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Seit 1891 kann man bei Familie Bohm gut essen

Bohm's Fliegerkneipe - die Luftfahrt-Ausstellung - ILA für alle

Von Norbert Gisder
10.10.2009

Gut essen – ohne rauszufliegen

Wow. Besser hat mir ein Elsässer Wurstsalat lange nicht geschmeckt. Michael Bohm schaut selbstbewusst in die Runde. 33 Jahre jung, in den besten Hotels, Resorts und Restaurants der Welt zuhause, weiß der Chef des Hauses, zugleich Koch, Sachverständiger in Küchen- wie in Fliegerfragen, was die Gäste lieben: Kräftiges, gesundes und vor allem frisches Essen, das schmeckt. Und das in einer urigen Umgebung so serviert wird, dass der Restaurantbesuch lukullisch wie vom Augenschmaus her zu einem Erlebnis wird.

„Bohm‘s Fliegerkneipe“ steht über dem Eingang des Hauses an der Krusauerstraße 39 in Berlin-Lichtenrade – und wer den Gateway zum typischen, zugleich so bürgerlichen und doch besonderen Gasthaus-Glück noch nicht gesehen hat, der hat in Berlin irgendwie etwas verpasst, bisher: Das gilt nicht nur für das Fluggerät, dessen Historie wie auch Details man in dem kleinen, gemütlichen Wirtshaus mit Festsaal und allerbester Küche überall bestaunen kann.

Vom Tornado des Marinefliegergeschwaders 2 bis zum Schleuderstuhl im Garten, vom Leitwerk der MIG21 mit originaler Befeuerung bis zur Bordkanone am runden Stammtisch gleich links des Eingangs.

Zum Slot ins Erlebnis wird selbst der Abflug über die Gangway zum WC: Vitrinen, Vitrinen – alle geschmackvoll sortiert mit Artefakten aus einem Jahrhundert der Luftfahrt. Alt(aus)gediente Gladiatoren des zivilen Luftverkehrswesens wie die amerikanische PanAm sind dort ebenso zu sehen wie modernstes Gerät aus dem Alltag der deutschen Lufthansa. Eine Flugzeug-Blackbox mit Voice-Recorder ebenso wie ein Original-Pilotenstuhl.

Der Großvater hat 1891 in der Keithstraße 13 mit der Sammlung begonnen und den Namen „Bohm“ als exklusiv-bürgerliches Erlebnis in die Kneipenwelt der aufblühenden preußischen Metropolregion gepflanzt. Mit seinem Abschluss als Berliner Weißbierwirt zog sich Großvater Bohm aufs Land zurück: Das heutige Lichtenrade, wo er 1905 die mittlerweile in vierter Generation in Familienbesitz geführte „Bohm‘s Fliegerkneipe“ etablierte, gehörte seinerzeit noch zu Teltow.

Mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 hob auch „Bohm‘s Fliegerkneipe“ ab: Flieger aus aller Welt kamen vom nahen Flughafen oder ließen sich direkt aus der Krusauerstraße nach Tempelhof fahren, um ihr „Cockpit“ vor der Bar gegen jenes in ihrer Luftfahrtgesellschaft zu tauschen. Da wird so manches Geheimnis sicher niemals gelüftet werden, über das die Stammgäste heute noch nur hinter vorgehaltener Hand fabulieren.

Michael Bohm, der 33-jährige Restaurantfachwirt, der das Haus erst Anfang dieses Jahres von seinem Vater übernommen und bis zum nächsten Jahr den eher bürgerlichen Wirtshauscharakter eines Vorort-Restaurants mit gutbürgerlicher, gediegener Küche bewerben will, sieht es gelassen: Sein afrikanischer, schwarzer Kranich und die beiden Aras aus Südamerika sowie eine sympathisch-familiäre Gartenatmosphäre um die Barbeque-Station und die Sitzreihen aus Verkehrsflugzeugen wird ihm weiterhin der Rahmen bleiben, in dem sich auch die internationale Fliegerwelt wohl fühlt: Ein Zuhause gleichsam jenseits des Cockpits genießen kann, in welchem die Heroen der Luftfahrt auch jenseits von ILA und Flugschauen zusammenkommen und sich wie daheim fühlen können – woher sie auch stammen.

Dass es dann immer wieder auch die Stewardessen von Easy Jet über Air Berlin bis Germania und anderer Luftfahrtgesellschaften in die Krusauerstraße zieht, sollte als Geheimtipp eigentlich nicht verraten werden. GT jedoch kann das Geheimnis – wenn auch hinter vorgehaltener Hand – durchaus einmal lüften: An solchen glücklichen Abenden sieht dann in „Bohm‘s Fliegerkneipe“ mehr lange Beine, schlanke Fesseln und wohl geformte Schönheiten, als etwa bei der Wahl zu den Miss Bahamas, die den Kennern der Szene ansonsten als Mekka der Genießer der weiblichen Grazie gelten.

Einen kräftigen Elsässer Wurstsalat, wunderbar gewürzt, nicht zu sauer, mit einer Prise Zucker darin und den besten, frischen Gewürzen, die die Berliner Märkte hergeben, vernaschen übrigens auch die Schönheiten der Luftfahrt gern; während die Nachbarn aus dem Kiez jederzeit eingeladen sind, die beste bürgerliche Küche weit und breit in gemütlicher Fliegeratmosphäre zu genießen.

Bohm’s Fliegerkneipe

Krusauerstraße 39

12305 Berlin

Telefon: +49 30/742 61 78

Im Internet: www.restaurant-bohm.de

P.S.: Von Schönefeld aus erreicht man Bohm’s Fliegerkneipe in 20 Autominuten. Die exakte Position:

13°23‘45‘‘ E

52°24‘21‘‘N

 

 

Unter der Decke mit den schweren Eichenholzbalken setzt die Bar an - die keine Wünsche offenlässt. Michael Bohm, der Herr des Hauses in vierter Generation, kocht selbst und bedient. Fotos: Norbert Gisder

Ich lasse mir den Elsässer Wurstsalat schmecken - eine reichhaltige Speisekarte hat mir die Wahl nicht leicht gemacht. Fein gewürzt, mit verschiedenen Käsesorten, in Streifen geschnitten, garniert und von frischen Tomatenvierteln und mildsauren Gürkchen umkringelt. Leben, wie Gott in Frankreich. Der Koch, der in Vogtsburg im Kaiserstuhl Restaurantfachmann gelernt und in den besten Restaurationen Europas schon gearbeitet hat, ist aller Ehre wert: So einen guten Salat jedenfalls gibt es in Berlin sonst kaum.

Die Artefakte aus der Luftfahrt des vergangenen Jahrhunderts wirken auch ohne Worte.

Im Garten sitzt der Kranich, zwei Aras plaudern um die Wette

Mittlerweile ist es dunkel geworden. Die Aras im Garten knabbern am Kletterholz, der schwarze Kronenkranich zeigt stolz sein Gefieder. Anzeigetafeln weisen die Gates für die Flüge nach Moskau und Marrakech aus, das Feuer des Leitwerks blitzt im Sekundentakt.

Zwei Pärchen schmusen auf originalen Flugzeugsitzen - es ist so romantisch wie unter Palmen.

Mitten in Berlin. Ja, man muss sich gelegentlich daran erinnern, dass man in Bohm's Fliegerkneipe mitten in Berlin sitzt. In der Krusauerstraße in Lichtenrade. Nur wenige Flugminuten von Schönefeld oder Tegel entfernt. Kleine Paradiese wie das von Michael Bohm machen aus Berlin, was es ist: Berlin.

Sag zum Abschied leise: Servus ...

... und komm wieder.


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Grand Tourisme - Worldwide

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