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Judith und ihr Mann, Buchautor Soenke Roever.

Wegen der Piraterie vor Somalia segeln Judith und Soenke Roever ums Kap der Guten Hoffnung statt durch den Suezkanal zurück nach Europa. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiter

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Weltwirtschaft Teil 10
Inflation - wie geht das?

Von Peter Haisenko
12.06.2010

Für eine Inflation nach klassischem Muster bedarf es nur zweier Vorraussetzungen: Die Bürger leiden Mangel und es ist mehr Geld im Umlauf, als es Waren zu kaufen gibt. Die Folge ist einfach: Die Nachfrage übersteigt das Angebot und die Verkäufer steigern die Preise, bis die Angebotsmenge wieder der verfügbaren Geldmenge entspricht. Ende des Vorgangs. Es sei denn, es wird weiterhin Geld in den Umlauf gepumpt – dann findet der Vorgang kein Ende und die Menschen lernen, wie viele Nullen eine Trilliarde hat. Siehe 1923.

Dieser klassische Ablauf einer Inflation wird in den modernen Industriegesellschaften nicht mehr stattfinden. Nicht dass es an überschüssigem Geld fehlen würde – es fehlt der stringente Mangel. Gleichgültig wie hoch oder in welchem Bereich eine zusätzliche Nachfrage entstehen könnte, die Industrie wird sie in jedem Fall mehr als befriedigen können. Dennoch würde auch heute eine Inflation in gewisser Weise klassischen Abläufen folgen. Es wird nur nicht mehr so klar erkennbar sein, wo die Henne und wo das Ei ist. In jedem Fall werden sich Preise und Löhne gegenseitig in die Höhe treiben. Und damit bin ich schon bei dem eigentlich ganz einfachen Mechanismus jeder Inflation.

Löhne müssen den Preisen folgen

Aus irgendeinem Grund steigen die Preise. In der globalisierten Welt kann zum Beispiel eine Wechselkursverschiebung der Auslöser sein. Der Euro fällt und die Preise für Importe müssen steigen. Auch eine Veränderung der Steuerstruktur kann höhere Preise bedingen, genauso wie Lohnerhöhungen. Hier wird der Teufelskreis schon sichtbar: Die Preise steigen und in der Folge müssen die Löhne steigen – oder eben anders herum. Es ist gleichgültig, wo der Anfang gemacht worden ist und es ist der Ablauf, an den sich die Welt seit vielen Jahrzehnten gewöhnt hat. Nur eben in kleinen Schritten, die Jahr für Jahr im einstelligen Prozentbereich liegen. Das nennt man eine kontrollierte Inflation.

Bei jeder Inflation müssen die Löhne den Preisen folgen. Würden sie das nicht tun, käme die Wirtschaft in kürzester Zeit zum Erliegen, denn die Bürger könnten sonst die teureren Produkte nicht mehr bezahlen. Solange dieser Vorgang kontrolliert abläuft, also im Jahresrhythmus ausgeglichen werden kann, verursacht er den Leidtragenden nur wenig Ängste. Man hat sich ja daran gewöhnt.

Wenn man genauer verstehen will, was mit dem Geld und Geldeswert während einer Inflation passiert, muss man größere Inflationsraten betrachten. Angenommen die Inflation würde innerhalb eines Jahres 50 Prozent betragen, dann wären die Preise anschließend doppelt so hoch. In der Folge müssten dann auch die Löhne verdoppelt werden. So weit, so gut. Die tägliche Wirtschaft würde ganz normal weitergehen. Aber etwas hat sich doch erheblich verändert: der Wert von Schulden und Guthaben. Beide sind nur noch die Hälfte wert. Für diejenigen, die Schulden haben, wäre das ein Segen. Die Besitzer von (Spar)Guthaben hätten jedoch die Hälfte ihres Vermögens eingebüßt.

Löhne verdoppelt, Schulden halbiert

Die weiteren Folgen wären, dass von da an die Rückzahlung von Schulden mit weniger als dem halben Aufwand im Gegensatz zu vorher geleistet werden kann. Gerade langfristig angelegte Darlehen mit einem auf die gesamte Laufzeit fixierten Zinssatz profitieren von jeder Inflation – je höher, desto besser! Jedes Prozent Inflation verringert den Wert aller Schulden – und natürlich auch den Wert der Geldanlagen. Man muss also bei der Betrachtung von Krediten und Geldanlagen folgende Rechnung machen: Zum realen Zinssatz muss die Inflationsrate subtrahiert oder addiert werden. Nehmen wir als Beispiel die aktuelle Inflationsrate von etwa 2 Prozent. Wenn man im Besitz von Papieren ist, die eine Rendite von 4 Prozent versprechen, dann beträgt die inflationsbereinigte Rendite nur 2 Prozent. Wenn man einen Kredit mit 4 Prozent zu bedienen hat, dann übernimmt die Inflation die Hälfte davon. Tatsächlich bezahlt sich der Kredit mit 2 Prozent jährlich von selbst, weil der Wert der Schulden um diesen Betrag weniger wird. Das ist der Zustand, den wir gewöhnt sind und damit ist auch schon klar, dass jede Verzinsung von Sparguthaben unterhalb der Inflationsrate eine schleichende Entwertung dieser Guthaben bedeutet.

Es ist unerlässlich zu verstehen, dass bei jeder Inflation immer die Löhne und die Preise einander folgen müssen. Aber eben nur diese. Jede Art von Kapital kann das nur dann, wenn das allgemeine Zinsniveau der Inflationsrate angepasst wird. In Zeiten hoher Inflationsraten müssen die Zinsen auf Kredite eben immer etwas höher sein als die Inflationsrate und die Guthabenzinsen natürlich genauso. In Zeiten langfristiger Anlagen und Kredite wird schnell ersichtlich, dass das so einfach nicht geht. Verträge müssen eingehalten werden! Im Fall einer rasch ansteigenden Inflationsrate führt das (endlich auch einmal) zum Nachteil der Banken. Das gute Geld, das sie einmal ausgeliehen haben, ist immer weniger wert und sie können nichts dagegen tun. Das heißt in anderen Worten, dass die Banken in Zeiten einer allgemein hohen Verschuldung das größte Interesse an einer möglichst kleinen Inflationsrate haben. Im Gegensatz dazu freut sich jeder, der Schulden hat, über jedes Prozent an Inflation.

Hohe Inflationsrate bringt Chaos

Je höher die Inflationsrate, desto chaotischer wird der Ablauf. Alle Verträge die Finanzen betreffen, müssten schnellstens gekündigt werden, damit die bestehenden Verhältnisse einigermassen gerettet werden können. Es sind dies: Mietverträge, Kreditverträge, Tarifverträge etc.. Bei kontinuierlicher Rechtsfortschreibung ist das aber nicht so einfach möglich und so wird erkennbar, dass bei Inflationsraten im zweistelligen Bereich sehr schnell Notverordnungen der Regierungen angewendet werden müssen. Die Gesellschaften sind auf so etwas nicht vorbereitet und Chaos ist programmiert. Niemand wird bereit sein, langfristige Verpflichtungen einzugehen. Gleichgültig auf welcher Seite man steht, sind die Unwägbarkeiten einfach zu groß. Auch im internationalen Handel können keine Verträge mehr abgeschlossen werden, die das Prinzip Ware für Geld zur Grundlage haben – das ist das allgemein gültige Verfahren der Gegenwart! Als Beispiel dafür, wie realistisch diese Betrachtung ist, nenne ich die Abwicklung des Außenhandels Russlands in den frühen 90er Jahren, als der Rubel abstürzte.

Von dem Moment an, wenn die Inflationsrate außer Kontrolle geraten ist, wird es kaum noch möglich sein, den Verfall des Geldwerts zu stoppen. In kürzester Zeit werden sich die einzelnen Interessengruppen gegenseitig übertreffen wollen, für ihre Klientel möglichst viel – auch im Hinblick auf die nahe Zukunft – herausschlagen und damit retten zu wollen. Eine Währungsreform wird unausweichlich sein und hier kommen wir an einen spannenden und höchst aktuellen Punkt: In seiner Ausgabe vom 7. Juni 2010 beschreibt der „Focus“ ausführlich den Ablauf einer Währungsreform! Subjektiv betrachtet entbehrt dieser Report jeglicher Aktualität. Ich vermute, dass die Bürger schon einmal langsam und vorsichtig darauf vorbereitet werden sollen, dass gravierende Änderungen im Finanzsystem stattfinden werden.

Inflation oder Währungsreform?

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass das Finanzsystem der ganzen Welt nicht nur krank, sondern eigentlich schon tot ist. Es liegt im Koma und sein Herzschlag wird nur noch von den Finanzspritzen der Regierungen aufrecht erhalten. Die weltweit aufgetürmten Schuldenberge in ihrer irrealen Höhe können nicht mehr abgetragen werden. Eine weltweite Inflation ist unausweichlich. Oder eben nicht? Es würde den Regierungschefs ein wenig Hirn attestieren, wenn sie die chaotischen Zustände einer Inflation einfach übergehen und präventiv eine Währungsreform beschließen. Das wäre die unblutige Revolution, die die Welt schon lange benötigt, um die Auswüchse des untauglichen Finanzsystems überwinden zu können.

Ganz unauffällig hat man sich in den letzten zwei Jahren schon von alten Mustern der Arroganz verabschiedet. Damals, als die „G7“ auf „G8“ erweitert werden sollten wurde darum noch ein großer Zirkus veranstaltet. Plötzlich, ohne Diskussion oder Medienrummel, sind es „G20“ geworden. Das kann nur bedeuten, dass in diesem Zirkel jetzt Massnahmen besprochen werden, die so gravierend sein werden, dass es unumgänglich ist, diese auf einer breiteren Basis zu beschließen.

Wie gesagt fehlt der stringente Mangel, der als Auslöser für eine Inflation nach klassischem Muster notwendig ist. Das bedeutet, dass eine Inflation nur dann stattfinden wird, wenn sie vorsätzlich eingeleitet wird. Kleine Bereiche sind davon ausgenommen: werthaltige Güter. Gold sei als Beispiel genannt. Obwohl mit allen Mitteln versucht wird, den Goldpreis niedrig zu halten, hat er sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt. Das ist eine unübersehbare Warnung, denn Gold war und ist immer noch ein Mangelgut, das deswegen den klassischen Regeln einer Inflation unterworfen ist. Des Weiteren wird Gold nur mit Geld gekauft, das ansonsten in irgendwelchen Kapitalanhäufungen liegen würde. Davon gibt es so viel, dass hier massiv eingegriffen werden muss. Es soll nicht sichtbar werden, dass das Geld als solches schon lange den Regeln von Wert und Inflation nicht mehr folgt.

Geteilte Inflation

Wie weit die Inflation tatsächlich schon fortgeschritten ist, mag man daran ermessen, dass es heutzutage Milliardäre zu tausenden gibt. Galt früher ein Millionär oder gar ein Multimillionär als reicher Mann, so lächelt man heute nur noch milde darüber. Nur noch ein Milliardär gilt etwas. Ich bitte zu bedenken, dass es sich hierbei um eine Verschiebung der Massstäbe im Faktor tausend handelt. Das bedeutet, dass in den Bereichen, die dem normalen Umlauf entzogen sind, in den letzten 20 Jahren tatsächlich eine Inflation im Faktor tausend stattgefunden hat. Das Fatale ist nur, dass mit diesem Inflationsgeld weiterhin im ganz normalen Umfeld eingekauft werden kann. Es steht abgekoppelt und frei neben dem „normalen“ Geld, trägt aber trotzdem seinen Namen und wird beliebig hin und her getauscht.

Die Welt ist zweigeteilt: Es gibt die ganz normalen Bürger, die nach wie vor hart arbeiten müssen, und es gibt einen kleinen, verschworenen „Geldadel“. Dieser hat seinen Besitzstand inflationär aufgeblasen und gleichzeitig dafür gesorgt, dass diese Inflation nicht auf den normalen Geldumlauf durchschlägt. Das war ganz einfach, denn es steht fest, dass dieser Geldadel nicht den Gesetzen des Mangels unterworfen ist. Er kann sein Geld frei von den Zwängen des täglichen Überlebens wohldosiert einsetzen. Kein Wunder, dass EZB-Präsident Trichet feststellen musste, dass die Märkte nicht mehr funktionieren.

Warum basteln wir uns nicht einfach eine Inflation?

Der „kleine Mann“, der normale Bürger hat aber dennoch die Macht, die Inflation des großen Kapitals zu korrigieren. Er kann eine Inflation herstellen. Dazu muss er nur seine Bescheidenheit ablegen und massiv höhere Löhne fordern. Er muss einfach nur so handeln, als ob Mangel herrschen würde. Zusätzlich kann er einfach die aufdringlichen Angebote der Banken in Anspruch nehmen und auf Kredit auf große Einkaufstour gehen. Das kann er ohne Angst tun, denn die dann folgende Inflation wird seine neuen Schulden dahinschmelzen lassen, wie Schnee im Mai.

Wie die französische Finanzministerin Lagarde schon so richtig gefordert hat, sollen die Deutschen endlich ihre Bescheidenheit ablegen und ihrer Leistung gemäß konsumieren. Am Besten noch ein bisschen mehr! Die wirtschaftliche Größe Deutschlands wird sicherstellen, dass eine in Deutschland beginnende Inflation die ganze Welt erfassen wird. Sobald sie den Faktor tausend erreicht hat, sind die irrsinnigen Vermögen der Milliardäre wieder auf ein erträgliches Mass geschrumpft. Aber vielleicht haben das die Denker in den Regierungen auch schon erkannt und leiten eine entsprechende Währungsreform rechtzeitig ein, bevor die Welt durch das Chaos einer Inflation gehen muss. Leider ist dabei zu befürchten, dass wieder ein Weg gefunden und gegangen wird, die Vermögen und die Macht des Geldadels zu retten – siehe Bankenrettungsfond.

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Zusammenfassung der Seite:

Grand Tourisme - Worldwide

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