Formen ist irreal. Es ist nichts anderes als eine Konvention, ein Vertrag oder auch ein Versprechen. Selbst Bargeld in seiner haptischen Form erhält seinen Wert erst durch die allgemeine Anerkennung als Tauschmittel. Wird diese versagt, ist es zu nichts zu gebrauchen. Geld ist ein in Münzen und Scheine gefasster Vertrag. Ein Vertrag, für eine bestimmte Menge Geld einen definierten Gegenwert zu garantieren. Geld steht in keinem Zusammenhang mit irgendwelchen Naturgesetzen. Es ist ein Hilfsmittel gegen die Vergesslichkeit. Es dokumentiert, dass Arbeit oder Waren seinen Nutznießer gewechselt haben und dass eine Rückvergütung ansteht.
Kapital ist also eine große Ansammlung von Versprechen. Es ist die Ansammlung von Verträgen über einen Anspruch auf Arbeitsleistung. Damit sollte ausgeschlossen sein, dass es sich aus sich selbst heraus vermehren kann. Ein Versprechen ist klar definiert und kann vom Empfänger nicht ausgeweitet werden. Es kann auch nicht mit der Zeit größer werden. Wenn jemand einem anderen etwas verspricht, dann muss er sein Versprechen einhalten. Mehr nicht. Es wäre paradox, wenn ein Versprechen durch verstrichene Zeit an Umfang gewinnen könnte. Niemand würde ohne Zwang unter solchen Bedingungen ein Versprechen abgeben.
Um zu verdeutlichen, warum der Austausch von Geld oder die Kreditwirtschaft ein Versprechen ist, setze ich folgendes Beispiel: Wenn jemand einen Kredit aufnimmt, muss er versprechen diesen zurückzuzahlen. Sonst bekommt er ihn nicht. Er verspricht also, in Zukunft von seiner Arbeit oder von seinen Gütern soviel an den Kreditgeber abzugeben, bis seine Schuld getilgt ist. Der moralische Verfall und der geringe Wert von Ehre und Zuverlässigkeit haben es bedingt, dass ein Instrument geschaffen werden musste, das die Wahrscheinlichkeit auf Rückzahlung erhöht. Die Zinsen. Diese können aber noch aus einem anderen Aspekt begründet werden.
Wenn jemand einem anderen Geld leiht, dann gestattet er diesem im weiteren Sinn die Nutzung seiner bereits erworbenen Güter. Dafür darf er eine fortlaufende Gebühr erheben. In der komplexen Abstrahierung einer großen Gesellschaft findet das in Form von Zinsen statt und ist in diesem Sinn von dem Versprechen auf Rückzahlung abgekoppelt. Das ist soweit in Ordnung. Es ist allerdings nicht mehr vertretbar, wenn ein anderer, ein Zwischenhändler, unabhängig vom Umfang seiner Leistung den Löwenanteil davon einkassiert. Ich meine damit die Banken, deren Aufwand zur Beurteilung von Kreditwürdigkeit nur geringfügig in Zusammenhang mit dem möglichen Ertrag steht. Dieser hängt vor allem von der Höhe des Kredits ab.
Ohne Geld geht es nicht
Jede Volkswirtschaft benötigt ein abstraktes Zahlungsmittel um den komplexen Ablauf des Warenaustauschs abwickeln zu können. Geld. Dieses Geld muss einen festen Wert haben und darf auf keinen Fall beliebig vermehrbar oder gar herstellbar sein. Es muss jederzeit in einer nachvollziehbaren und vernünftigen Relation zu der Menge an verfügbaren Handelsgütern stehen. Dieser Grundsatz ist unter Volkswirtschaftlern unumstritten und zeigt, konsequent angewendet, das Problem auf, das die Bildung von Kapital bedingt.
Kapitalbildung verursacht Inflation
Nehmen wir den Zustand eins: Geld und verfügbare Handelsgüter stehen in einem ausgewogenen Verhältnis. Alles ist in Ordnung und der reibungslose Austausch ist gewährleistet. Von dem Moment an, zu dem Geld aus dieser in seiner Größe korrekten Menge von irgendjemandem zur Seite gelegt wird, fehlt es dem Umlauf. Wenn also Geld unter dem Kopfkissen versteckt wird, als Reserve für die Zukunft, wird es dem Umlauf entzogen. Dieser Umstand würde bedeuten, dass jetzt zu wenig Geld im Umlauf ist, um alle verfügbaren Handelsgüter austauschen zu können. Das darf nicht passieren und so muss zwangsläufig die gesamte Geldmenge erhöht werden, und zwar in Höhe des zurückgelegten Gelds. Irgendjemand muss Geld aus dem Nichts erschaffen und es dem Umlauf zuführen. Nachdem das passiert ist, gibt es allerdings ein Problem. Jetzt gibt es mehr Geld als Handelsgüter.
Solange die zurückgelegten Reserven nicht mobilisiert werden, bleibt dieses Problem unsichtbar. Das widerspricht aber dem Sinn von Rücklagen. Sie sind dafür da, eines Tages benutzt zu werden. Das passiert zum Beispiel dann, wenn jemand verstirbt und die Erben die gehorteten Rücklagen für ihre Bedürfnisse verwenden oder wenn eine Lebensversicherung ausbezahlt wird. Egal wie, immer sobald Reserven in Form von Geld mobilisiert werden, kommt das Gleichgewicht von Geld im Umlauf und den verfügbaren Handelsgütern durcheinander. Es kann keinen anderen Zustand geben, solange es möglich ist, Reserven in Form von Geld anzulegen. Dann ist es unmöglich, ein stabiles und zuverlässig planbares System zu haben. Zu viele unbeherrschbare Parameter wirken sich aus.
Geld aus dem Nichts
Dazu kommt, dass es ein grundsätzlich zweifelhafter Vorgang ist, wenn Geld einfach aus dem Nichts geschaffen wird. Dieses kann gar nicht werthaltig sein, denn es kann keinen realen Gegenwert haben. So aber funktioniert das aktuelle System. Die einzige Möglichkeit dem bestehenden, kranken System eine etwas längere Beständigkeit zu geben, ist Inflation. Diese korrigiert den Wert des verfügbaren Gelds nach unten in Richtung der Menge an Handelsgütern. Damit wird das gesamte System aber immer komplizierter und verlangt nach immer neuen Reformen und Regeln. Zudem ist es verdammt zu stetem Wachstum und Blasenbildung. Gleichzeitig wird es undurchschaubarer und öffnet dadurch Tür und Tor für immer dreisteren Betrug. Der Beginn des 21. Jahrhunderts beweist das.
Kapital ist vergänglich
Gesammeltes Geld wird üblicherweise als Kapital bezeichnet. Aber was nutzt Kapital auf Dauer, wenn seine Werthaltigkeit nicht garantiert werden kann? Im aktuellen System kann die Werthaltigkeit von Kapital nicht garantiert sein. Allein die Inflation spricht dagegen. Selbst wenn es die nicht gäbe, ist da immer noch das Problem, dass alles Kapital dieser Welt aus Geld besteht, das aus dem Nichts geschaffen worden ist. Deswegen kann es nur solange etwas wert sein, wie sich alle Beteiligten an die mehr oder weniger sinnvollen Regeln halten. Aber es ist abzusehen, dass das nicht ewig so sein wird. Die Gegenwart, die Finanzkrise, hat gezeigt, dass sich selbst die Profiteure des Systems nicht mehr an ihre eigenen Regeln halten und den Staat zu Hilfe rufen, um ihre Pfründe zu schützen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Wahnsinn erkannt und nicht mehr gestützt wird; wann die junge Generation ihr Schuldenerbe einfach ausschlägt, nicht mehr zahlt, was an Schulden ohne ihre Zustimmung aber in ihrem Namen angehäuft worden ist: Das wäre die endgültige, allen zum Nutzen gereichende Geldentwertung.
Über dem Ganzen muss noch eine andere Überlegung stehen. Alles von Menschenhand Geschaffene, das auf dieser Welt existiert, ist das Produkt der Zusammenarbeit aller Menschen. Es existiert bereits, denn es kann nur in der Vergangenheit hergestellt worden sein. Es ist ausreichend für das mehr oder weniger komfortable Überleben der Menschheit, aber es muss kontinuierlich erneuert werden. Insbesondere verderbliche Güter wie Lebensmittel müssen jeden Tag aufs neue hergestellt werden. Jeder neue Tag beweist uns, dass die Arbeit, die für diesen Vorgang geleistet wird, mehr als ausreichend aber absolut notwendig ist. Dieser Teil des Systems funktioniert also, wenngleich aber die Bewertung der Arbeitsleistung oftmals ungerecht erscheinen muss.
Krisen ohne reale Ursachen
Plötzlich gibt es eine Krise, die die unterschiedlichsten Namen zugeordnet bekommt. Arbeitsplätze gehen verloren, weil der Austausch von Waren ins Stocken geraten ist. Das kann zwei Gründe haben. Zum einen ist es denkbar, dass an diesen Arbeitsplätzen Dinge produziert worden sind, für die es keinen Bedarf gibt. In diesem Fall ist es sinnvoll, diese Arbeit einzustellen. Es gibt kein Problem, denn es wird kein Mangel entstehen und die freigestellten Arbeiter können sich einer gefragteren Tätigkeit zuwenden. Dieser Fall ist aber eher unwahrscheinlich und so kommt der zweite Grund in den Fokus: Der Geldumlauf ist gestört. Alle Wirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts hatten diese Ursache. Besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als generell eher Mangel als Überfluss herrschte, ist es offensichtlich, dass Arbeitslosigkeit immer durch eine Störung im Geldumlauf verursacht worden ist. Es hätte jederzeit genug zu tun gegeben, um die Versorgung der Menschen mit dem Notwendigsten sicherzustellen. Der Grund dafür, dass Menschen daran gehindert worden sind, einer sinnvollen Tätigkeit gegen angemessene Entlohnung nachzugehen, kann nur in dem untauglichen Finanzsystem gelegen haben.
Damals war das eindeutig erkennbar. Heute ist es schwieriger geworden, diese Zuordnung eindeutig zu treffen. Tatsächlich hat sich aber nichts geändert. Nur wird es durch den Überfluss verschleiert. Tatsache ist, solange nicht Produkte auf großen Halden lagern, weil sie einfach nicht gebraucht werden, werden sie eben gebraucht. Nachdem es diese Halden nicht gibt, ist der Nachweis erbracht, dass keine unnütze Arbeit geleistet wird. Im Gegenteil muss festgestellt werden, dass viel mehr sinnvolle Arbeit geleistet werden könnte, wenn zum Beispiel die Infrastruktur in optimalem Zustand erhalten werden sollte. Diese Arbeiten können nicht geleistet werden, weil Geld fehlt. Das ist paradox, denn auch die Menschen, die keiner Arbeit nachgehen dürfen, müssen leben. Das heißt, sie haben einen ganz normalen Verbrauch für ihre Lebensbedürfnisse. Nur arbeiten dürfen sie nicht, weil kein Geld da ist. Für die Gesamtmenge des Verbrauchs einer Gesellschaft an lebenswichtigen Produkten ändert sich fast nichts, ob ein Teil der Bevölkerung ohne Arbeit durchgefüttert wird oder einer sinnvollen Tätigkeit nachgeht.
Arbeit: zuviel und zu wenig
Wenn im Interesse des Wohlergehens der gesamten Gesellschaft gehandelt werden soll, kann es nicht sinnvoll sein, die Belastung derjenigen, die Arbeit haben, zu erhöhen, solange es auch nur einen einzigen Arbeitslosen gibt. Erst dann, wenn es einen Bedarf an Arbeitsleistung gibt, der nicht durch die Beschäftigung Arbeitsloser gedeckt werden kann, darf über die Ausweitung der Leistungsanforderung für den einzelnen nachgedacht werden. Das gilt jedenfalls solange das Wohlergehen jedes einzelnen Menschen das vorrangige Ziel einer Gesellschaft ist. Es kann nicht funktionieren, wenn die Gier und die Sucht nach Macht einer Elite die Regeln einer Gesellschaft bestimmen, wenn Profit und individuelle Bereicherung das Maß der Dinge sind.
Um noch einmal zu verdeutlichen, zu welch widersinnigen Zuständen das gültige Finanzsystem geführt hat, betrachte man die Gegenwart. Eigentlich funktioniert in Deutschland alles ziemlich gut. Die Menschen sind mit allen Grundbedürfnissen versorgt. Sie genießen eine umfassende medizinische Versorgung und können sich in öffentlichen Bädern delektieren. Die Infrastruktur ist in einem akzeptablen Zustand und die Kinder können sich der Menge an Spielzeug kaum erwehren. Es fehlt an (fast) nichts – außer am Geld! Überall muss gespart werden. Sparen meint: Arbeiten, die bis jetzt zum Allgemeinwohl durchgeführt worden sind, dürfen in Zukunft nicht mehr durchgeführt werden, weil sie nicht bezahlt werden können. Öffentliche Bäder werden geschlossen und die Infrastruktur verfällt.
Dieser paradoxe Ablauf muss durchdacht werden, damit der ganze Wahnsinn zutage kommt. Der Zustand ist: Bis jetzt, also in der Vergangenheit, ist eine Menge an Arbeit geleistet worden, die selbstverständlich verbraucht worden ist. Diese war offensichtlich gewünscht, wenn nicht notwendig. Sie sollte auch in Zukunft geleistet werden, denn wir brauchen sie, um den Zustand zu erhalten, den wir bis jetzt genossen haben. Das soll aber von jetzt an nicht mehr möglich sein, weil das Geld fehlt, sie zu bezahlen. Wohlgemerkt, es liegt nicht daran, dass die Arbeitskräfte nicht zur Verfügung stünden. Ein Teil der Bevölkerung wird zum Nichtstun verdammt. Auf der anderen Seite ist Geld da, dieses Nichtstun zu bezahlen – Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Es ist offensichtlich, dass dieser Zustand paradox ist.
Das Geld ist falsch verteilt.
Mit verteilt meine ich nicht den Besitzstand von Individuen, sondern den Umlauf. Es ist zu wenig Geld im Umlauf und zu viel davon wird in irgendwelchen Kapitalformen dem Umlauf entzogen. Das ist leicht erkennbar, denn grundsätzlich ist Geld im Überfluss vorhanden. Folgende Feststellung trifft den Kern: Es fehlt überall an Geld, außer bei den Kapitaleignern. Diese wissen gar nicht wohin damit, soviel haben sie eingesammelt und damit dem Umlauf entzogen. In den Umlauf zurückgeben wollen sie es aber eher nicht, denn dort lässt es sich nicht aus sich selbst heraus mit irrsinnigen Renditen vermehren. Zudem belastet das angesammelte Kapital den Umlauf, denn aus diesem heraus müssen Zinszahlungen geleistet werden. Diese sind dadurch entstanden, dass das beiseite gelegte Kapital dem Umlauf fehlt und gegen Zinsen wieder zurückgeliehen werden muss, damit halbwegs genügend Geld im Umlauf ist. Ein Teufelskreis, denn sobald einmal Schulden aufgenommen worden sind, ist es in diesem System generell unmöglich, jemals wieder schuldenfrei zu werden.
Schulden auf ewig
Dadurch, dass die Schulden an die Kapitaleigner niemals getilgt werden können, kann das dem Umlauf entzogene Kapital nur noch wachsen. Und zwar mindestens um die Zinsen, denn diese müssen wiederum aus dem Umlauf bezahlt werden und sind diesem damit entzogen. Mathematisch betrachtet ist das ein exponentieller Vorgang, der in ansteigender Kurve damit enden muss, dass nur noch Geld im Umlauf ist, für das an die Kapitaleigner Zinsen bezahlt werden müssen. Die Kapitaleigner und ihre Erben können die Hände in den Schoss legen, denn ihr Einkommen ist durch die Zinszahlungen gesichert. Um diesen Zustand zu erreichen, haben sie nichts anderes tun müssen, als einmal etwas Kapital beiseite zu legen.
Natürlich ist dieser Vorgang in der Praxis komplexer. Es gehen hier Faktoren ein wie Inflation und Geldmengenvermehrung. Das ändert aber nichts an seiner grundsätzlichen Gültigkeit. Es verschleiert nur, wie untauglich jedes System sein muss, das die Möglichkeit zur Kapitalbildung zur Grundlage hat.
Dennoch muss die Möglichkeit gegeben sein, stabile Rücklagen zu bilden. Dass das ohne Kapitalbildung möglich ist, werde ich im nächsten Teil ausführen.
Gleich weiter zu Teil 9:
Finanzwirtschaft - ein Oxymoron!
Zurück zu Teil 1: Schulden, mal nicht abstrakt
Zurück zu Teil 2: Wie viel Schulden kann ein Staat haben?
Zurück zu Teil 3: Die Deutschen - Kellner der Welt. Oder die Deppen?
Zurück zu Teil 4: Privatisierung und Wettbewerb – Sinn und Unsinn
Zurück zu Teil 5: Wie viel Luxus wollen wir uns leisten?
Zurück zu Teil 6: Kostenloses Privatfernsehen bezahlen alle
























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