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Hat die Bundeswehr ein Wahrnehmungsproblem? Nun, nicht jene, die sich mitteilen.
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Serien
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Cannes, Monaco, Genua oder Triest, GT ist dabei. Regelmäßig berichten wir über die großen Shows der Messe-Arenen - bis hin zur
Düsseldorfer boot. Ein Millionenpublikum pilgert jedes Jahr zu solchen Ereignissen. Außerdem starten wir das neue
Ressort Medizin. Denn von der Reisekrankheit im Bus oder der Seekrankheit über die Frage nach der Malaria-Prophylaxe in den Tropen bis zum plötzlichen Herztod gibt es viele Themen, die unterwegs wichtig sind.
nachschauen. Ganz neu: die schönsten Stories über die
Hanse Sail 2011.
Bücher
Die Welt ist ein Buch. Das Neueste handelt über "
Die Kernfrage" - brauchen wir die Atomenergie? Im Watt, in dessen Struktur die Wissenschaft lesen kann wie Sie in GT, ist die Welt noch in Ordnung? Der Wachholtz Verlag hat zum Wattenmeer das Buch herausgebracht - wir lesen darin und wir erkennen die Welt. Erkennt die Welt auch uns? Das wiederum ist Aufgabe eines neuen Buches. Noch ungeschrieben? Nachschauen. Im
Ressort Bücher von GT
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Frauenpower 2: Westliche Bürokratie vs. afghanische Pragmatik
Afghanen verstehen es, das Wasser den Berg hinauflaufen zu lassen. Ich habe vorher noch nie ein solch archaisches, aber sehr effizientes Bewässerungssystem gesehen wie in den Nordost-Provinzen Afghanistans.
Ende Februar 2004 kam eine Dorfdelegation aus Aq Tepah nach Kunduz in das PRT, um uns um Mithilfe zu bitten. Kurz vor ihrem Dorf war ein Wasserwehr gebrochen und das Wasser, das sonst kanalisiert sowohl das Dorf als auch die Felder mit Wasser versorgte, floss nun ungehindert an ihnen vorbei. Bei unserer Erkundung stellten wir fest, daß die Betonbewehrung und das Mauerwerk vollständig eingebrochen war. Die von uns beauftragte afghanische Baufirma ermittelte bei einer Ortsbesichtigung einen Herstellungspreis von 13.000 US$. Wir versprachen den Dorfältesten, uns auf die Suche nach einem Donator zu machen, um ihnen zu helfen.
Da wir selbst nur Spendengelder für die Unterstützung von Schulen und Krankenhäusern bekommen hatten, wandten wir uns an die Hilfsorganisationen, vor allem an den Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie an USAID.
Das BMZ versprach uns, die Angelegenheit durch ihre Fachleute bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) prüfen zu lassen; USAID versprach uns, diese Sache durch ihre Experten bei der International Organisation for Migration (IOM) zu behandeln. Im Mai 2004 hatten die Prüfungen noch kein messbares Ergebnis gebracht. Wir wandten uns an den Vertreter des Auswärtigen Amtes, der aber leider für solche Infrastruktur-Maßnahmen kein Geld hatte. Nachfragen über die UNAMA an weitere Hilfsorganisationen waren erfolglos.
Da uns alle zwei Wochen ein Vertreter des Dorfes aufsuchte und nach dem Stand der Dinge fragte, wurde die Sache ein wenig brenzlig. Anfang Juni erhielten wir von dem Vertreter der USAID, Frau Michelle Girard sowie von der GTZ die Nachricht, dass ein solches Projekt unter Umständen finanziert werden könnte, wenn man den Verwaltungsweg einhalten würde. Da ich wohl ein wenig erstaunt blickte, erklärte sie mir: „Sie müssen das Dorf bitten, ein Bittgesuch an den Gouverneur zu richten, in dem um Hilfe für das Wasserwehr gebeten wird. Dann muss der Gouverneur einen Brief an Sie oder direkt an IOM richten.“
Unverzüglich ging ich in unser Büro und bat meinen Übersetzer, Mohammed zu mir. Ich formulierte ein Schreiben der Dorfgemeinschaft an den Gouverneur und ein Schreiben des Gouverneurs an uns und bat ihn, dies in Dari auf einem Blanco aufzusetzen. Er lachte und meinte, er könne nicht verstehen, wieso diese Schreiben notwendig seien, wenn seit Februar 2004 die Dorfbewohner auf die Reparatur des Wehrs warteten und kein Wasser mehr für die Felder hätten.
"Wenn man für alle Soforthilfemaßnahmen für ca. 10.000 US-Dollar einen solchen Schriftwechsel benötigt, dauert es noch vierzig Jahre, bis es wieder bergauf geht. Die meisten können übrigens nach 25 Jahren Bürgerkrieg gar nicht schreiben. Habt ihr in Deutschland damals (1945) auch so viele Briefe schreiben müssen, bis was passierte?"
Dann sagte er noch: "Wenn wir in Afghanistan ein Problem haben, wollen wir es beseitigen und nicht lange schreiben."
Ich erklärte Mohammed, dass dies nun mal die systemische Arbeit der Entwicklungshilfe sei und dass es aus Prinzip nun mal keine Ausnahmen gebe. "Schleich dich und stell mir nicht so komplexe Fragen", rief ich ihm hinterher. Er machte sich gleich ans Werk.
In dieser Zeit eröffnete der Deutsche Entwicklungsdienst mit Geld des BMZ ein Internetcafé in Kunduz. Kosten: 10.000 US-Dollar. Nun passierte es, dass in jenen Tagen das ZDF mit Dr. Claus Kleber in das PRT kam. Da Kleber an der CIMIC-Arbeit großes Interesse hatte, sagte er einer Tagestour zu dem besagten Dorf am nächsten Tag erfreut zu. Bei Tagesanbruch fuhren wir los. Ich hoffte im Stillen, dass wir nicht - wie bei den letzten beiden Malen - wieder einen Achsbruch in der Wüste erleiden und unverrichteter Dinge umkehren müssten.
Die Fahrt bei herrlichem Sonnenschein und 45 Grad Celsius verlief ohne große Probleme. Wir blieben zwar wiederholt in der Wüste stecken und das ZDF hatte seine wahre Freude daran, uns schuften und schwitzen zu sehen. Am Ende legte Dr. Kleber selbst Hand an und verhalf einem Prado, wieder aus dem Sand freizukommen. Als er mich fragte, wieso wir uns dies antun, erwiederte ich: "Weil es die Menschen wert sind."
Im Dorf nach einer 4-stündigen Fahrt angekommen, hatte sich die Nachricht bereits verbreitet und der Dorfbürgermeister fuhr uns im Motorrad entgegen. Er führte uns an die Stelle des gebrochenen Wehrs, das die Dorfbewohner inzwischen mit Sandsäcken geschlossen hatten. Er meinte „wir haben zwar kein Wasser für die Felder, aber das Dorf wird nun versorgt“.
Ich hatte kein gutes Gefühl, denn die Ackerzeit hatte längst begonnen und wir sahen den vorwurfsvollen braunen Boden und ein paar mühselig mit Wasser-behälter bewässerte Weizenfelder. Ich bat Mohammed zu mir, um ihm den Brief zur Unterschrift auszuhändigen. Der Bürgermeister lachte und zog seinerseits einen Brief heraus und meinte: „Wir wissen inzwischen, dass ihr Deutschen immer einen Brief und eine Liste haben wollt. Hier ist der Brief – unterschrieben von allen Dorfältesten“. Er teilte mir mit, dass der Gouverneur Ingenieur Omar morgen zu ihm ins Dorf kommen würde, weil auch er sich für das Wasserwehr interessiere. Ich bat ihn, ihm mitzuteilen, dass ich ein Schreiben von ihm, dem Gouverneur von Kunduz, benötigen würde. Das Schreiben erhielt ich zwei Tage später.
Zusammen mit meinem Kostenvoranschlag übergab ich beide Schreiben den Hilfsorganisationen. Man versprach mir, sich der Sache anzunehmen. Bei meiner Abreise Mitte August 2004 war das Wehr immer noch nicht repariert worden.











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