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Chartern und Regatta-Segeln unterm Passat

BVI Spring Regatta 2008 - auf den British-Virgin-Islands hat der Sportler das Paradies unterm Wind immer im Blick

Von Norbert Gisder
05.06.2008

Gouverneur David Peary sprach deutliche Worte, in bestem Oxford-Englisch natürlich, und darum hier sinngemäß übersetzt: Heute hörte ich, sagte His Excellency, The Governor of the British-Virgin-Islands, dass einige der Segler klagten, es sei zu viel Wind. Sie schauten mich dabei an, als sei ich ganz persönlich schuld daran. Ich musste mich da doch sehr wundern: Noch nie habe ich bei der Rallye Paris-Dakar gehört, dass sich ein Teilnehmer beschwert hätte, es gäbe zu viel Benzin. Nun, der Wind ist das Benzin der Segler, und wir haben in diesen Tagen reichlich davon. Also gebt Gas! Segelt! Macht das Beste aus dem Wetter. Und zeigt, dass ihr den Sport beherrscht. Applaus brandete über die Terrasse vor der Residenz des Vertreters der Britischen Krone über der Hauptstadt Roadtown auf den BVI – den Britischen Jungfern-Inseln.

Die gesamte Schickeria der Hauptinsel Tortola gab sich bei dem vornehmen Empfang des hünenhaften Vertreters der Queen von England ein Stelldichein. Außerdem Segel-Profis und Amateure, Fahrten- und Regattasegler aus aller Welt. Auch Nichtsegler waren dabei. Sie alle hoben unter zustimmendem Gelächter und Applaus ihre Gläser und stießen an – auf die Queen, auf His Excellency, den Gouverneur, auf eine der schönsten Segelwochen in der karibischen See, die BVI Spring Regatta 2008. Tatsächlich wird die 37. BVI Spring-Regatta als eine Segelwoche in die Geschichte eingehen, die niemand, der teilgenommen hat, vergessen wird. Denn bei Starkwind von durchschnittlich über 30 Knoten, die an manchen Tagen auf bis zu 44 Knoten (um die 80 km/h) Windgeschwindigkeit und somit Sturmstärke anstieg, wurde selbst den Revierkundigen, den Ortsansässigen, der Schneid und ihr Standortvorteil abgekauft. Die internationale Konkurrenz mit Sturmerfahrung unterm Meltemi und unterm Mistral, in der Straße Sydney-Hobart, vor Südostafrika, in den Southern Oceans oder um Hawaii hatte – plötzlich und ungewohnt für diese eigentliche Fun-Regatta der Karibik – einen professionellen Vorteil.

Tatsächlich waren an dem Abend, als der Gouverneur die Sportler dazu aufrief, das Benzin des Seglers, den Wind, nur richtig zu nutzen, die ersten Havarien bereits in die Regatta-Geschichte dieser immer professioneller besetzten Wettfahrt-Serie eingegangen. Selbst Vollprofis im Regattafeld hatten Erfahrungen gesammelt, die ihnen die ansonsten eher leichten bis mäßigen Passatwinde über den 59 Westindischen Inseln, die nach wie vor zum Britischen Empire gehören, nicht ermöglichen.

Wie die Deutschen in der Karibik eine Grenze versetzt haben

Es gab zerrissene Segel und aufgerissene Bootsrümpfe. Und es gab eine „Grenzversetzung“ durch das Deutsche Team, die sogar Radiogeschichte schrieb. Ja, um 11.20 Uhr lokaler Zeit am zweiten Regattatag war Deutschland auf den Britisch-Westindischen Inseln Thema Nummer 1. Als Radio St. Thomas von den benachbarten US Virgin Islands ein Live-Interview mit Sportreporter Dean aussendete, hatte die BVI Spring Regatta zumindest den zweiten Superlativ ihrer 37jährigen Geschichte. Zum einen hatte es noch nie eine Regatta mit so viel Druck in der Luft über Tortola, der südlich davor liegenden Sir Francis Drake-Seestraße sowie den 58 umliegenden, smaragdgrünen Inselparadiesen unter dem Passat gegeben. Zum anderen aber war es überhaupt noch nicht vorgekommen, zumindest bei dieser eher auf Entspannung und Après-Sail angelegten Fun-Regatta, dass ein Competitor, ein Regattateilnehmer, beim Runden der Luvtonne zum Abschluss der ersten Kreuz nach dem Start die Wendemarke nicht nur berührte, sondern das leuchtend orangefarbene Ballonspektakel anschließend gleich noch unter den Rumpf drückt und einige Hundert Meter mit sich nahm.

Aventura, die Beneteau 51,5, die das BVI Tourist-Board dem Deutschen Team unter Profi-Skipper Wolf Dietz und seinem Co Frank Weigelt anvertraut hatte, war dieses Kunststück nun gelungen. Der amerikanische Sportreporter Dean meinte, es verdiene durchaus einen Eintrag ins Guinness-Buch der Missgeschicke oder die Top-Ten der besten Realsatiren. Und das kam so: Nach einem guten Start um 10.30 Uhr unmittelbar vor dem Startschiff mit dem Regatta-Komitee an Bord, schaffte die recht unerfahrene Crew um die beiden Profiskipper Dietz und Weigelt die erste Wende ganz passabel. The Germans lagen auf dem vierten Platz des Feldes der Bareboats, als sich das Missgeschick durch eine übereilt eingeleitete, zweite Wende ankündigte.

Zu früh für den böigen Starkwind, der aus Ostnordost über die Sir Francis Drake Straße pfiff und die Schaumfäden in dünnen Schleiern von den türkisblauen Wellenkämmen riss, gab Rudergänger Weigelt das Kommando zur Wende von hart Steuerbord- auf Backbordbug. Skipper Wolf Dietz im Cockpit bediente zugleich das Großsegel und stürzte nach dem Überkommen des Großsegels auf die Backbordseite zur achterlichen Genua-Winsch, an der Tom Körber und Gabi Romberg arbeiteten. Irgendwie konnte aber auch Profi Dietz die Genua nicht dicht holen. Somit geriet das Boot unter flatternder Genua und dichtgeknalltem Großsegel in eine Seitendrift, ohne jedoch Fahrt aufzunehmen. Das Schreien des Rudergängers, der deutlich Nerven zeigte, hallte bis hinüber zu den Beobachter-Motorbooten und den professionellen Yacht-Fotografen von BVI Yacht Shot. Team Germany nahm zeitlupenlangsam Fahrt auf, geriet in seiner Abdrift jedoch zugleich immer näher an die orangefarbene Luvboje heran.

Die Vergewaltigung der Luvboje

Es passierte, was passieren musste – und während es passierte, passierten nach und nach auch ein gutes Dutzend zuvor hinter den Deutschen liegender Schiffe die Benetau 51,5. Deren Rudergänger Weigelt reagierte auch dann noch nicht, als die Bojenberührung schon abzusehen, aber noch vermeidbar gewesen wäre: Durch schnelles Öffnen aller Segel und über Backbord Abfallen etwa hätte die Vergewaltigung der Luvboje abgewendet werden können, kommentierte der Radiomann. Weigelt aber wollte nicht. „Dicht die Genua, dicht die Genua“, hörte man seine schrillen Kommandoschreie den Wind immer noch übertönen, als die Aventura den orangefarbenen Ballon längst mittschiffs erwischt und unter ihren voluminösen Bauch gedrückt hatte. Der offensichtlich störrische Münchener hielt ungeachtet der nicht dicht kommenden Genua und der Seitendrift bis zum letzten Augenblick wacker Kurs auf das Unglück. Dann war der quittenbunte Ball weg.

Konkurrierende Segler kamen, Skipper, Rudergänger und Crews hielten verzweifelt Ausschau. Nichts zu sehen. Also rundeten sie einen imaginären Punkt, an dem bis vor wenigen Augenblicken noch die Luvtonne auszumachen gewesen war. Weigelt und Co. hatten mittlerweile die Ursache der killenden Genua, die in der im Gegenuhrzeigersinn statt im Uhrzeigersinn belegten Genuawinsch ausgemacht worden war, klariert und konnten nun endlich das Vorsegel dicht holen. Kurz Fahrt aufnehmen, dann die 360 Grad Strafe durchziehen – und siehe da – plötzlich tauchte die leuchtende Boje wieder an die Wasseroberfläche. Fast 200 Meter leewärts mitgeschleppt zwar, aber immerhin wieder sichtbar.

Mittlerweile war das Team Germany das Letzte im Feld. Und mittlerweile mehr als 7 Beaufort blähten die Segel der Schiffe, die teils weit in Luv der Boje die Wendung vollzogen, ihre Segel geöffnet und an den Deutschen vorbeigezogen waren. Die Wellen in diesem stürmischen Revier schätzte Sportreporter Dean zu dieser Zeit in seiner Sendung auf Radio St. Thomas auf zwei bis vier Meter Höhe. Des Rudergängers Geschrei war endlich verstummt und man sah das Heck der Aventura und ihrer offensichtlich geläuterten Crew leewärts von dannen schieben.

Die internationale Gemeinschaft nahm es mit Humor

Nur der Wind heulte noch in den Wanten der Yachten weiterer Klassen, die durch die Wellen heran rauschten und nach verkürzter Startkreuz das bunte Rund der Luvtonne backbords liegen ließen. „Und wieder einmal waren es die Deutschen, die eine wichtige internationale Grenze versetzt haben – allerdings hat es diesmal bis auf einige Segler in der Sir-Francis-Drake-Straße vor Tortola, BVI, keine weiteren internationalen Verwicklungen gegeben“, endete der humorvoll schmunzelnd gesprochene Kommentar von Radioreporter Dean, live vom Regattageschehen durch die angelsächsische Inselwelt.

Abends im Regatta-Village von Nanny Cay nahmen es die Segler mit Humor und Gelassenheit. Dean war einer der Stars des Abends. Und seine feste Stimme wurde immer wieder zitiert, die den Sturm für Radio St. Thomas im Interview übertönte: es werde die Welt nicht erschüttern, dass die Deutschen ein weiteres Mal Grenzen verschoben und nicht nur damit neue Wegpunkte für den Livestyle gesetzt hätten. Vielleicht war sogar so etwas wie Bewunderung in diesen Kommentaren: Denn Skipper Dietz hatte geschafft, was den meisten Wettbewerbern offen Respekt abnötigte – trotz des Desasters an der Luvtonne hatten er und sein Team nach der „Violation“ des Luvballons das Feld der Klasse der 24 Bareboats vom letzten Platz von hinten aufgerollt. Schließlich war die Aventura auf einem respektablen 6. Platz in dieser Wettfahrt gelandet.

Insgesamt schlossen die Deutschen zwei Tage später sogar noch besser ab: Auf dem 5. Platz konnten sie sich in dem Feld einer internationalen Konkurrenz von 24 durchweg professionell organisierten Teams so weit vorn präsentieren, dass vor allem die segelvernarrten Briten, aber auch die Italiener und BVI-Segler zu sportlichen Congratulations antraten.

Der Gouverneur lobte das Deutsche Engagement zu guter Letzt auch. Obwohl The Germans keinen Pokal mitnehmen dürften, hätten sie doch eine sportlich brillante Leistung gezeigt. Thanks to you guys, you did a good job, big sport! Big Sport!

Big Sport. Das blieb somit als Fazit einer nur noch vorgeblichen Fun-Regatta, die mittlerweile ihre feste Verankerung im Event-Kalender der Karibik gefunden hat. Big Sport und: Big Amusement. Denn sowohl die Partys im Regatta-Village von Nanny Cay als auch die gesamte Vergnügungs-„Industrie“ der BVI und der beteiligten Inseln fahren für die Versorgung der internationalen Gäste aus aller Welt schwere Kaliber auf – was die Qualität der Musikbands auf den Bühnen betrifft, was die Verpflegung betrifft und was die Ausstattung der Boote durch die Hersteller, die Veranstalter und die beteiligten Experten von den Local-Teams betrifft. Big sport wird die 1972 als Fun-Regatta ins Leben gerufene Wettfahrtserie zwischen einigen der schönsten Eilanden der Westindischen Inselwelt mit Sicherheit auch weiterhin zu einem international beachteten Spektakel machen, wenn zum 30. März 2009 die nächste Spring-Regatta Chartergäste aus aller Welt mit sportlichen Ambitionen in die karibische See lockt. Wer dabei sein will, sollte sich beeilen. Noch hat man eine reiche Wahl an guten Charteryachten, die im Regattafeld Chancen auf vordere Plätze haben.

 


Alle Regatta-Ergebnisse, Fotos, Videos und die Termine für die Regatta im Frühjahr 2009 im Internet unter: http://www.bvispringregatta.org

 


Englische News hier: Fine Tuning the 2009 BVI Spring Regatta – Round Virgin Gorda Race Added and Streamlining BVI Immigration and Customs Requirements

Tortola 2009:  Although each year, the basic format remains the same, the organizers of BVI Spring Regatta  and Sailing Festival work hard to fine tune the event.  This year’s edition, March 30 – April 5, is no exception with two innovative additions that will add value for the participants.  First, on the traditional Sailing Festival Layday, at the Bitter End Yacht Club, sailors will have the option to compete in the Around Virgin Gorda Race.  Secondly, the BVI Customs Department has granted special dispensation to those yachts participating in the BVI Spring Regatta and Sailing Festival and will not be charging for cruising permits. Additionally, to expedite the clearing in and clearing out process, Masters can file electronically.

About the changes in the Bitter End Layday schedule, John Glynn, V.P. North American Sales, explained, “Our intention is to now run the much anticipated Around Virgin Gorda Race (the 7th Annual) as part of the BVI Spring Regatta and Sailing Festival, on Wednesday April 1st. There will be special prizes for Swans, and the top Swan will be recognized. Entry in BVI Spring Regatta and Sailing Festival is not required.”  He went on to say, “In an interesting twist, racers in the Around VG Race this year will be given the option of going either way around the island. The current course record is just under three hours, held by the Swan 100S, Virago.”

In addition to BVI Customs and Immigration officials being on site at Nanny Cay from noon – 18.00 on Monday March 30 and Thursday, April 2nd, Customs will be waiving the Cruising Permit fee.  The fee is $4 per person, per day, and with boats carrying anywhere between five to twenty crew members, the per day savings for visiting yachts will be anywhere between $20  - $80, Wade Smith, BVI Customs Comptroller, also requested that visiting yachts entering the BVI, streamline the process for clearing in and out electronically.  The Caribbean Pre-Arrival Notification system, eSeaClear, is a service that provides vessel operators the ability to submit electronic notifications of arrival to participating Customs offices in the Caribbean. Registered users can access the system to enter and maintain information about their vessel or vessels, crew and passengers. Prior to arrival at a new country the vessel operator simply ensures the information is accurate for the upcoming voyage and submits a new notification.   eSeaClear was developed working closely with Customs to ensure that small vessel operators had a faster and more positive experience when clearing in and out of port.

Ends

Held annually on the first weekend of April, the BVI Spring Regatta & Sailing Festival is celebrating its 38th anniversary. It is now a seven-day event with two events back-to-back attracting an average of 150 yachts per year with eighty percent of the competitors from overseas.  The BVI Spring Regatta is presented by Nanny Cay Resort and Marina; the BVI Tourist Board is a Platinum sponsor; Gold sponsors are Bitter End Yacht Club, LIME, First Caribbean International Bank, Heineken,  The Moorings,  Mount Gay, and SOL.

Visitors can fly to the British Virgin Islands through San Juan, Puerto Rico with American Airlines, Cape Air and LIAT. Flights are also available through Antigua and Barbados on Virgin Atlantic, British Airways and BWIA. Ferry service is also available from St. Thomas with a new scheduled run in the early evening.

For full details on the BVI Spring Regatta & Sailing Festival including daily news, photos and complete results from the 2008 event, visit the official web site: www.bvispringregatta.org. For more information on the British Virgin Islands visit: www.bvitourism.com. For more information on Nanny Cay Marina visit:
www.nannycay.com.

The BVI Spring Regatta is jointly owned by the Royal BVI Yacht Club and the BVI Chamber of Commerce and Hotel Association.

Full size photos can be downloaded by visiting
www.caribbeanracing.com/bvisr08/press/2008/index.htm

For further information on the BVI Spring Regatta and Sailing Festival, please contact:

Judy Petz
BVI Spring Regatta Director
+ (284) 541 – 6732
E-mail:  info@bvispringregatta.com

Linda Phillips
Press Officer
Tel: + (284) 542 1493
E-mail: editor@caribbeanracing.com

Bob Phillips
BVI Spring Regatta Chairman
Tel: +(284) 494 2569
E-mail: bob@doylecaribbean.com


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Zusammenfassung der Seite:

Grand Tourisme - Worldwide

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