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Erzfreunde – warum die USA Afghanistan lieben

Kommentar von Peter Haisenko
14.06.2010

Afghanistan könnte der weltgrößte Abbauort für Eisen, Kupfer und strategische Metalle werden. Die Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung des Pentagon hat die Welt am 13. Juni 2010 mit dieser Nachricht überrascht. Damit gewinnen alle Vorgänge in und um Afghanistan eine völlig neue Dimension. Nicht nur das. Auch das Engagement der USA und der anderen Beteiligten in Afghanistan muss von Anfang an neu bewertet werden, denn bereits die Sowjets wussten, dass der Boden Afghanistans unermessliche Schätze birgt. Selbst der Rücktritt von Bundespräsident Köhler bekommt eine Dimension, die endlich Gründe liefert.

Doch der Reihe nach.

Sowjetische Geologen haben im nationalen Institut für Geologie in Afghanistan ihre Aufzeichnungen über ihre Erkenntnisse zurückgelassen, in denen sie von großen Lagerstätten strategischer Mineralien berichten. Diese waren die Grundlage für weiterführende Explorationen amerikanischer Geologen. Die Sowjetunion wusste also bereits in den 80er Jahren davon. Man muss davon ausgehen, dass dieses Wissen nach dem Zerfall der Sowjetunion schnell seinen Weg in die Führungszirkel der westlichen Machtzentralen gefunden hat. Dass es dort weiterhin geheim gehalten worden ist, hat natürlich tief wurzelnde Gründe. Die Offenlegung dieses Wissens gerade jetzt mag der Tatsache geschuldet sein, dass in unserer Welt auf Dauer überhaupt nichts geheim bleiben sollte – überdies aber beantwortet sie viele Fragen, die nachdenkliche Menschen von Beginn der Intervention der USA in Afghanistan keine Ruhe gelassen haben: Was wollen die Amerikaner eigentlich wirklich in Afghanistan? Das war so eine Frage. Und: Warum haben die deutschen Soldaten eigentlich nie so recht erfahren, wofür sie am Hindukusch wirklich stehen?

Endlich alles klar: Es ist das Übliche!

Es geht um viel Geld und Macht. Wer Afghanistan unter seinen Machteinfluss stellen kann, wird die Kontrolle über den Abbau der wichtigen Bodenschätze haben.

Gerade Lithium scheint sein größtes Reservoir in den Afghanischen Bergen zu haben. Es ist sehr rar und wird für die Produktion von Akkumulatoren benötigt. Die Welt hat einen geradezu unstillbaren Hunger nach Lithium. Dass auch Eisen und Kupfer als Beutegut winken, darf als erfreuliche Beigabe betrachtet werden.

Nein, es ist ganz gewiss nicht übertrieben, nun festzustellen: Die Geschichte der Neuzeit muss – was Afghanistan betrifft - neu bewertet werden.

Das beginnt beim 11. September 2001. Ja, Der Anschlag auf das World Trade Center in New York hat vordergründig immerhin eine der wesentlichen Grundlagen für die amerikanische Intervention in Afghanistan geliefert – plötzlich sprach man von Moral und Anstand, von Schurkenstaaten und einer Achse des Bösen, von internationalem Terrorismus, dessen „Nester“ die Existenzberechtigung in den Reihen der „zivilisierten Welt“ verloren hätten.

Nun ist es unerheblich, ob das gesamte Ausmaß der Lagerstätten in Afghanistan bereits damals bekannt war. Allein das – geheime! - Wissen darum, dass lohnenswerte Abbaustätten existieren, reicht aus, die Begehrlichkeit der Wirtschaftsstrategen von jedem Skrupel zu befreien. Dass fast ein Jahrzehnt der Lüge zwischen deren voraussetzbaren Ratschlägen und der nun endlich erfolgten Bekanntgabe liegt, zeigt: Es ging zu keiner Zeit und geht auch jetzt wieder einmal nicht darum, die afghanischen Frauen vom Schleier zu befreien.

Die kritisierte Rede von Bundespräsident Köhler vor den deutschen Soldaten in Afghanistan beruhte – davon darf man bei einem Kaliber der Provenienz dieses Finanzexperten von internationalem Rang ausgehen – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf Köhlers Wissen um die Schätze der afghanischen Erde. Immerhin war Köhler Direktor des IWF gewesen und ich kann mir nicht vorstellen, dass er in dieser Funktion von diesem Geheimwissen ausgeschlossen gewesen ist. Er hat wohl versucht, die deutschen Soldaten in Afghanistan zu motivieren, indem er ganz vorsichtig auf die wirtschaftlichen Aspekte des Afghanistaneinsatzes hinwies. Das konnte allerdings nur danebengehen, weil er eben nicht die ganze Wahrheit sagen durfte. Seine leicht kryptischen Formulierungen konnten missverstanden werden – oder eben aus heutiger Sicht ganz genau richtig verstanden werden. Vor einer Armee in der autistischen Hilflosigkeit einer allgemeinen Sprach- und Begründungsarmut für das eigene Tun, einer Armee der mehr als offensichtlichen Kommunikationslosigkeit, musste so eine Rede ebenso wie das anschließende Radiointerview beim Heimflug nach Deutschland geradezu explosiv wirken: Endlich Gründe für die Sinnlosigkeit des Sterbens – und dann auch noch solche; Gründe, die schon in anderen historischen Kontexten genannt worden sind und deshalb heute als Verfassungswidrig gelten … der Skandal schien evident.

War er wohl auch. Bloß war es ein anderer als jener, den die Auguren des Verrats Köhler zu unterstellen trachteten.

Und so scheint die Kritik an Köhler unter den neuen Aspekten noch berechtigter. Wenn sich herausstellt, dass das deutsche Engagement in Afghanistan eben nicht von Anfang an der Verteidigung Deutschlands gedient hat oder wenigstens rein humanitär war, dann ist der Verfassungsbruch nicht nur der Regierung Schröder/Fischer offensichtlich. Und so, wie es heute sichtbar wird, diente die Entsendung deutscher Soldaten nach Afghanistan eben genau und nicht nur in erster Linie der präventiven Verteidigung wirtschaftlicher Interessen.

Dass dies natürlich vor allem für die USA gilt, nimmt den deutschen Regierungen seither nicht das Geringste an Schuld: Es geht nicht um „Krieg gegen den Terror“, sondern darum, die Früchte des Bodens Afghanistans in die Hände der großen Konzerne zu legen. Die Bevölkerung Afghanistans wird betrogen um das, was die Erde eigentlich zu ihren Gunsten in ihrem Inneren versteckt hat. Wieder einmal sind viele Tausend Menschen umgebracht worden, weil sich die Gier der Konzerne nicht darauf einlassen will, in fairer Zusammenarbeit einen anständigen Anteil am möglichen Gewinn an die abzugeben, die Kraft ihrer Hände Arbeit, des Ortes ihrer Geburt, der regionalen Besitzansprüche oder anderer Gegebenheiten ein Recht darauf hätten.

Wir schauen mit Grauen ins Jetzt und mit Grauen zurück in die Geschichte solcher Praktiken und uns wird schwindelig, wenn wir daran denken, wie viele Millionen Menschen allein während der letzten hundert Jahre aus diesem Grund ihr Leben lassen mussten und weiterhin müssen?

Ob Öl im Golf von Mexiko, Öl im Irak, Bodenschätze in Afghanistan – das Morden an der Natur und den Menschen hat eine Basis, die viel tiefer liegt als das, was uns suggeriert wird. Und solange wir uns nicht dagegen wehren, protestieren, dass die Schwarte kracht, handeln die Politiker und Konzerne auch in unserem Namen. Jetzt, wo die Erzfunde in Afghanistan bekannt gegeben worden sind, kann sich niemand mehr zurücklehnen und behaupten, er hätte von nichts wissen können. Geld regiert die Welt! Mordet Millionen.

Mit jedem Gramm Lithium aus Afghanistan in dem Akku eines Autos von Morgen wird der Zynismus offengelegt, der die Menschen der Erde zu Stimmvieh der untersten Kaste degradiert – gebrandmarkt, Schuld zu tragen, weil sie an eine höhere Weisheit ihrer Regierungen geglaubt haben.   

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Grand Tourisme - Worldwide

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