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Asyl

Kommentar von Peter Haisenko
04.12.2010

Es ist ein bedauerlicher, ja eigentlich untragbarer Zustand, dass es immer noch Länder und Regionen gibt, in denen Menschen um ihr Leben fürchten müssen, weil sie eine andere Meinung vertreten als die herrschende politische Kaste. Oder weil sie eine andere Religion bevorzugen. Im Extremfall bleibt nur ein Ausweg: Um ihr nacktes Leben zu retten, müssen diese Menschen ihre Heimat verlassen. Was für ein Segen, dass es Länder gibt, in denen diese Menschen Asyl finden und dass es ihnen überhaupt möglich ist, ein solches Land zu erreichen.

Bezüglich Asyl weiß ich aus erster Hand, wovon ich rede. Mein Vater hat 1945 freundliche Aufnahme in Deutschland gefunden. Er war – unschuldig – in der Sowjetunion in die Klauen von Stalins Vernichtungsmaschinerie geraten und ist als „Politischer“ zum Tode verurteilt worden. Er konnte dem Todeslager entfliehen, hat sich den Deutschen angeschlossen und ist mit dem Ende der Kriegswirren in Deutschland angekommen. Seine Dankbarkeit für diese glückliche Fügung hat er mir bis zu seinem Tod immer wieder vermittelt.

Ein echter Asylsuchender, ein Mensch, der zur Erhaltung seines nackten Lebens seine Heimat verlassen musste, dürfte nur einen einzigen Wunsch haben: Überleben. Wenn er also einen Platz erreichen konnte, an dem er in Sicherheit, ohne Ansehen seiner politischen oder religiösen Gesinnung genau das garantiert bekommt, dann sollte er primär nur dankbar sein. Forderungen nach bestimmten Formen der karitativen Zuwendungen seines Asylgebers stoßen bei mir auf völliges Unverständnis.

Selbstverständlich muss auch ein Asylbewerber eine Zukunftsperspektive haben. Er soll sich seinen Fähigkeiten entsprechend in seinem Gastland eine neue Heimat schaffen können. Dazu sollte er schnellstmöglich einen Rechtszustand zugewiesen bekommen, der es ihm erlaubt, mit eigener Arbeit für sein weiteres Leben und damit für seine Zukunft zu sorgen. Was könnte er mehr verlangen?!

Ich erachte es aber auch für eine Selbstverständlichkeit, dass ein Asylsuchender die Sitten und Gebräuche, die Gesetze und die Sprache des Landes rückhaltlos respektiert, das ihm ein Leben ohne Todesangst geschenkt hat. Ja, geschenkt! Obwohl Deutschland ein Recht auf Asyl definiert hat, bleibt es ein Geschenk. Der Asylbewerber muss keine materielle Gegenleistung erbringen. Er muss nicht einmal die Leistungen mit späterer Arbeit zurückerstatten, die er während des Status „Asylbewerber“ erhalten hat.

Ich erachte den Umgang der deutschen Behörden mit Asylbewerbern als äußerst rücksichtsvoll. Wenn zum Beispiel ein Muslim in Deutschland um Asyl ansucht, dann tut er das in dem Wissen, dass er sich in das Land von Knödel und Schweinebraten begibt. Er müsste dankbar sein, wenn er die Möglichkeit erhält, sein geschenktes Essen aus einem umfangreichen Katalog nach seinem Geschmack und seinen religiösen Regeln auszuwählen. Wiederum kann ich keinerlei Verständnis dafür aufbringen, wenn ein Asylbewerber sein Leben erneut, und noch dazu in seinem Gastland mit einem Hungerstreik in Gefahr bringt, weil er Geld anstatt Essen haben will.

Die Angriffe auf Frau Haderthauer ekeln mich an. Hier wird wieder einmal ein politisches Süppchen gekocht. Frau Haderthauer hat sich zwar meiner Meinung nach etwas unglücklich ausgedrückt, als sie ihren Standpunkt untermauerte: „Wer mit den Leistungen in Deutschland nicht zufrieden ist, kann jederzeit zurück.“ Besser, aber vielleicht politisch noch unkorrekter, wäre zu sagen: Wer wirklich Asyl braucht, wird sich nicht über die Form beschweren, wie sein Überleben garantiert wird. Ich begrüße ausdrücklich, dass Deutschland, mein Land, diesen Menschen Asyl und Hilfe gewährt.

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Die Menschen in der Sowjetdiktatur hatten keine Möglichkeit, der Vernichtungsmaschinerie Stalins zu entgehen. Nur die kurze Zeit und die Wirren des Zweiten Weltkriegs hat einigen von ihnen die Flucht aus dem größten Gefängnis aller Zeiten ermöglicht. Mein Vater hat darüber einen spannenden und lebendigen Roman geschrieben. Öffnet externen Link in neuem Fenster„Der Weg vom Don zur Isar“ Aus diesem Roman kann man lernen, dass selbst in der brutalsten Diktatur die Menschlichkeit, Lebensfreude und die Liebe niemals restlos aussterben. Man erhält aber auch einen Einblick, wie unvergleichlich brutaler die Umstände waren, die vor 70 Jahren Menschen veranlasst haben, ihre Heimat auf der Suche nach Asyl zu verlassen. Als Deutscher des 21. Jahrhunderts wird man nach Lektüre dieses Romans ein wesentlich besseres Verständnis für die Vorgänge im Russland der postkommunistischen Ära haben.


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Grand Tourisme - Worldwide

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