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Öffnet internen Link im aktuellen FensterLibyen unterm Feuersturm; Ägypten und die Revolutionslügen; der arabische Krisenbogen und seine Hintergründe; der Fall Soros - von Ferdinand Kroh. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen

Öffnet internen Link im aktuellen FensterKosovo 2011, der jüngste Staat in Europa drei Jahre nach der Unabhängigkeit - Kommentare, Reportagen, Fotos - von Norbert Gisder. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen 

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Öffnet internen Link im aktuellen FensterDie Serie in GT

Öffnet internen Link im aktuellen FensterGrundsätzliche Überlegungen zur Produktivität von Arbeit und daraus entstehendem Wohlstand

 

Wer ein Boot auf dem Hänger transportiert, braucht eine zuverlässige Zugmaschine. Doch welche? Öffnet internen Link im aktuellen FensterSerie in GT

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GT - das Magazin der Querdenker: Menschen, Organisationen, Firmen und Vereine, die sich an denkende Zeitgenossen wenden - und die vor allem etwas zu sagen haben - werden Öffnet internen Link im aktuellen Fensterhier miteinander vernetzt.

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Zum Holocaust-Gedenktag

Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Die Dokumente, die während der Nürnberger Prozesse veröffentlicht wurden, besagen, dass in diesem KZ auf polnischem Boden 2,8 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten in der größten Todesfabrik aller Zeiten umgebracht worden sind. Seit fünf Jahren wird der 27. Januar als der internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust begangen. GT zeigt aus diesem Anlass die Stelen der zentralen Gedenkstätte zwischen Behren-, Ebert-, Gertrud-Kolma- und Hannah-Ahrendt-Straße. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Zentrum Berlins ist die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands, ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die bis zu sechs Millionen Opfer. Das Denkmal besteht aus dem von Peter Eisenman entworfenen Stelenfeld sowie dem unterirdischen Ort der Information und wird von einer Bundesstiftung unterhalten. Das Stelenfeld ist Tag und Nacht frei zugänglich. Quelle/weitere Öffnungszeiten unter anderem auf der Seite http://www.holocaust-mahnmal.de/ Foto: Norbert Gisder
Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Die Dokumente, die während der Nürnberger Prozesse veröffentlicht wurden, besagen, dass in diesem KZ auf polnischem Boden 2,8 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten in der größten Todesfabrik aller Zeiten umgebracht worden sind. Seit fünf Jahren wird der 27. Januar als der internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust begangen. GT zeigt aus diesem Anlass die Stelen der zentralen Gedenkstätte zwischen Behren-, Ebert-, Gertrud-Kolma- und Hannah-Ahrendt-Straße. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Zentrum Berlins ist die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands, ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die bis zu sechs Millionen Opfer. Das Denkmal besteht aus dem von Peter Eisenman entworfenen Stelenfeld sowie dem unterirdischen Ort der Information und wird von einer Bundesstiftung unterhalten. Das Stelenfeld ist Tag und Nacht frei zugänglich. Quelle/weitere Öffnungszeiten unter anderem auf der Seite www.holocaust-mahnmal.de Foto: Norbert Gisder

Der Tod der Freiheit ist nicht die Freiheit, zu töten

Von Peter Haisenko
27.01.2010

Fast 65 Jahre sind seit Ende des 2. Weltkrieges vergangen. Kaum einer derjenigen, die damals Verantwortung für die Gräuel trugen, ist heute noch zu fassen und zur Rechenschaft zu ziehen. Es gibt auch kaum noch Betroffene, die aus eigenem Augenschein Zeugnis ablegen können. Vor diesem Hintergrund ist ein Mahnmal wie jenes im Zentrum Berlins, das an die ermordeten Juden Europas erinnert, mehr als wichtig. Es ist ein Zeugnis für die Kultur einer Zivilisation, sich mit der Vergangenheit in geeigneter Form auseinanderzusetzen.

Das gilt für die Deutschen sicher ganz besonders! In jeder Hinsicht.

Deswegen muss auch die Frage zu einem zentralen Zeugnis kultureller Reife werden, weshalb es in Deutschland immer noch kein Zentrum oder Mahnmal gibt, das an die Schicksale der Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten erinnert. Wer sich dieser Frage verschließt, dem kann man ohne weiteres kulturelle, spirituelle, aber auch historisch Unreife attestieren: Es gäbe vieles aus der Zeit zwischen 1945 und 1949, das nicht so einfach in Vergessenheit geraten sollte.

Vor allem Historikern und Autoren aus dem Ausland blieb es bis heute vorbehalten, schonungslos über die grausamen Schicksale der Vertriebenen zu berichten. Deutsche Historiker halten sich – von Ausnahmen, die quasi unbeachtet geblieben sind - immer noch weitgehend zurück. Die Initiative, ein Zentrum „Flucht, Vertreibung und Versöhnung“ zu errichten, kommt vielleicht auch deshalb erst spät. Die Reaktionen aus Polen haben bewiesen, wie wichtig dieses Zentrum für die Aufarbeitung der jüngeren europäischen Geschichte ist.

Die Jahre 1945 bis 1949 sind im deutschen Geschichtsbewusstsein nahezu ausgeblendet. Im polnischen und tschechischen auch. Das dürfte nicht sein, denn auch in den Jahren nach dem Krieg sind Millionen Menschen in Europa durch Fremdeinwirkung ums Leben gekommen, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten keine Schuld auf sich geladen haben.

Konrad Adenauer hat die Zahl der Deutschen, die durch die Vertreibung aus den Ostgebieten ums Leben kamen, mit sechs Millionen beziffert. Diese Zahl hat er mit aller Vorsicht genannt und sie wird von unabhängigen Historikern, wie zum Beispiel James Bacque aus Kanada, nicht nur bestätigt, sondern als Minimalannahme aus gesicherten Erkenntnissen bezeichnet.

Wenn sechs Millionen Menschen innerhalb von vier Jahren ohne direkte Kriegseinwirkung ums Leben kommen, dann ist das ein ungeheuerlicher Vorgang. Was soll verwerflich daran sein, an einen solchen Abschnitt im Leben unserer Kultur und Zivilisation zu erinnern. Allein schon deswegen, weil die Menschheit daraus lernen muss, so etwas für alle Zukunft zu verhindern, kann man eine ständige Mahnung nur als ein Muss empfinden. Es darf dabei keine Rolle spielen, welcher Nationalität die Getöteten waren ebenso wenig, welche Begründung von den Tätern für ihr Handeln angeführt wird. Es kann keine moralische Rechtfertigung für die Ermordung eines einzelnen Menschens geben, geschweige denn von sechs Millionen. Doch nicht nur wegen der ungeheuerlichen Zahl ist es durchaus verständlich, dass einige Menschen in Polen und Tschechien nicht wollen, dass die Welt an die grausamen Taten erinnert wird, die sich auf ihren Territorien zwischen 1945 und 1949 ereignet haben.

Besonders die polnische Politik bemüht sich in dieser Hinsicht sehr, obwohl eine genaue Betrachtung der geschichtlichen Ursachen für die Behandlung der vertriebenen Deutschen eine polnische Schuld relativieren könnte. Dazu ist es aber notwendig, eine differenzierte Betrachtung auch der politischen Vorgänge zu betreiben, die allgemein verschwiegen werden. Man muss spätestens in den Dreißiger Jahren beginnen, wenn annähernd verstanden werden soll, welche politischen Strömungen Polen beeinflusst haben.

Das Polen in den Grenzen der Dreißiger Jahre war ein Kunstprodukt der Versailler Verträge, das bei seiner Erschaffung wenig Rücksicht auf ethnische Zugehörigkeiten erfahren hat. Es steht damit in einer ganzen Reihe von willkürlichen Grenzbestimmungen, die im 20. Jahrhundert durch Großbritannien bestimmt worden sind. Palästina, Zypern, Indien und Kaschmir seien hier beispielhaft, wenngleich auch nur stellvertretend für weitere genannt.

In seinen Randgebieten war dieses Polen geprägt durch eine Vielzahl ethnischer Minderheiten. Es waren dies: Ukrainer, Weißrussen, Slowaken, Balten, Juden und Deutsche. Die politische Führung Polens hat sich von Anfang an nicht an ihre vertraglichen Zusagen gehalten, den ethnischen Minderheiten Schutz und Entfaltung zu garantieren. Im Gegenteil war mit den 30er Jahren eine ansteigende Tendenz zu beobachten, alle Minderheiten entweder zu polnisieren oder zu eliminieren. Schulen und Universitäten, die nicht rein polnisch waren, wurden geschlossen. In den Minderheitsgebieten wurden polnische Verwalter eingesetzt, die sich in der Regel nicht durch sensiblen Umgang mit den ihnen anvertrauten Menschen auszeichneten. Diese Vorgänge sind sogar dem Britischen Parlament zur Kenntnis gebracht worden.

Hier beispielhaft der Bericht von Lord Noel-Buxton vor dem Oberhaus in London am 15. Juni 1932, entnommen aus: Heinz Burneleit, Die Vergangenheit bestimmt unsere Zukunft, aus Mitteilungen der Gesellschaft für Kulturwissenschaften, Bietigheim – Baden, Juli 1997

„In den letzten Tagen sind auf den Tagungen des Rats des Völkerbundes wichtige Fragen, die die nationalen Minderheiten betreffen, behandelt worden. Vor allem wurde auf der Januartagung ein Bericht verhandelt, der sich mit der sogenannten Terrorisierung beschäftigte, die im Herbst 1930 in der Ukraine stattgefunden hat. ... Assimilierung durch Zerstörung der Kultur ist an der Tagesordnung. ... Aus dem Korridor und aus Posen sind bereits nicht weniger als eine Million Deutsche seit der Annexion abgewandert, weil sie die Bedingungen dort unerträglich finden. ...

Im polnischen Teil Ostgaliziens wurden vom Ende des Krieges bis 1929 die Volksschulen um zwei Drittel vermindert. In den Universitäten, in denen die Ukrainer unter österreichischer Herrschaft elf Lehrstühle innehatten, besitzen sie jetzt keinen, obwohl ihnen 1922 von der polnischen Regierung eine eigene Universität versprochen worden war. In dem Teil der polnischen Ukraine, der früher zu Russland gehörte, in Wohlhynien, sind die Bedingungen noch härter: Hier gibt es ein umfangreiches System der Kolonisierung durch frühere Soldaten, und diese Leute verfolgen ihre Nachbarn in einer aüßerst bedauernswerten Weise. ...

In der ganzen Ukraine gibt es überdies das System der polizeilichen Verfolgung. ... Wir können in diesem Zusammenhang eine besonders beklagenswerte Tatsache nicht beiseite lassen, nämlich die Folterung von Gefangenen in Gefängnissen und von Verdächtigen, die sich die Ungnade der polnischen Behörden zugezogen haben.

Überzeugende Beweise dafür, dass in solchen Fällen mittelalterliche Folter angewandt werden, liegen zu meinem Bedauern vor. Diese Darstellungen wurden im Völkerbund durch Lord Cecil als Delegiertem der britischen Regierung als das Gewissen der Menschheit erschütternd bezeichnet. Sie sind vom Rat nicht untersucht worden, wie das hätte erfolgen müssen. ...

Ich möchte eure Lordschaften an ihre Not erinnern durch Verlesung der Worte eines ausgezeichneten Rechtsgelehrten, ... Sir Walter Napier, der folgendes schrieb: „Die Führer des Dorfes wurden umringt, in eine Scheune getrieben, entkleidet, niedergeschlagen und mit dicken Stöcken, die zum Dreschen gebraucht werden, geschlagen. Ärzten war es verboten, von den Städten in die Dörfer zu gehen. Und die Bauern, die den Versuch machten, sich zur Behandlung in die Städte zu begeben, wurden durch die Polizei zur Umkehr gezwungen.“ ...

Wir dürfen nicht vergessen, dass Polen ganz besonders Ursache hat, diese Verträge zu beachten, denn die ihm zugestandenen Annexionen wurden ihm unter der Bedingung zugestanden, dass es diesen Gebieten Autonomie gewährt. Diese Bestimmung wurde von der Botschafterkonferenz 1923, in der unser Land führendes Mitglied war, aufgestellt. ...

Insbesondere die polnischen Juden, etwa 2,5 Millionen an der Zahl, mussten unter dem übersteigerten Nationalbewusstsein der polnischen Führung leiden. Die polnische Regierung wollte ihr Land möglichst reinrassig polnisch haben. 1937 verzeichnete der Plan zur Erreichung dieses Ziels einen abstoßenden Höhepunkt. Frankreich suchte Einwanderer nach Madagaskar, das zu dieser Zeit eine französische Kolonie war. Die polnische Regierung stellte einen Antrag an Frankreich, alle 2,5 Millionen polnische Juden zwangsweise nach Madagaskar auszuweisen. Dieses Ansinnen scheiterte am Veto Frankreichs. Wie schlecht Juden in Polen behandelt wurden, mag man daran ermessen, dass in den Jahren von 1933 bis 1938 557.000 polnische Juden im nationalsozialistischen Deutschland Zuflucht gesucht haben. Polen verhinderte die Rückkehr der polnischen Juden nach Polen, indem die Pässe der Juden für ungültig erklärt worden sind.

Den Deutschen in den jetzt zu Polen gehörig erklärten Gebieten ging es nicht besser. Wie der Bericht im Britischen Parlament bestätigt, haben in diesen Jahren mehr als eine Million Deutsche die Zustände unter polnischer Verwaltung nicht mehr ertragen und ihr Heil in der Flucht gesucht. Dieser Bericht verlangt auch die Untersuchung von ungezählten Morden und Vergewaltigungen, die von Polen an ihren Minderheiten begangen worden sind. Es hat keine Untersuchung stattgefunden. Im Gegenteil ermunterte Großbritannien die polnische Führung immer wieder, gegenüber Deutschland und deutschen Forderungen bezüglich des Schutzes der deutschen Minderheit eine unnachgiebig ablehnende Haltung beizubehalten.

Damit bin ich an dem Punkt, an dem die polnische Schuld am Verhalten gegenüber Minderheiten relativiert werden kann. Welche Schuld auch immer Individuen in Polen auf sich geladen haben, stand voran, dass die Voraussetzungen dafür außerhalb Polens begründet waren. Das gilt insbesondere für die Ermordung der Vertriebenen nach 1945. Polen wurde durch die Potsdamer Verträge geradezu ermuntert, Deutschstämmige besonders schlecht zu behandeln.

Im Sommer 1945 beschlossen die „großen Drei“, England, USA und die Sowjetunion, die ehemaligen deutschen Ostgebiete vom „deutschen Element zu reinigen“. Das ist die Formulierung, die so in den Potsdamer Verträgen dokumentiert ist. Polen und die Tschechoslowakei wurden aufgefordert, alle Deutschen aus ihrer Heimat zu vertreiben. In diesen Verträgen ist mit keinem Wort irgendein Schutz für die Deutschen vorgesehen, geschweige denn eine Verordnung über die Durchführung eines humanen, geordneten Ablaufs. So kam es dazu, dass die polnische Regierung ihre Bürger dazu aufforderte, an den Deutschen Rache zu nehmen. Wie bereits vor 1939 fanden sich auch nach 1945 genügend Polen, die dieser Aufforderung Folge leisteten. Millionen Deutsche fanden den Tod. Sie wurden in Lagern zusammengetrieben, von dort nicht umgehend abtransportiert, sondern zu großen Teilen gefoltert, erschlagen und erschossen. Im Bundesarchiv lagern tausende Dokumente, die das grausam unmenschliche Vorgehen belegen. In der Tschechei und in Jugoslawien spielte sich Vergleichbares ab. Dass es auch anders möglich war, haben Rumänien, Ungarn und die Slovaken bewiesen.

Die treibende Kraft hinter den Beschlüssen der Potsdamer Verträge zur Vertreibung der Deutschen aus ihrer Heimat war Winston Churchill. Er hat auch in Jalta mit Stalin ausgemacht, wo die Grenzen der Einflussgebiete in Europa nach dem zweiten Weltkrieg verlaufen sollen. Er hat Polen an Stalin überantwortet, obwohl er wusste, dass die polnische Exilregierung, die zu dieser Zeit in London war, Polen nicht kommunistisch werden lassen wollte. Für Churchill war Polen nur ein Spielball in seinen imperialistischen Plänen, die, ähnlich wie in Versailles, keine Rücksicht auf das Wohlergehen außerhalb Englands nahmen oder an dem Ziel eines dauerhaften Friedens orientiert gewesen wären.

Auch wenn die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten nicht vorrangig auf die Initiative Polens zu begründen ist, bleibt dennoch der Fakt bestehen, dass die Art und Weise der Durchführung weitgehend in der Verantwortung Polens liegt. Hierbei hat sich Polen vieler Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht, ebenso wie bereits vor 1939, wie in dem Bericht von Lord Noel-Buxton dokumentiert ist. Ich habe Verständnis für die Haltung Polens, die Erinnerung an diese schwarzen Flecken in der Geschichte Polens soweit wie möglich zu unterdrücken. Aber im Fall der ermordeten Juden wird gesagt, dass man einen Menschen zweimal umbringt, wenn das Andenken an ihn dem Vergessen überantwortet wird. Das gilt auch für die deutschen Vertriebenen.

Die Welt kann nur dann zu echter Verständigung, Versöhnung und Freundschaft finden, wenn alle Verbrechen und ihre Hintergründe offengelegt werden dürfen. Nur dann kann heimlicher Groll überwunden werden, wenn über alle Verbrechen berichtet werden darf, egal von wem sie begangen worden sind. Es reicht nicht aus, an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern. In dieser Welt sind auch nach 1945 abscheuliche Verbrechen begangen worden und sie finden bis heute kein Ende. Das liegt unter anderem daran, dass es immer noch möglich erscheint, einen ausgewählten Teil an Verbrechen aus der öffentlichen Diskussion heraus zu halten.

Es ist höchste Zeit, diesen Zustand zu verändern. Ein Zentrum „Flucht, Vertreibung und Versöhnung“ könnte ein erster Schritt sein. Auch die jungen Polen haben ein Recht, zu erfahren, was sich in ihrem Land und im Namen ihrer Vorfahren abgespielt hat. Erst wenn alle Seiten bereitwillig zugeben, dass in einer schrecklichen Zeit an vielen Orten und von allen möglichen Seiten unentschuldbare Dinge passiert sind, können sich die Menschen auf Augenhöhe begegnen und echten Frieden schließen. Sechzig Jahre sind vergangen seit den schlimmsten Zeiten in Europa. Alle, die wirklich Verantwortung trugen, sind lange tot. Sie können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Was hindert uns noch, auch unbequeme Wahrheiten auf den Tisch zu legen?

Die massive Intervention polnischer Politiker bezüglich des geplanten Zentrums „Flucht, Vertreibung und Versöhnung“ und seiner Gremiumsmitglieder empfinde ich als unerträglich. Vor allem die anmaßend arrogante Haltung gegenüber Deutschland ist angesichts dessen, was Polen nun einmal zu verantworten hat, sicher nicht angemessen. Man könnte es in etwa vergleichen, wenn die Bundesrepublik Deutschland ein Veto bei der Auswahl des Leiters von Jad Vaschem in Jerusalem einlegen wollte. Selbstverständlich gestehe ich Polen das Recht zu, seine Sicht der Vorgänge darzustellen und in diesem Sinn einen Beitrag zu diesem Zentrum zu leisten. Man wird sogar darauf angewiesen sein, denn vieles wird nur dann vollständig aufzuklären sein, wenn polnische Quellen geöffnet werden dürfen.

Die deutsche Politik leistet der Welt keinen guten Dienst, wenn sie die Offenlegung eines Teils der europäischen Geschichte zensieren will. Wer sonst, wenn nicht die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, die selbst, geboren in Rahmel, Danzig-Westpreußen, vom Schicksal der Vertriebenen aus erster Hand weiß, sollte in den Vorstand dieser Stiftung gewählt werden? Wessen Interessen vertreten Politiker, wenn sie aus Angst vor unbequemen Wahrheiten schon im Vorfeld eine offene Dokumentation behindern, indem sie vor polnischen Forderungen einknicken? Dürfen in dem geplanten Zentrum „Flucht, Vertreibung und Versöhnung“ nur Dinge dokumentiert werden, die keinen Polen oder Tschechen in ein schlechtes Licht rücken könnten? Dann sollte man es ganz bleiben lassen, denn so kann niemand der Wahrheitsfindung und ehrlichen Erinnerung dienen.

Deutschland hat seit Jahrzehnten größte Anstrengungen unternommen, die Verbrechen der Nationalsozialisten lückenlos zu dokumentieren und zu bestrafen. Es ist an der Zeit, auch an Verbrechen zu erinnern, unter deren Traumata ein großer Teil der deutschen Bevölkerung mindestens einer Generation gelitten hat. Es geht sicherlich nicht um Vergeltung oder Aufrechnen. Das Unrecht, das von Deutschen im Namen der Nationalsozialisten begangen worden ist, kann niemals relativiert werden. Das gilt aber auch für alle anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, egal von wem und warum diese begangen worden sind. Keinem Verbrechen dieser Welt darf mit einem anderen eine moralische Berechtigung zugeordnet werden.

 

 

Peter Haisenko

Peter Haisenko, Wirtschaftsexperte und Historiker hat den Bestseller Öffnet internen Link im aktuellen Fenster"Bankraub globalisiert" geschrieben.

 

Das neue Buch ist im Buchhandel: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster"England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert". Dieses Buch behandelt unter anderem die Geschichte der Vertreibung unter neuen Aspekten.

 

Der zeitgeschichtliche Roman über Sowjetrussland und die Deutsche Wehrmacht in Russland: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster"Der Weg vom Don zur Isar" von Vadim Grom

 

 

 

 

 


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Zusammenfassung der Seite:

Grand Tourisme - Worldwide

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