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Krieg gegen Iran – macht die Welt wirklich mit?

Hintergründe in einem Kommentar von Peter Haisenko
24.01.2012

Um die Kriegsvorbereitungen gegen Iran besser verstehen zu können, ist es hilfreich, einen Blick in die Geschichte zu werfen. Pearl Harbour. Offiziell hat Japan die USA angegriffen. Heute herrscht allerdings weitgehende Einigkeit unter Historikern, dass die USA an der Seite ihres britischen Verbündeten Japan so lange mit Embargos und anderen Finanzkriegswaffen in die Enge getrieben hat, bis Japan fast nicht mehr anders konnte, als die USA mit realen Waffen anzugreifen. Wir wissen, wie das ausgegangen ist – Hiroschima und Nagasaki.  

Als Persien noch nicht Iran hieß, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, war Persien auf dem besten Weg zu einer geradezu musterhaften Demokratie. Allerdings machte die demokratisch legitimierte Regierung Mossadegh den fatalen Fehler zu glauben, eine Demokratie könnte eigenständige Entscheidungen zum Wohl ihres eigenen Volks treffen, und das auch noch gegen die imperialen Interessen des angloamerikanischen Kapitals. Es ging um Öl. Dazu hier ein kurzer Auszug aus meinem Buch Öffnet internen Link im aktuellen Fenster„England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“:  

„Ein letztes Mal haben die USA eindeutig für die Interessen Englands gehandelt, als auf Bitten Englands der CIA in Persien den Umsturz der demokratisch gewählten Regierung Mossadegh erreichte. Das begann 1952, nachdem die Regierung Mossadegh die Anglo-Iranian Oil Company verstaatlicht hatte. Dazu sollte man wissen, dass sich England die Besitzrechte an dieser Company 1941 in einem piratischen Akt angeeignet hatte. 1941 hatte England in Zusammenarbeit mit der UdSSR den Westteil Persiens besetzt. Persien war damals ein neutraler, souveräner Staat und die Besetzung eindeutig völkerrechtswidrig. Aber darüber wurde in der Welt nicht gesprochen. Man war ja genügend beschäftigt, über die Verbrechen Deutschlands zu urteilen. Da musste man sich mit solchen Nebensächlichkeiten wie englischen Völkerrechtsverletzungen im arabischen Raum nicht zusätzlich belasten.  

Die von England diktierten Verträge bezüglich der Anglo-Iranian Oil Company wären es Wert gewesen, von einem internationalen Gerichtshof betrachtet zu werden. Sahen sie doch vor, dass Persien aus den Gewinnen dieser Company weniger zufloss, als in England an Steuern anfiel. So war es nur das gute Recht einer demokratisch gewählten Regierung, dieses gewaltsam herbeigeführte Unrecht zu revidieren. Das passte den Engländern natürlich nicht. Allein waren sie aber nicht in der Lage, etwas Wirksames zu erreichen. Also wurden, nach altem Muster, die USA zu Hilfe gerufen. Und die handelten prompt. Mit Intrige, Gewalt und Drohungen gelang es der CIA innerhalb eines Jahres, Persien von seiner demokratisch gewählten Regierung zu „befreien“ und ihren Vasallen, einen Herrn Zahedi, an die Macht zu bringen. Die Welt war wieder in Ordnung. England hatte seine Rechte über das Öl zurück und Persien hatte eine Regierung, die für absehbare Zeit Amerika-freundlich sein würde. Das ganze hatte nur einen Haken: es entsprach ausschließlich dem Willen der Engländer und Amerikaner, nicht dem des persischen Volks. Damit wurde 1953 durch die skrupellose Vorgehensweise im Interesse des englischen Kapitals der Ausgangspunkt für die weitere fatale Entwicklung in Persien geschaffen. Wieder einmal wurde die friedliche Entwicklung eines Landes auf Dauer zerstört; zu Gunsten einer kurzsichtigen imperialen Politik.“  

Heutzutage wird der Fakt vollkommen ignoriert, dass der Iran hauptsächlich deswegen ein islamischer Gottesstaat geworden ist, weil der „Weltpolizist“ USA aus wirtschaftlichen und machtpolitischen Motiven eine eigenständige, unabhängige und positive Entwicklung zerstört hat. Jetzt ist es aber nun mal so, wie es eben ist. Iran mit seinem Öl und seiner uralten Kultur ist der wesentliche Machtfaktor im Mittleren Osten und der ist – aus bitterer Erfahrung – keinesfalls amerika-freundlich. Es spielt keine Rolle, ob Ahmadinedschad sympathisch erscheint. Sein „Fehler“, der den Iran kontinuierlich ins Schussfeld der USA bringt, ist, dass er eine Politik verfolgt, die sich den Interessen der USA nicht unterordnet.  

Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und seine diesbezügliche Vertragstreue niemals in Frage gestellt. Damit befindet sich der Iran völkerrechtlich gesehen im selben Zustand wie Deutschland oder jedes andere Industrieland, das die Kernkraft friedlich nutzt. Iran selbst beteuert immer wieder, dass es nicht die Absicht hat, eine Atombombe zu bauen, sich also an seine Zusicherungen bezüglich des Atomwaffensperrvertrags zu halten. Darf man das glauben? Ja und nein. Auch für den Iran muss zunächst die Unschuldsvermutung gelten dürfen.  

Die jüngsten Sanktionen gegen Iran sind offener Finanz- und Wirtschaftskrieg. Sie werden begründet mit der Weigerung Irans, peinlich demütigende Kontrollen der IAEA nicht ohne Protest über sich ergehen zu lassen. Kein Land der Welt würde unter diesen Umständen anders handeln, wenn es auch nur einen Funken von Selbstachtung erhalten wollte. Zudem hat sich vor den Küsten Irans eine aggressive Streitmacht aufgestellt, die in früheren Zeiten als solche schon einer Kriegserklärung gleichgekommen wäre. Der Iran wird in eine Position getrieben, die zum reinen Selbstschutz dazu führen könnte, dass für den Iran der Bau einer Atombombe unumgänglich wird. Aber – sie können es (noch) nicht.  

Was bleibt dem Iran also? Irgendwie muss er sich ja der hegemonialen Aggressionen erwehren. Vergessen wir nicht, dass die Hatz auf den Iran in die heiße Phase getrieben worden ist, nach der Ankündigung, Öl nur noch gegen Euro zu verkaufen. Auch wenn diese (durchaus sehr vernünftige) Maßnahme zurückgestellt worden ist, bleibt für die USA dieses Damoklesschwert für den Bestand seines Dollarimperiums bestehen. Besonders pervers empfinde ich, dass ausgerechnet die Euro-Staaten, die selbst unter massivem Angriff des Dollarraums stehen, mit ihren jüngsten Sanktionen das Geschäft ihres eigenen Aggressors betreiben.  

Betrachten wir die Position Irans.  

Eingekreist von den Armeen der USA: Diese stehen in Afghanistan, Kirgisien, Irak und der gesamten arabischen Halbinsel. Die US-Navy beansprucht den arabischen Golf mit arroganter Selbstverständlichkeit als ihr „rechtmäßiges“ Aufmarschgebiet. Zum Vergleich: Was wäre gewesen, hätte die UdSSR eine derartige Kriegsmaschinerie in der Nordsee aufmarschieren lassen? Iran muss sich bedroht fühlen und dieses Gefühl entspricht der Realität. Wie kann man es dem Iran verdenken, wenn er seine einzig wirksame Karte auf den Tisch legt und mit der Sperrung der Straße von Hormus droht?  

Obwohl diese Drohung durchaus eine ernste Gefahr für den Bestand der gesamten Weltwirtschaft bedeutet, ist es keine konkrete Kriegerklärung.  

Dagegen die USA: Sie drohen Iran offen mit einem Aggressionskrieg für den Fall der Sperrung dieser lebenswichtigen Ölader und verlegen bereits weitere Schiffe in die Gewässer um Iran. Nicht zu vergessen die Wirtschaftskriegserklärung, die nicht einmal Halt macht vor der finanziellen Isolierung der iranischen Zentralbank. Auch an dieser Stelle sollte man wieder an Pearl Harbour denken. Oder auch an Suez. Auch Ägypten, damals die führende arabische Nation, wurde mit finanzieller Isolation in den Suez-Krieg, und damit ins Verderben getrieben.  

Iran steht mit dem Rücken zur Wand, aber es ist eine Patt-Situation. Mit seinen Raketen kann der Iran im Fall eines Angriffs der USA die gesamte Ölindustrie des arabischen Golfs in ein Inferno verwandeln. Dafür benötigt der Iran keine Atombomben. Sogar die Flugzeugträger der USA sind durch iranische Raketen in ernsthafter Gefahr. Ein Krieg gegen den Iran wird kein Spaziergang und gerade Deutschland täte gut daran, schnellstens sämtliche Sanktionen gegen den Iran aufzuheben. Iran darf nicht weiter in die Enge getrieben werden, weil erst das die wahre Kriegsgefahr heraufbeschwört.  

Weder Deutschland noch die USA werden von Iran bedroht. Die Darstellung in den (vom westlichen Geld beherrschten) Medien verkehrt Ursache und Wirkung. In bekannt geschickter Weise wird Iran dämonisiert, obwohl Iran nur reagiert. Hätte Iran kein Öl, würde sich niemand für dieses Land interessieren.  

Oder anders: Hätten die USA eine positive Außenhandelsbilanz, könnten sie ihr bitter benötigtes Öl einfach bezahlen.  

Aber genau das können sie auf Dauer gesehen eben nicht. Sobald die Dollar-Luftblase geplatzt ist, können sie ihre Ölrechnung nicht mehr bezahlen. Hier liegt der Grund für die Politik gegen den Iran und es ist mir unverständlich, wie Länder wie Deutschland, die dieses Problem nicht haben, an der Seite der USA gegen den Iran stehen.  

Ich habe Persien seit 1976 bereist. Immer wieder. Ich habe noch den Luxus unter dem Schah erlebt und kenne den Kontrast nach Ajatollah Khomeini. Ich mag den heutigen Iran überhaupt nicht. Die arrogant heuchlerische Bigotterie des Mullahregimes stößt mich zutiefst ab. Das darf mich aber nicht davon abhalten, die Situation Irans vorbehaltlos zu betrachten.  

Ich bin überzeugt, dass der Iran schnell eine freiheitliche Entwicklung nehmen würde, wenn den Menschen dort bessere wirtschaftliche Bedingungen zugestanden würden. Aber genau das wird mit den willkürlichen Sanktionen verhindert. Der russische Außenminister Lawrow hat das erkannt und den Westen ermahnt, den Iran nicht noch weiter in die Enge zu treiben. Auch er sieht die Gefahr, dass der Iran irgendwann zu einer Dummheit getrieben werden soll, die dann zum „moralisch einwandfreien“ Kriegsgrund gegen Iran werden wird – siehe Pearl Harbour oder Irak (1990).  

Das Problem der Welt ist nicht der Iran oder Israel. Oder Afghanistan oder Irak. Das Problem ist die wirtschaftliche Inkompetenz des Dollarraums.  

Die Regierung der USA weiß ganz genau, dass die USA im Chaos eines wirtschaftlichen Niedergangs versinken werden, sobald sie gezwungen sind, ihre Importe mit realen Gütern zu begleichen. Wie das British Empire vor hundert Jahren, so sehen sich die USA heute gezwungen, ihre Macht und ihren (unverdienten) Wohlstand mit ihrer überdimensionierten Kriegsmaschinerie zu erhalten.  

Wie damals ist jedes Mittel recht, eben auch Krieg, der in bekannt geschickter Weise vor der Welt mit Desinformation und glatten Lügen gerechtfertigt werden soll – siehe Irak (2003). Dazu gehört auch der Krieg gegen den Euro. Die USA befinden sich in einer verzweifelten Lage – wie das British Empire vor 100 Jahren. Aber, genau wie damals, sehen sich die USA nicht in der Lage, ihr Militär zu Gunsten der Wirtschaft zu reduzieren.  

Für wie dumm muss der amerikanische „Verteidigungsminister“ Panetta die Welt halten, wenn er behauptet, die USA wären in Gefahr, wenn sie ihr Militär reduzierten? Niemand wird die USA militärisch angreifen. Welchen Sinn könnte es haben, ein derart marodes Land erobern zu wollen? Auch Panetta verkehrt die Realität ins Gegenteil. Die USA werden wenig und immer weniger geliebt, weil sie die Welt mit Krieg und Verderben überziehen, anstatt die notwendigen Reformen in ihrem eigenen Land endlich anzugreifen.  

Liebe Deutsche, liebe Europäer, lasst euch nicht schon wieder vom angelsächsischen Kapital in ein Kriegsabenteuer hineinziehen, das letztlich nur gegen unsere ureigensten Interessen sein kann. Krieg kann nur zerstören. Ein neuer Vasall wird eingesetzt – und wieder durch Krieg beseitigt, sobald er auf Volkes Stimme hört. Und wieder und wieder werden es die USA sein, deren Heimatland keine Zerstörungen durch ihre Kriege erleiden muss – und die folglich auch überhaupt keine Rücksicht auf den Willen von Menschen, wo auch immer, nehmen.  

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Lesen Sie dazu auch Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeltbankbericht empfiehlt, auf den Stärken des europäischen Wachstumsmodells aufzubauen

Leon Panetta, der amerikanische Verteidigungsminister sagt, Iran baut keine Atomwaffen. Öffnet externen Link in neuem FensterLink zum Artikel mit Video

Soll die USS Enterprise im arabischen Golf versenkt werden?

Von Peter Haisenko
30.01.2012

Der Gedanke erscheint ungeheuerlich: Könnte es sein, dass die USA viel Geld sparen wollen und gleichzeitig einen Kriegsgrund gegen Iran erhalten? Fakt ist: Die USS Enterprise, gebaut 1961, soll nächstes Jahr abgewrackt werden. Das wird sehr teuer und aufwendig, denn die USS Enterprise hat nicht weniger als acht Atomreaktoren an Bord. Die USS Enterprise befindet sich auf dem Weg in den arabischen Golf, also in die Gewässer vor Iran. Gleichzeitig sind drei Israelische U-Boote aus deutscher Produktion auf demselben Weg.

Diese besonders schwer zu ortenden U-Boote sind durchaus in der Lage, einen Flugzeugträger zu versenken, ohne erkannt zu werden. Wenn man sich jetzt an diverse Vorfälle der Vergangenheit erinnert, dann könnte der Verdacht aufkommen, dass auch gegen Iran nach altbewährtem Muster ein Kriegsgrund hergestellt werden soll. Pearl Harbour, Tonkin (Vietnam), die USS Liberty vor dem Gaza-Streifen (1967). Es wäre also nicht die erste Operation der USA unter „falscher Flagge“ und in diesem Fall wäre der Nutzen für die USA doppelt – es kostet nichts, wenn die USS Enterprise am Grund des arabischen Golf verrottet, mit den Reaktoren.

Ich halte es für wichtig, diesen ungeheuerlichen Gedanken zu diskutieren, so breit wie möglich, denn nur dadurch könnte verhindert werden, dass es tatsächlich so weit kommt. Sehen Sie dazu auch diesenÖffnet externen Link in neuem Fenster Link mit Video an.


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