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Der Cowboy und das Haifischbecken

Von Norbert Gisder
05.03.2005

Wie Willy Kuhweide den deutschen America's Cupper "Fresh Seventeen" mit List nach Valencia führen will.

Mehr als 3,5 Millionen aktive Segler in Deutschland sollen endlich aufhorchen. Und rasch mitmachen. Denn von heute an in spätestens 54 Tagen, das sind nur noch acht Wochen minus 48 Stunden, will Willy Kuhweide, Kommodore des Deutschen Challenger Yacht Club e. V., ein neues Kapitel deutscher Erfolge in der internationalen Regatta-Segelei einleiten. Und der gesamte Wirtschaftsstandort Deutschland sowie das Qualitäts-Label "Made in Germany" sollen profitieren: Mit der Meldung der Teilnahme des deutschen America's-Cup-Syndikats "Fresh Seventeen" beim Club Société Nautique de Geneve des Cup-Verteidigers "Alinghi" würden damit erstmals seit 1851 nicht nur die deutschen Farben im Kampf um die renommierteste Segeltrophäe der sieben Erdmeere vertreten sein; sondern der gesamtdeutsche Segelenthusiasmus auf die neue "Volksyacht" konzentriert. Motto: "Alle anpacken - mehr Sport wagen!"

Soviel Breitenspaß im Spitzensport kostet was. Und um das bezahlen zu können, geht die Deutsche Challenge 2007 AG und der Deutsche Challenger Yachtclub - endlich! Hoffentlich nicht zu spät! - ganz neue Wege.

Mit einer didaktisch geschickt aufbereiteten Reihe von Veranstaltungen in den Herzen der deutschen Segel- und Finanzmetropolen ziehen die Zugpferde der Kampagne durch die Republik: Der Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) in Berlin bot als erster die Bühne für ein Happening vor kaufkräftigen Lustseglern. Der 1943 in Berlin geborene Kommodore Kuhweide aus Arizona und sein Team schoben dabei eine gewaltige Welle von Optimismus vor sich her. Selbst offensichtlich vom Erfolg schon heute überzeugt, mit der Kraft ewigen Lächelns um Sympathie werbend, präsentierten sie erstmals einen Prospekt samt Kurzdarstellung in einem Flyer, der fast 100 Gästen tatsächlich Mut machte. Gestern abend im Norddeutschen Regatta-Verein (NRV), einem der drei Gründungsklubs des Deutschen Challenger-Yachtclubs, fand die frisch moderierte Schau ihre zweite Auflage.

Fortgesetzt werden die Animationen am 15. März beim Deutsch-Schweizerischen Motorbootclub Konstanz, am 4. April beim Bayerischen Yachtclub Starnberg, zwischendurch bei den Düsseldorfer Yachtsportlern, aus deren Schoß einst auch die Illbruck-Initiative geboren ward. Außerdem am 12. April beim Mühlenberger Segelclub in Hamburg und an weiteren Brennpunkten segelsportlicher Begeisterung.

"Alle zwei, drei Tage haben wir woanders einen Auftritt", strahlte Goldjunge Kuhweide, jugendlich, blendend von Aussehen und Gestalt, fast so dynamisch wie weiland auf dem obersten Treppchen in Tokio. Nach der 1964 dort errungenen Goldmedaille im Finn-Dinghy sowie zahllosen Europa- und Weltmeisterschaften, Trophäen und Spitzenplätzen unter weißem Tuch wolle er, der segelnde Berufspilot mit Wohnsitz in USA und der Schweiz, mit der erstmaligen deutschen Teilnahme am America's Cup nun die Krone des Segelsports für seine Geburtsheimat erobern. "Schluß mit der deutschen Übervorsichtigkeit", donnerte des Frontmanns Appell, begleitet von einem dynamischen Faustschwung. Der "unerwartet positive Zuspruch der Sponsoren seit dem kurzen Going Public im August" habe schon jetzt aus dem schwarzrotgoldenen Syndikatsschiff - das für acht Millionen Euro bei Knierim gebaut wird (wir berichteten) - einen "Volkssegler" gemacht.

Die Berliner hörten's gern - und bereits am Tag nach der öffentlichen Präsentation wurden Tickets von Hauptstädtern geordert. Dabei fand vor allem das Finanzierungsgeflecht, mit dem zum einen die "kleinen" Sponsoren von mindestens 50 000 Euro (oder einem mehrfachen) zugleich abgesichert und angeködert werden, Interesse: Dazu gehört im Kern der "Owner's Club" als Eigentümer der Yacht. Zwei Millionen sind gezeichnet. "Von mir natürlich auch ein Paket", freute sich Willy, unterstützt von seiner Crew: "Von mir auch", "von mir auch" . . .

Daß bis gestern noch fast sechs Millionen Euro allein zum Bau des Schiffchens fehlten, beunruhigt in dieser Runde niemanden: Wir erinnern uns - 3,5 Millionen aktive Segler will die Boy-Group um den Cowboy in den nächsten Wochen auffordern, persönlich Mitglied im Challenger Yachtclub zu werden. Für 15 Euro im Jahr. Allein diese Zahl könnte das Syndikat und die ganze Kampagne mit 52,5 Millionen Euro absichern.

Im VSaW fand sich auf Anhieb eine Initiative von Mitgliedern dieses zweitgrößten Berliner Vereins (fast 1100 Aktive), die den Frischlingen der internationalen Segelbühne ihr Jawort zu geben versprachen. Und auch gestern abend verlor mancher Elbsegler seine hanseatisch-traditionelle Zurückhaltung, denn, so Kuhweide listig: "Die Vorteile vor allem für die, die sich den Eintritt in den Owner's Club kaufen, sind gewaltig: Bis zu 15 Doppelstunden Mitsegelrecht auf ,Fresh Seventeen', Zugang zur exklusiven Lounge am Cup-Austragungsort vor Valencia, eine Bühne, wie sie die Welt exklusiver noch nicht gesehen hat, vor allem angesichts der mehr als 60 Live-Übertragungsstunden in ARD und ZDF sowie der Möglichkeiten, direkt von der Mole vor dem Yachthafen die Starts der Regatten mitzuerleben."

Und der Rest? Nun, von den mindestens 25 nötigen Millionen Euro habe man - abgesehen von den Kosten für das Schiff - 70 Prozent schon aufgebracht. Und über alles andere werde man die Menschen persönlich informieren. Oder mit dem Prospekt, der direkt bei der Deutschen Challenge AG (Theatinerstraße 15 in 80333 München) abrufbereit sei. Oder über die Internet-Seiten. Die sollen hier auch nicht verschwiegen werden. Also: "Gebt euch einen Ruck, macht mit, der Volkssegler ist eine einmalige Chance für Deutschland", lautet der Schlachtruf der Fanfare aus Berlin-Hamburg-München wider die Skeptiker im Haifischbecken Wassersportbranche.

Und weiter: Nicht das spinnerte Projekt eines Milliardärs, der sich Schiff und Crew international zusammenkaufe, sondern nur die breite Basis der aktiven Segler könne Deutschland jetzt noch retten.

Gis-/DIE WELT, 5. März 2005


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