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Öffnet internen Link im aktuellen FensterKosovo 2011, der jüngste Staat in Europa drei Jahre nach der Unabhängigkeit - Kommentare, Reportagen, Fotos - von Norbert Gisder. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen 

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Wer ein Boot auf dem Hänger transportiert, braucht eine zuverlässige Zugmaschine. Doch welche? Öffnet internen Link im aktuellen FensterSerie in GT

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Eiszeit am Erisee – vom Ende der Krise, von Protz und PS:
Die Zeit der Detroit-Auto-Show NAIAS

Analyse von Norbert Gisder und Ann-Stéphanie de Limoges
12.01.2011

Eisiger Wind aus Nordwest pfeift den Washington Boulevard herab. An der Ecke West Jefferson Ave halten zwei Damen ihre Hüte fest. Die würden sonst den Civic Center Drive südwärts zum Steve Yzerman Drive und über die Detroit International Riverfront geweht; direkt dem Luftballon hinterher, der gerade den Grenzfluss nach Kanada überquert und den Himmel über Windsor, Kanada erreicht. Der Knirps, dem der Wind den Ballon aus den Händen riss, verschmerzt den Verlust schnell.  Den Autos gelten seine Wünsche: Träumen in Blech und Kohlenfaser, Glas und Chrom, Hochtechnologie aus drei Kontinenten, die im Cobo Center zu sehen sind. Heftig blasen die eiskalten Böen indes durch Downtown Detroit. Die Schreie der Möwen hört der Junge nicht mehr. Längst ist er an Papas Hand in das Autoparadies dieser Tage eingetaucht, während die Akrobaten der Lüfte über der kanadischen Waterfront vor Windsor über den sturmgepeitschen Wellen des Kanals balancieren, der den Lake St. Clair mit dem Lake Erie verbindet.

„North American International Auto Show“ (NAIAS) heißt das Spektakel nördlich des kanadisch-us-amerikanischen Grenzflusses. 1907 als unbedeutende Regionalmesse amerikanischer Autobauer gestartet, blieb sie auch nach Kriegsunterbrechung von 1943 bis 1952 noch eine zwar jährliche, international aber eher gering geschätzte Lokalveranstaltung. Protz und PS des amerikanischen Mobile-Lifestyles machte die NAIAS erst in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts mehr und mehr international.

In diesem Jahr ist es Samstag, der 15. Januar, an dem die Fachbesucher und Journalisten aus allen Erdteilen endlich den autovernarrten Amerikanern aus Detroit und Buffalo, Grand Rapids und Indiana Platz machen müssen: Dann sind die Messehallen des Cobo Centers wieder fast so voll wie die Moskauer Metro. In diesem Jahr gilt der Ansturm allerdings mehr als sonst europäischen Autoherstellern: Volkswagen zum Beispiel. Die Wolfsburger haben mit dem New Midsize Sedan sogar ein eigens für den nordamerikanischen Markt und nur dort verkauftes Auto entwickelt. Mercedes, BMW, Porsche heißen weitere Stars in Stahl, die die Kinderaugen nördlich des Lake Erie zum Strahlen bringen.

Das wird den Stolz der Menschen auf ihre Nationalmarke – die neu erstarkte Autoschmiede GM – nicht schmälern. Eben so wenig das Interesse an den asiatischen Autobauern: Toyota, die weltweite Nummer 1, Kia, Konkurrenz aus Korea, die mit immer mehr Premium-Produkten in allen Segmenten punktet, Subaru, deren Allradautos in den USA Kultstatus genießen. Sie alle sind natürlich da. Und stolzer denn je: die Überwinder der Wirtschaftskrise, die Strategen einer PR, die alles behaupten und so empfindlich wie ein „Rühr-mich-nicht-an“ reagieren, sobald Kritik laut wird.

30 Weltpremieren kündigt die NAIAS-Leitung an. In jedem Bereich – bloß nicht im Kernbereich der europäischen Diskussion: Downsizing scheint in Detroit dieser Tage kein Thema zu sein. Weder was die Motoren noch was die Karosserien betrifft. Ganz im Gegenteil – alles scheint gewachsen: Das Selbstbewusstsein ebenso wie die Dimensionen der gezeigten Autos sogar in den untersten Segmenten.

Chrysler und GM sind gute Beispiele dafür: der neue 300 von Chrysler wird als eine der wichtigsten Neuheiten erwartet. Die Herren von Fiat werden das durchaus mit gemischten Gefühlen hören. Einerseits winken die Gewinne. Andererseits gilt allein schon die Plattform, die sich der 300 mit dem Dodge Charger teilt, als Anachronismus in einer Zeit des Downsizing, der Multi-Air-Technologie und des Zweizyliner-Motors als Wege hin zu einer bezahlbaren Mobilität in Europa.

GM zeigt – als Beweis, dass in USA alles anders ist - ein wahres Monster: Der GMC Sierra All Terrain HD concept ist mehr als 5,85 Meter lang. Der Pick-up mit Doppelkabine ist mit 6,6-Liter-V8-Motor mit rund 400 PS motorisiert. Protz auf 20-Zoll-Rädern mit Edelstahlfelgen. Dagegen wirkt Jeep mit seinem neu überarbeiteten Einstiegsmodell Compass geradezu filigran. Das Abbild des kürzlich neu aufgelegten Grand Cherokee hat in USA Tradition.

Beim 3. der großen Drei „Made in USA“, Ford, steht das Thema Elektromobilität im Mittelpunkt. Die Nachfolger von Henry dem Einzigartigen zeigen mit dem neuen Focus Electric ein für die USA eher untypisches Stadtauto. Wie zur Entschuldigung vor dem Traditionspublikum allerdings auch eine seriennahe Studie eines mittelgroßen SUV … Details hütet man bei Ford bis zuletzt wie ein Staatsgeheimnis.

Tradition hat auch die Hybrid-Technologie von Toyota. Mit den neuen Varianten des Prius zeigt Toyota in Detroit den Kombi-Van V – der schon in einem Jahr übrigens auch in Deutschland zu haben sein soll. Mit der Studie C zeigt Toyota einen Mini-Prius – sozusagen für Hybrid-Beginner. Die Amerikaner sehen das bei steigenden Spritpreisen nicht gern. Eben so wenig die neuen Honda, u.a. eine seriennahe Version des Civic; oder die Hyundai, u. a. mit dem Sportcoupé Veloster am Lake Erie vertreten. Kia zeigt mit der Studie KV7 ein Auto, das so recht nach Amerika passt - einen Flügeltürer. Öffnet internen Link im aktuellen FensterMehr dazu lesen

Porsche kommt – natürlich mit einer Weltpremiere: Nach einer Abstinenz von drei Jahren sind die Zuffenhausener mit ihrem Spitzenmodell oberhalb des 911ers so geheimnisumwittert wie eh und je. Details gibt es erst vor Ort, Industriespione, die vorab schon etwas zu erfahren trachten, werden rüde abgebügelt.

Da ist Volkswagen schon volkstümlicher – auch mitteilsamer. Mit dem New Midsize Sedan haben die Wolfsburger ein Auto der Mittelklasse mit deutlichen Zügen des aktuellen Passat im Gepäck. Schon Ende 2011 wird der amerikanische Wolfsburger die asiatischen Konkurrenten (Toyota Camry, Nissan Altima u.a.) angreifen: Mit einer gegenüber dem Passat abgespeckten, immer noch aber guten Ausstattung punktet der Sedan, der ausschließlich in den USA und ausschließlich für den amerikanischen Markt gebaut werden soll. Direkt aus Wolfsburg heißt es zum Auto und seiner Performance: „Der Jetta ist in der neuesten Version konsequenter denn je auf die USA zugeschnitten; er ist das erfolgreichste Auto Amerikas mit deutscher Technik an Bord. Nun folgt als Weltpremiere in der Klasse über dem Bestseller ein weiteres Modell, das Volkswagen eigens für die Vereinigten Staaten entwickelt hat: der komplett neue Passat. Größer, komfortabler, effizienter und hochwertiger denn je. Die Technik und das Design entstanden in Deutschland, Volkswagen of America lieferte die konzeptionelle Ausrichtung. Gebaut wird die Limousine im neuen US-Werk Chattanooga, Tennessee. Start der Markteinführung: Mitte August.“

Mercedes geht mit C-Klasse einen ähnlichen Weg und setzt mit einem 5-sitzigen US-Smart noch einen drauf. Der Erfolg der C-Klasse gilt als sicher: gleich ob als Limousine oder als Kombi. Obwohl erst der Genfer Salon im März das Forum für die Premierenfeier sein soll, wird die Idee in Detroit bereits gefeiert. Mit dem fünfsitzigen Smart, speziell für den amerikanischen Markt entworfen, will Mercedes im Rahmen der Kooperation mit Renault-Nissan die Micra-Plattform für den smarten Auftritt aufbauen. Dass genau diese Grundlage den ungeliebten Zwerg aus dem Daimler-Reich in die Erfolgssphären führt, glaubt allerdings selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kein Mensch wirklich.

BMW setzt seine Erfolge mit dem 6er Cabrio fort. Das Umweltgewissen wird mit dem 1er M Coupe befriedigt. Dass auf dem Messestand der BMW-Tochter Mini die Studie Paceman steht, wirkt wie ein weiteres Zeichen: Der neue Zwerg ist ein bulliges Crossover-Coupé auf Basis des neuen Countryman. Die Werbung wirkt verklemmt, so, als glaube man bei BMW selbst nicht so recht an den Erfolg. Das ist bei Audi ganz anders: Der neue A6 wird selbstbewusst als Limousine und als Vollhybrid ins Cobo Center gestellt. Und natürlich auch größer als das aktuelle Modell. Eigentlich ist der 6er optisch schon fast ein A8.

Die Krise ist überwunden, will uns die Botschaft in Blech durchweg sagen. Von Hersteller zu Hersteller, von Halle zu Halle wird der Versuch, durch Protz zu punkten, höher gehängt. Aber dann finden wir doch noch so etwas wie „Downsizing in Detroit“ – wenn auch ein Downsizing der anderen Art.

Irgendwie ist es genau der eisige Wind aus Nordwesten, der als leise um die Häuser von Detroit pfeifender Mahner daran erinnert … Arroganz kommt vor dem Fall. Ob die Krise wirklich überwunden ist, zeigt sich nach der nächsten … 

Das wissen irgendwie natürlich vor allem die Manager der internationalen Autohersteller. In den Bars und Lounges Downtown Detroit ist in Zeiten der als überwunden behaupteten Krise die Sparsamkeit eingezogen. Die großen Parties sind es, die plötzlich kleiner wirken, ihre Büffets weniger voluminös.

„Man muss schon genau hinschauen, wen man durchfüttert, es sind zu viele Nassauer auf Tour, die sich überall einschleimen, ohne aber wirklich produktiv etwas über unsere Produkte zu sagen“, sagt ein Vertreter ausgerechnet der Marke „Freude am Fahren“ ganz undiplomatisch in kleiner Runde. Von einem Chef wird er rüde angepfiffen: „Halten Sie’s Maul, … bei dem Sch…, den wir noch zu zeigen haben, können wir froh sein, überhaupt im Gespräch zu bleiben …“

Klingt nicht nach Ende der Krise, oder?


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Zusammenfassung der Seite:

Grand Tourisme - Worldwide

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