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Die Grünen - entzaubert. Was geht schief in Deutschland? - Lesen Sie dazu das Öffnet internen Link im aktuellen FensterBuch von Norbert Gisder

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Libyen unterm Feuersturm; Ägypten und die Revolutionslügen; der arabische Krisenbogen und seine Hintergründe; der Fall Soros - von Ferdinand Kroh. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen

Kosovo 2011, der jüngste Staat in Europa drei Jahre nach der Unabhängigkeit - Kommentare, Reportagen, Fotos - von Norbert Gisder. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen 

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Wer ein Boot auf dem Hänger transportiert, braucht eine zuverlässige Zugmaschine. Doch welche? Öffnet internen Link im aktuellen FensterSerie in GT

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Hat die Bundeswehr ein Wahrnehmungsproblem? Nun, nicht jene, die sich mitteilen. Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlesen

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Frauenpower 1: Das Beispiel Katachel bei Kunduz

Von Dr. Joachim Spross
08.09.2010
Fotos: Carl-Maria Teelman

Der Ort Katachel bei Kunduz mit seinen ca. 1.000 Einwohnern ist auf keiner handelsüblichen Landkarte in Deutschland zu finden. Der Ort ist bekannt durch die deutsche Hilfsorganisation Katachel e.V., die durch die Wolfsburgerin Frau Schnehage und dem afganischen Geschäftsführer Dadgul Delware geleitet wird. Frau Schnehage ist seit mehr als 10 Jahren für Afghanistan tätig, hat unzählige Schulen, Brücken und sogar eine Schuhwerkstatt gebaut.

2004 hat sie durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mehr als 450.000 Euro für Projekte im Rahmen der Soforthilfe erhalten. Abzüglich eines Verwaltungskostenbetrages von ca. 2 Prozent gehen die Hilfsgelder vollständig nach Afghanistan. Frau Schnehage ist daher für alle die „Mutter von Kunduz“, sie kann inzwischen sehr gut die Landessprache und ist von allen anerkannt.  Ich habe Frau Schnehage noch in Potsdam kennengelernt, wo sie wohl ein wenig gefürchtet war aufgrund ihres zielstrebigen – ja burschikosen – Auftretens und ihren vielen Sachspenden, die dann via Bundeswehr nach Kunduz transportiert werden mussten. Aber gerade diese kompromisslose Haltung habe ich bewundert, denn sie führte durch das besondere Engagement auch zum Ziel.

„Herr Sproß“, rief sie einmal im Oktober 2003 verzweifelt an, „meine Aufrufaktion für Kuscheltiere für Afghanistan hat dazu geführt, daß ich nun meine Wohnung voll Umzugskartons habe. Bitte helfen Sie mir, daß Zeug muss sofort nach Kunduz.“

Es handelte sich bei dieser Hilfslieferung um ca. 50 Umzugskartons mit Kuscheltieren, 21 Rollstühle und Prothesen sowie einem Fahrrad für Dadguls Tochter, die in Deutschland gerade ihre Beine hatte richten lassen. Die Bundeswehr – Abteilung Logistik – mag keine Sachspenden. Aus gutem Grunde: Jedes Kg kostet ca. 3-5 Euro und oft ist es beschämend, welche Sachen gespendet und nach Afghanistan geschickt werden (Stichwort: Entrümpelung eigener Keller). Aber Dadgul und Frau Schnehage hatten der Bundeswehr in der ersten Phase im Okt./Nov. 2003 vor Ort bei der Einrichtung und ersten Orientierung in Kunduz sehr geholfen und so war es selbstverständlich, dass man nun auch Frau Schnehage helfen wollte. Als Anfang November die Genehmigung vom BMVg kam (Anruf Frau Schnehage: Wieso geht das nicht schneller) und zwei Lkw der Bundeswehr die Sachen abholten (Anruf Frau Schnehage: Heute passt es mir gar nicht, können die nicht morgen kommen), wurden die Sachen nach Köln-Wahn zum Weitertransport verschickt und zum Transport eingeplant (Anruf Frau Schnehage: Sind die Sachen schon in Kunduz, was dauert das alles). Im Dezember trafen die Sachen in Kunduz ein und mussten – neben dem übrigen Material – seinerzeit händisch von den Soldaten aus der Transall abgeladen werden. Mit Hilfe von Dadgul wurden die Sachen kurze Zeit später an Hospitäler und einem Waisenhaus verteilt (Anruf Frau Schnehage: Gottseidank, zwar ist Nikolaus vorbei, aber nun haben wir es ja geschafft). Ich liebe Frau Schnehage – ehrlich !!

Frau Schnehage habe ich dann Anfang Februar 2004 in Kunduz getroffen. Sie meinte, egal was man tue, es sei wichtig, dass den Menschen schnell geholfen werde und das die Hilfe aus Deutschland deutlich wird.

Bei jedem Projekt hatte sie ein Bauschild mit den Farben schwarz-rot-gold installiert. Ich suchte sie auf, um aus ihren Erfahrungen und vor allem hinsichtlich der möglichen Baukosten von Projekten von ihr zu lernen. Bereitwillig gab sie mir all die Informationen, die ich benötigte. Auf der Rückfahrt sah ich die Limousinen des Gouverneurs (O. Latif) und General Daout zu ihr fahren. Sie war tatsächlich „die Mutter von Kunduz“. Am nächsten Tag rief sie mich an und meinte, sie würde zu einer Grundsteinlegung in der Nähe von Aliabad fahren. Ich sollte bitte mitkommen, weil deutsches Militär da nun mal wichtig wäre. Da ich Gottseidank einen flexiblen Kommandeur hatte, konnte ich den Tagesdienstplan ändern und fuhr mit ihr in das ca. 90 km entfernte Aliabad. Nach 3 Stunden kamen wir dort an. Ca. 1.000 Kinder, ja das ganze Dorf begrüßte uns herzlich. Die Bundeswehr war hier höchstwillkommen und man freute sich, dass Frau Schnehage nun die neuen deutschen Soldaten mitgebracht hatte.

Besonders beeindruckend waren die Reden, in denen sowohl der stellv. Provinzgouverneur, der Distriktgouverneur sowie eine Abordnung der Schülerinnen und Schüler immer wieder darauf hinwiesen, dass wir willkommene Gäste seien, sie Hilfe zur Selbsthilfe erbitten würden und von uns lernen wollen. Vor allem die Mädchen empfanden es als Privileg, nun wieder lernen zu dürfen (unter den Taliban war das verboten).

Am späten Nachmittag fuhren wir zurück. Frau Schnehage sagte mir auf der Rückfahrt zu, bei allen Projekten 2004 (ca. 140 Kleinprojekte) auf dem Bauschild zu vermerken, dass das deutsche PRT Kunduz die Arbeiten unterstützen würde. Diese Zusage war für uns sehr willkommen, weil die Erwartungshaltung der Afghanen gegenüber den Deutschen sehr hoch war und bislang wenige Projekte „das Licht der Welt“ erblickt hatten.

Als der Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) - Herr Sahlmann – dies erfuhr (er sah das erste Bauschild kurz vor dem Besuch seiner Ministerin), wies er Frau Schnehage an, dies zu übertünchen. 

Ein herber Rückschlag.

Bei dem anschließenden Ministerbesuch nahm Frau Schnehage die Gelegenheit wahr, ihrer Empörung hierüber Ausdruck zu geben. Die Ministerin stimmte ihr zu; die Bauschilder konnten wieder in der alten Form aufgestellt werden.

Frau Schnehage kam triumphierend zu mir und berichtete über ihr Gespräch mit der Ministerin. Sie schaute mich verschmitzt an und bat um einen Gefallen. „Welchen denn“ fragte ich – Böses ahnend.

„Ich habe 25 Rollstühle und weitere Krankenhausausstattungen gesammelt, die müssen nach Kunduz“ sagte sie lachend. Ich sagte meine Unterstützung zu – im Sommer 2004 wurden in Taloquan und Pol-e-Khomri zwei Krankenhäuser mit Prothesen, Rollstühle und Labormaterial ausgestattet. Zudem wurde in der Stadt Kunduz, in der es nun durch die Bundeswehr Straßenschilder gab, feierlich die „Sarak Schnehage“ eingeweiht. Ich liebe Frau Schnehage – ehrlich !! 

Lesen Sie im nächsten Teil über Afghanistan:

Öffnet internen Link im aktuellen FensterFrauenpower 2: Westliche Bürokratie vs. afghanische Pragmatik

 

 

 


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